So erkennen Sie, dass Ihre Pflegekunden mit einer geistigen Behinderung trauern

Unterstützung bei Behinderung

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Immer mehr Menschen mit geistiger Behinderung kommen in ein Alter, in dem auch für sie das Thema Tod und Sterben zunehmend relevant wird. Sei es aufgrund ihres eigenen Alters oder dadurch, dass sie erleben, wie lieb gewonnene Menschen versterben. Daher ist es für die Betroffenen wichtig, von Ihnen langsam an das Thema herangeführt zu werden. Ist ein Todesfall im engeren Umkreis Ihres Pflegekunde eingetreten, trauert er genauso wie jeder nicht behinderte Mensch auch, doch er zeigt es oft anders.

In "Palliativpflege heute" finden Sie noch weitere Verhaltensregeln zum vertrauensvollen Umgang mit geistig behinderten Pflegekunden in der Trauerzeit.

Wer häufiger mit geistig behinderten Menschen arbeitet, weiß, dass auch sie eine Vorstellung von Krankheit, Sterben und Tod haben. Und in der Regel empfinden auch sie Trauer. Doch nicht immer zeigt sich ihre Trauer so, wie Sie es bei geistig Gesunden gewohnt sind.

Die folgenden Tipps zeigen, woran Sie erkennen können, dass Ihr Pflegekunde trauert, und wie Sie ihn dabei unterstützen können.

Achten Sie auf sich ändernde Verhaltensweisen

Viele Betroffene drücken ihre Gefühle nicht auf die Ihnen vertraute Art und Weise aus, beispielsweise durch heftiges Weinen. Auch auf Nachfragen geben Menschen mit geistiger Behinderung manchmal an, zufrieden oder sogar glücklich zu sein, obwohl sie in ihrem Inneren wütend oder traurig sind. Dies liegt daran, dass viele Betroffene Angst vor den Konsequenzen ihrer Gefühle haben. Sie fürchten z. B., aus der Wohngruppe ausziehen zu müssen oder dass ihre Bezugsperson böse auf sie wird. Daher ist Trauer auch nicht immer unbedingt einfach bei dieser Personengruppe zu erkennen.

Achten Sie auf verändertes Verhalten Ihres Pflegekunden

  • So kann es sein, dass er sich mehr von der Gruppe absondert, als er es gewöhnlich tut, oder auch auf Ansprache unerwartet aufbrausend, ja vielleicht sogar aggressiv reagiert.
  • Ändern sich nach einem Todesfall eines nahestehenden Menschen die Schlaf- oder Essgewohnheiten Ihres Pflegekunden, kann dies ein Hinweis auf einen Trauerprozess sein.
  • Das Gleiche gilt für sich plötzlich verstärkende körperliche Symptome einer Erkrankung, z. B. Sprachschwierigkeiten, Unruhe, stärker ausgeprägte Spastiken.

Unterstützen Sie Ihren Pflegekunden bei seinem Trauerprozess

  • Sprechen Sie offen und ehrlich mit dem Betroffenen über den Todesfall. Menschen mit Behinderung wollen oft über das Geschehene sprechen, wagen aber nicht, von sich aus ihre Gefühle zu offenbaren.
  • Versuchen Sie nie, den Tod eines Familienmitgliedes oder eines Wohn- oder Arbeitsgruppenmitgliedes zu verheimlichen oder zu verschweigen. Der Betroffene bemerkt das Fehlen des Verstorbenen oder den geänderten Tagesablauf und wird darauf reagieren. Im schlimmsten Fall gibt er sich selbst die Schuld für sein plötzliches Fehlen oder interpretiert z. B. die ausbleibenden Besuche der Mutter als Liebesentzug. Seien Sie daher Fragen gegenüber offen und geben Sie ehrlich Auskunft.
  • Nicht alle Menschen mit Behinderung können ihre Gefühle verbal ausdrücken. In einem solchen Fall kann es hilfreich sein, den Betroffenen aufzufordern, ein Bild zu malen. Es soll darstellen, wie er sich gerade fühlt. Mit Hilfe des Malens fällt es vielen der Betroffenen leichter, ihr Gefühlsleben auszudrücken.

Bücher können helfen

Über Tod und Sterben zu sprechen fällt nie leicht, weder Ihnen noch Ihrem behinderten Pflegekunden. Leider gibt es bisher nur wenig Literatur auf dem Markt, die speziell auf diese Personengruppe ausgerichtet ist. Dennoch können Sie mit Hilfe der folgenden, ausgesuchten Bücher Ihrem Pflegekunden den Zugang zu der Thematik erleichtern.

Bäume wachsen in den Himmel

Untertitel: Sterben und Trauern
Ein Buch für Menschen mit geistiger Behinderung
Ringbindung, 96 Seiten, 148 farbige Fotos, meist farbige Abbildungen
Verlag: Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung, Dezember 2003
ISBN: 978-3-88617-511-6

Leb wohl, lieber Dachs

Autor: Susan Varley
Gebundene Ausgabe: 32 Seiten
Verlag: Anne Betz Verlag
ISBN-10: 3219102832
ISBN-13: 978-3219102833

In "Palliativpflege heute" finden Sie noch weitere Ideen und Tipps, um geistig behinderte Hinterbliebene bei der Trauerbewältigung zu unterstützen.

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