So kommen Sie besser mit Ihren Schuldgefühlen zurecht

Schuldgefühle in der Palliativpflege

© Yuri Arcurs - Fotolia.com

Kennen Sie nicht auch Pflegesituationen, die trotz all Ihrer Bemühungen nicht optimal verlaufen sind? Einer Ihrer Pflegekunden verstarb z. B. nachts allein in seinem Zimmer, weil Sie zu spät die Angehörigen informiert haben. Sie selbst hatten keine ausreichende Zeit, die gesamte Sterbephase über bei dem Bewohner zu bleiben. Sie mussten ja auch noch all Ihre anderen Pflegekunden versorgen. Nun nagt das schlechte Gewissen an Ihnen. Sie geben sich die Schuld daran, dass Ihr Pflegekunde an seinem Lebensende allein war. Was Sie in solch einer Situation tun sollten, um mit der Belastung durch Schuldgefühle fertig zu werden, sagen Ihnen die folgenden Empfehlungen.

In „Palliativpflege heute” finden Sie noch viele zusätzliche Hinweise und Lösungsideen zum Thema „Umgang mit Schuld und Schuldgefühlen in der Pflege”.

Fehler passieren überall, auch in der Pflege. Immer wieder werden Sie in Ihrem Beruf mit Situationen konfrontiert werden, die nicht so verlaufen sind, wie Sie es sich gewünscht haben. Wenn Sie im Nachhinein nun Schuldgefühle belasten, sollten Sie folgendermaßen damit umgehen:

  • Gestehen Sie sich Ihre Schuldgefühle ein und verdrängen Sie sie nicht. Sie verschwinden nicht, nur weil Sie beschließen, sie zu ignorieren.
  • Analysieren Sie die entstandene Situation. Überlegen Sie, was Sie hätten besser machen können. Eine gemeinsame Besprechung und Analyse der Situation im Rahmen einer Fallbesprechung können hier sehr hilfreich sein. Dort können Sie zusätzlich auf das Erfahrungswissen Ihrer Kollegen zurückgreifen, um zukünftig in solchen Situationen angemessen reagieren zu können.
  • Wenn Schuldgefühle Sie sehr stark belasten, fragen Sie sich: „Habe ich es absichtlich und vorsätzlich zu dieser Situation kommen lassen?” Lautet die Antwort „nein”, machen Sie sich klar, dass Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten alles getan haben, was Sie konnten.
  • Sie haben tatsächlich einen Fehler gemacht? Fehler sind menschlich und kommen vor. Akzeptieren Sie, dass auch Sie nicht unfehlbar sind. Halten Sie sich vor Augen, dass Sie in der damaligen Situation nicht anders gehandelt haben, weil Sie von der Richtigkeit Ihres Tuns überzeugt waren.
  • Überlegen Sie sich, was Sie selbst einem Kollegen in einer ähnlichen Situation raten würden. Beispielsweise: „In einer solchen Situation solltest du ruhiger werden. Wenn du unsicher bist, wie du bei Atemnot handeln sollst, wäre es sinnvoll, eine Weiterbildung zum Thema zu besuchen.” Diese Anregungen und Tipps sollten Sie auch bei sich selbst anwenden.
  • Überlegen Sie sich grundsätzlich, welchen Anspruch Sie an sich selbst und Ihre Arbeit haben. Sind Sie fähig, sich auch Fehler zuzugestehen, oder wollen Sie immer perfekt sein? Übertriebener Perfektionismus und zu hohe Ansprüche an sich und Ihre eigene Arbeit führen auf lange Sicht oft zu einer Überforderung. Seien Sie daher nachsichtig mit sich selbst und gestehen Sie sich auch Fehler zu. 

In „Palliativpflege heute” finden Sie noch weitere erprobte Verhaltensregeln zum richtigen Umgang mit Schuldgefühlen in der Palliativpflege.

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