So unterscheiden Sie Demenz und Depression in der Altenpflege

Der Unterschied zwischen Depression und Demenz in der Pflege.

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Möglicherweise kommt Ihnen diese Situation so oder so ähnlich bekannt vor: Frau Sobel wirkt in letzter Zeit sehr unkonzentriert. Es ist nun schon mehrere Male vorgekommen, dass sie sich nicht mehr an Absprachen mit ihrer Pflegerin Frau Maier erinnern kann. Frau Maier befürchtet, dass Ihre Pflegekundin eine Demenz entwickelt. Sie stellt fest, dass Frau Sobel auch zunehmend über körperliche Beschwerden und ihre starke Vergesslichkeit klagt. Frau Maier als Bezugsperson in der Altenpflege veranlasst die Abklärung beim Neurologen. Das Ergebnis der Untersuchung ist, dass Frau Sobel eine Depression hat, die medikamentös eingestellt wurde. Frau Sobel ist seitdem zwar nicht die Fröhlichkeit in Person, wirkt aber überwiegend ausgeglichen und zufrieden. Gedächtnisprobleme hat Frau Sobel kaum noch.

Mehr Informationen zum Thema Demenz oder Depression finden Sie in "Praxis: Altenpflege".

Ihre Beobachtungen sind entscheidend für die spätere Therapie

Demenz und Depression sind die häufigsten Erkrankungen im Alter. Depression wird oft fälschlicherweise für eine beginnende Demenz gehalten. Dies liegt daran, dass die Betroffenen scheinbar vergesslich werden. Dieser Eindruck entsteht leicht, da ein Menschen mit Depression Informationen gar nicht erst registrieren und aufnehmen. Möglicherweise kennen Sie den hierfür gebräuchlichen Fachbegriff „Pseudodemenz“. Ihren Kunden in der Altenpflege hilft es, wenn Sie die typischen Anzeichen erkennen. Hierdurch liefern Sie wichtige Hinweise für die ärztliche Abklärung und wissen, wie Sie die pflegerischen und betreuenden Maßnahmen für Ihre Pflegekunden mit der jeweiligen Symptomatik gestalten sollten. Eine Depression ist durch Medikamente gut einstellbar, und die Konzentrationsstörungen bessern sich schnell mit den anderen Symptomen. Bei einer Demenz bleibt die Vergesslichkeit und bessert sich kaum. Durch den Einsatz von Antidementiva lässt sich die Erkrankung lediglich eine Weile lang aufhalten.

Demenz und Depression können auch kombiniert auftreten

Während Ihre Pflegekunden mit Demenz eher versuchen, ihre Vergesslichkeit so gut es geht zu verbergen und zu überspielen, klagen Patienten mit Depression permanent über ihre Gedächtnisprobleme und wissen auch genau, wann diese angefangen haben. Gleichzeitig treten andere Anzeichen für Depression auf, wie z. B. Schlafstörungen, Apathie, starke Niedergeschlagenheit – besonders am Morgen –, geringes Selbstvertrauen.

Wenn Betroffene sich ihrer beginnenden Demenz bewusst sind, entwickeln sie manchmal zusätzlich eine Depression als Reaktion auf die beängstigenden Erlebnisse und Perspektiven. Im Gegensatz zu der Demenz kann die begleitende Depression durch Medikamente gebessert werden. Diese wirken sich auf die Stimmungslage aus, und möglicherweise bessert sich hierdurch auch die Alltagskompetenz wieder ein wenig.
Wie Sie Demenz und Depression voneinander unterscheiden können, sehen Sie in der folgenden Übersicht.

Übersicht

Unterscheidung zwischen Demenz und Depression

Diese Symptome sprechen für eine Demenz

Diese Symptome sprechen für Depressionen

Ihr Pflegekunde löst Aufgaben mit dem gleichen Schwierigkeitsgrad ohne größere Schwankungen.

Ihr Pflegekunde löst Aufgaben mit gleichem Schwierigkeitsgrad mal besser, mal schlechter.

Ihr Pflegekunde versucht, sein Bestes zu geben und durch Überspielen seiner Unsicherheit kompetent zu wirken.

Ihr Pflegekunde klagt über sein Nicht-Wissen und kann sich schwer für eine Antwort entscheiden.

Symptome: zunehmende Störungen des Kurz-, später auch Langzeitgedächtnisses, der Orientierung und beim Alltagshandeln.

Symptome: Schlafstörung, Gewichtsverlust, Hang zum Grübeln, Suizidgedanken, Versagensängste, Verlangsamung in Denken und Bewegung.

Die Fehlleistungen Ihres Pflegekunden werden im Alltag sichtbar. Er kann z. B. die Waschmaschine nicht mehr in Gang setzen oder den Fernseher nicht einschalten.

Ihr Pflegekunde schildert seine Leistungseinbußen detailliert und bleibt gedanklich an seinen Defiziten haften.

Ihre Pflegekunde sucht Hilfe nicht mehr gezielt, da er nicht genau ausdrücken kann, worin die Hilfe bestehen soll.

Ihr Pflegekunde sucht und findet gezielt Hilfe.

Die geringer werdende Alltagskompetenz spiegelt sich in den Ergebnissen der Demenztests wider.

Die Alltagskompetenz Ihres Pflegekunden ist gut erhalten. Demenztests hingegen fallen durch die Konzentrationsschwierigkeiten im Vergleich zu den praktischen Kompetenzen schlechter aus.

Die kognitiven Fähigkeiten bessern sich nicht durch Antidepressiva. Bei gleichzeitiger Depression wird die Stimmung besser und Ihr Pflegekunde ruhiger.

Antidepressiva bringen Besserung der psychischen und kognitiven Symptome.

Mit diesen Screenings liefern Sie dem Arzt wichtige Informationen für eine gezielte Therapie

Screenings sind kurze Tests. Mit diesen steigen Sie nicht in die Diagnostik ein, sondern sammeln lediglich Informationen. Hiermit untermauern Sie Ihre persönlichen Eindrücke für die Diagnosestellung.
Im Folgenden finden Sie jeweils ein Verfahren zum Erkennen von Demenz und Depression. Der Zeitaufwand ist bei beiden relativ gering.

1. GDS – Geriatric Depression Scale (nach Sheikh und Yesavage, 1986)

Dieser Test gibt Aufschluss über eine mögliche Depression. Falls Sie den Verdacht haben, sprechen Sie Ihren Kunden in der Altenpflege darauf an, ob er mit Ihnen diesen Test machen möchte. Da Ihre Pflegekunden mit Depression ihre Beschwerden oft mitteilen, argumentieren Sie am besten damit, dass der Arzt durch diesen Test besser versteht, wie er helfen kann.
Bitten Sie Ihren Kunden, zügig mit „Ja“ oder „Nein“ zu antworten. Stellen Sie die Fragen flüssig hintereinander, und kommentieren Sie die Antworten nicht. Dieses Vorgehen ist wichtig, damit Ihr Pflegekunde nicht ins Grübeln kommt. Der Zeitaufwand beträgt ca. 10 Minuten.

Test

GDS - Geriatric Depression Scale

 Ja 

Nein

1. Sind Sie grundsätzlich mit Ihrem Leben zufrieden?

Zufriedenheit Pflege

Demenz Depression

2. Haben Sie viele von Ihren Tätigkeiten und Interessen aufgegeben?

Depression Interessen

Tätigkeit Demenz

3. Haben Sie das Gefühl, Ihr Leben sei leer?

Leere Depression

Pflege Demenz

4. Ist Ihnen oft langweilig?

Langeweile Demenz

Depression Pflege

5. Sind Sie meistens guter Laune?

Demenz Laune

Pflege

6. Befürchten Sie, dass Ihnen etwas Schlechtes zustoßen wird?

Befürchtung Depression

Demenz Angst

7. Sind Sie meistens zufrieden?

zufrieden Pflege

Demenz

8. Fühlen Sie sich hilflos?

Depression

Hilflosigkeit Demenz

9. Sind Sie lieber zu Hause, statt auszugehen und etwas zu unternehmen?

Demenz Ausgehen

Depression Unternehmung

10. Glauben Sie, dass Sie mit dem Gedächtnis mehr Schwierigkeiten haben als andere Leute?

Gedächtnis Depression

Demenz Erinnerung

11. Finden Sie es wunderbar, jetzt zu leben?

Lebensfreude Demenz

Pflege glücklich

12. Empfinden Sie sich so, wie Sie jetzt sind, eher als wertlos?

Pflege Empfinden

Depression Wertlosigkeit

13. Fühlen Sie sich energiegeladen?

Energie Demenz

Pflege fühlen

14. Finden Sie, Ihre Lage sei hoffnungslos?

Lage Pflege

Hoffnungslosigkeit Demenz

15. Glauben Sie, die meisten anderen Leute haben es besser als Sie?

Besser Demenz

Glauben Depression

____ Punkte

Kreuzen Sie die Antworten jeweils bei „Ja“ und „Nein“ an. Zählen Sie die angekreuzten farbigen Kästchen.

Auswertung:

  • 0–5 Kreuzchen: unauffällig, 5–10 Kreuzchen: Hinweis auf leichte bis mäßige Depression
  • 10–15 Kreuzchen: Hinweis auf schwere Depression.

Lesen Sie mehr über Demenz und Depression in "Praxis: Altenpflege".

2. Uhrentest

Der Uhrentest ist der am leichtesten durchführbare Test zum Erkennen von Demenz. Er besteht im Wesentlichen darin, dass Ihr Pflegekunde in einen Kreis die Ziffern einer Uhr einzeichnet und die Zeiger mit einer bestimmten Uhrzeit aufmalt. Hiermit werden mehrere Fähigkeiten getestet, die mit zunehmender Demenz immer mehr verloren gehen: Um die Ziffern einzuzeichnen, muss Ihr Pflegekunde vorausschauend planen, um alle Ziffern im Kreis gleichmäßig zu verteilen, Er muss abstrakt denken können und eine innere Vorstellungskraft haben. Dieser Test dauert etwa 5–10 Minuten.

Anleitung:
Zeichnen Sie einen Kreis auf ein Blatt Papier. Erklären Sie Ihrem Bewohner / Patienten, dass Sie begonnen haben, eine Uhr zu zeichnen. Bitten Sie ihn, die Ziffern und die Zeiger hineinzumalen. Die Zeiger sollen auf 2 Uhr stehen.
Kommentieren Sie Fehlhandlungen nicht. Falls Ihre Pflegekunde nicht mehr weiterweiß, beantworten Sie seine Fragen. Sie wissen bei der Auswertung, wie viel und an welcher Stelle Sie geholfen haben.

Auswertung:
Beachten Sie folgende Kriterien:

  • Die Zahl 12 ist richtig eingezeichnet.
  • Alle 12 Ziffern sind korrekt platziert.
  • Die Zeit ist korrekt eingetragen.

Alle 3 Kriterien müssen erfüllt sein. Ansonsten deutet das Ergebnis auf eine Demenz hin. Am besten bewahren Sie die Zeichnung auf und merken kurz auf dem Blatt an, ob und welche Unterstützung Sie Ihrem Pflegekunden gegeben haben. Zeigen Sie das Ergebnis bei Bedarf dem Fach- oder Hausarzt.

4 Tipps für den Umgang mit Demenz und Depression in der Altenpflege

Im Idealfall haben Ihre Beobachtungen dazu geführt, dass der (Fach)Arzt eine sorgfältige Diagnose gestellt und die medikamentöse Therapie begonnen hat. Damit Ihr Pflegekunde seine psychische Stabilität so weit wie möglich erhält, ist Ihr professionelles Handeln gefragt, mit dem Sie Ihren Pflegekunden im Alltag unterstützen. Im ambulanten Bereich können Sie vieles davon nicht selbst durchführen. Geben Sie daher die folgenden Tipps an Angehörige weiter. Außerdem haben Sie als Leser von "Praxis: Altenpflege" Zugang zu allen Inhalten im entsprechenden Exklusivbereich. Im Dokumentenabruf unter "Behandlungspflege und Krankheitsbilder" finden Sie zusätzliche Hinweise zu den Themen Demenz und Depression.

Übersicht

4 Tipps zum Vorgehen bei Depression und Demenz

Vorgehen bei Depression

Vorgehen bei Demenz

1. Tipp: Eine gleichbleibende Tagestruktur ist für den Erkrankten unerlässlich. Die Routine macht es Ihrem Pflegekunden einfacher, den Tag zu bewältigen.
Rücken Sie nur in Ausnahmefällen vom Gewohnten ab, und bestehen Sie mit einer gewissen Standhaftigkeit auf der Einhaltung. Geben Sie zu leicht nach, ist dies zunächst freundlich von Ihnen gemeint, hilft Ihrem Pflegekunden aber nur für diesen Augenblick. Insgesamt wird die Alltagsbewältigung für ihn dadurch schwieriger.

1. Tipp: Ein gleichbleibender Tagesablauf ist für demenziell veränderte Menschen unerlässlich. Er bietet auch hier Sicherheit und Struktur. Verstehen Sie den Tagesablauf sozusagen als Gerüst. Sie lassen Abweichungen zu und gehen darauf ein, machen dann aber ansonsten wie gewohnt weiter. Wichtig ist, dass Sie den Tagesablauf für den Demenzkranken nach Möglichkeit so individuell planen, dass dieser möglichst wenig abwehrt.

2. Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem Pflegekunden nicht mit in ein Stimmungstief hineinziehen. Ärgern Sie sich nicht über häufiges Klagen.
Zeigen Sie Verständnis und Mitgefühl. Verstärken Sie Traurigkeit oder mangelndes Selbstwertgefühl nicht durch Validieren der Gefühlsebene.

2. Tipp: Grenzen Sie sich bewusst ab. Nutzen Sie die Validationstechnik, und schaffen Sie eine emotionale Verbindung zu Ihrem Bewohner / Patienten.
Schwingen Sie in seinen Gefühlen oder Antrieben mit, so dass Sie ihn auf dieser Ebene erreichen.

3. Tipp: Bitten Sie Ihren Pflegekunden um die Übernahme verschiedener Aufgaben im Haushalt.
Schaffen Sie im ambulanten Bereich eine regelmäßige Beschäftigung außer Haus.
Sorgen Sie für geistige Anregung je nach Interesse und Fähigkeit.

3. Tipp: Bitten Sie Ihren demenzkranken Pflegekunden um Mithilfe, binden Sie ihn ein, wo Sie nur können. Bieten Sie ihm Aktivitäten an, die er noch aus früheren Tagen gut kennt. Nutzen Sie bei der Beschäftigung alle noch vorhandenen Fähigkeiten, überfordern Sie ihn aber nicht.

4. Tipp: Lassen Sie sich so viel wie möglich von Ihrem Pflegekunden über seine Biografie erzählen. Verfolgen Sie seine Erzählungen mit Interesse und Respekt.

4. Tipp: Biografische Informationen helfen Ihnen, die Identität zu berücksichtigen, und zwar auch dann, wenn Ihr Pflegekunde sie selbst nicht mehr aktiv zum Ausdruck bringen kann.

"Praxis: Altenpflege" informiert Sie noch umfassender über Depression und Demenz.

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