Vereinbarung zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung Ihrer Bewohner

Ärztliche Pflege im Heim

© Alexander Raths - Fotolia.com

Während Allgemeinmediziner noch eher dazu bereit sind, zu den Patienten in die Heime zu gehen, sind Fachärzte nur selten dort anzutreffen, vor allen Dingen in ländlichen Regionen. Bei der fachärztlichen Versorgung werden je nach Fachgebiet durchschnittlich 2,5 Besuche pro Versichertenjahr erreicht. Insbesondere im neurologisch-psychiatrischen Versorgungsbereich besteht Nachholbedarf. Aber auch die zahnärztliche Versorgung ist mehr als mangelhaft. Um die ärztliche Versorgung in Ihrer Einrichtung optimieren zu können, hat die Bundesärztekammer zusammen mit dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) ein Eckpunktepapier für Sie zusammengestellt.

Lesen Sie mehr über das Thema Kooperation von Heim und Arzt in "Stationäre Pflege aktuell".

Nach einer Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin von 2008 sind tatsächlich beide Seiten, Heimverantwortliche und Mediziner, unzufrieden mit der Situation. Die Heimleitungen beklagen die schlechte Zusammenarbeit mit den Ärzten und die fehlende Bereitschaft zu Hausbesuchen im Heim. Die Mediziner hingegen bemängelten die fehlende Integration des Arztes in die Heimstrukturen, die mangelhafte Vorbereitung des Arztbesuches und die fehlende Visitenbegleitung.

So stimmen Sie Ihre Organisation ab

Um jederzeit auf einen Arztbesuch vorbereitet zu sein, sollten Sie nachhaltige organisatorische Möglichkeiten nutzen, die Sie schon jetzt mit geringem Aufwand und in überschaubarer Zeit umsetzen können. Ein zentraler Ansatzpunkt zur Verbesserung der Zusammenarbeit sind verbindliche Absprachen zwischen den regelmäßig besuchenden Hausärzten und Ihren Pflegefachkräften. Dabei trägt der Arzt und nicht Ihre Pflegefachkräfte die Verantwortung für die ärztliche Behandlung.

Das kennen Sie sicherlich auch: Mehrere Hausärzte besuchen Ihre Patienten, aber unabhängig von den Besuchen der weiteren betreuenden Ärzte. Versuchen Sie, mit „Ihren“ Ärzten Absprachen über den Zeitpunkt und die Frequenz der jeweiligen Besuche zu treffen. Bauen Sie ein Ärztenetzwerk auf. Die Vorteile für Ihre Patienten wären einerseits die regelmäßige Visite des vertrauten Hausarztes, andererseits die Möglichkeit zur Rücksprache mit einem mit Ihrem Haus und Ihren Bewohnern vertrauten Arzt in besonderen Situationen. Aus Sicht der Hausärzte ergibt sich daraus die Möglichkeit, gleichzeitig weiterhin die eigenen Patienten zu sehen und durch die bessere Verteilung der Besuchszeiten aller Ärzte von zeitlich und organisatorisch aufwendigen Notfallbesuchen entlastet zu werden.

Für eine verbesserte Kooperation sollten Sie folgende Voraussetzungen schaffen:

  1. Sorgen Sie für eine Vernetzung der die Heimpatienten versorgenden Hausärzte dahingehend, dass
    • eine Terminabsprache bzgl. der Durchführung von Visiten stattfindet. Die Ärzte sollten gemeinsam einen Terminplan für ihre jeweiligen Besuche in Ihrer Einrichtung aufstellen. Dieser muss unbedingt auch den Mitarbeitern vorliegen, die die Ärzte bei ihren Visiten begleiten. Händigen Sie ihn auch der Rezeption aus, denn dort gehen möglicherweise auch einmal Anrufe der Arztpraxen ein.
    • eine wechselnde ärztliche Besuchstätigkeit von Montag bis Freitag stattfindet, sofern dies die Anzahl der das Heim versorgenden Hausärzte zulässt.
    • der jeweils seine Visite durchführende Arzt sich bereit erklärt, bei Bedarf die Patienten der anderen im Heim tätigen Ärzte mitzubehandeln.
    • ein gemeinsamer Bereitschaftsdienst mit möglichst täglicher telefonischer Erreichbarkeit (z. B. wechselnde Telefon-Rufbereitschaft per Handy) etabliert wird.
  2. Regelmäßige Durchführung von gemeinsamen Besprechungen zwischen den im Heim tätigen Ärzten und Ihnen. Die zeitlichen Abstände hängen auch von der Größe Ihrer Einrichtung und der Anzahl der beteiligten Ärzte ab. Eine Rolle spielt auch die Pflegebedürftigkeit der Bewohner.
  3. Einteilung und Durchführung des Besuchsdienstes und der Rufbereitschaft erfolgen im allseitigen Einvernehmen und werden der Pflegedienstleitung rechtzeitig durch die Ärzte im Voraus mitgeteilt.
  4. Installation einer Heimapotheke, die bei Bedarf nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt durch die leitende Pflegeperson in Anspruch genommen werden kann. Die Heimapotheke sollte unter der Aufsicht eines der das Heim betreuenden Ärzte stehen und als gemeinsamer Praxisbedarf betrachtet werden.
  5. Sie als Heimleitung stellen sicher, dass bei den Visiten immer eine kompetente Pflegefachkraft den Arzt begleitet.
  6. Die Notwendigkeit der fachärztlichen Mitbehandlung der Patienten wird von der Pflegedienstleitung oder der für die Arztbesuche zuständigen Fachpflegekraft mit dem zuständigen Hausarzt abgesprochen.
  7. Soweit es der Gesundheitszustand des Patienten zulässt, sucht dieser den Spezialisten auf, da eine adäquate fachärztliche Untersuchung und Behandlung zumeist eine spezielle apparative Ausstattung voraussetzen. Ist dies nicht möglich, sollte der entsprechende Facharzt einen Heimbesuch vornehmen. Um Fachärzte zu gewinnen, könnten Sie ihnen z. B. Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, in denen diese beispielsweise die erforderlichen Apparate installieren könnten. Das KWA Kurstift Bad Dürrheim ist noch einen anderen Weg gegangen: Dort wurden Räume an ein medizinisches Versorgungszentrum mit verschiedenen Ärzten vermietet, das auch der Öffentlichkeit zugänglich ist.
  8. Für die Organisation eines Arztbesuches ist Ihr Heimpersonal verantwortlich.
  9. Für jeden Bewohner werden standardisierte Informationen bereitgehalten, die allen Behandlern zur Verfügung stehen. Darin sollte das Prozedere der ärztlichen Versorgung in Ihrer Einrichtung erläutert und die Namen aller Ärzte mit Facharztbezeichnung sowie die Ansprechpartner in Ihrer Einrichtung genannt werden.

Zusätzliche Informationen zum Thema Kooperation von Heim und Arzt finden Sie in "Stationäre Pflege aktuell".

Weitere Informationen

Dieses Produkt könnte für Sie interessant sein:

 
Stationäre Pflege aktuell
Holen Sie sich professionellen Beistand, der Ihnen den Berufsalltag als Leitende Pflegefachkraft erleichtert. Experten helfen Ihnen bei der Qualitätssicherung und Weiterentwicklung Ihrer Pflegeeinrichtung...
 
 
 


Kommentare / Bewertung

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
Keine Kommentare

Um einen Kommentar zu verfassen müssen sie eingeloggt sein. Bitte geben Sie hier Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein:


Passwort vergessen?
Neu registrieren

 
© PRO PflegeManagement Verlag & Akademie
 

MeinPPM-Login

Kundendienst

erreichbar täglich von 7-22 Uhr
Telefon: 0228/95 50 130
Fax: 0228/36 96 480
E-Mail: kundendienst(at)ppm-online.org