"Das ist der 1. Tote, den ich sehe …"

Schüler Pflege

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Schüleranleitung in der Pflege ist immer ein schwieriges Unterfangen. Eine hohe Arbeitsdichte und ein großer Zeitdruck sind nicht die besten Rahmenbedingungen, die angehenden Fachkraft in der Pflege in ihren zukünftigen Beruf einzuführen. Besonders schwierig wird es dann, wenn es um die Versorgung von sterbenden Pflegekunden, Gespräche mit trauernden Angehörigen oder die Versorgung von Verstorbenen geht. Hier sind sowohl Sie selbst als auch Ihr Können als Praxisanleiter ganz besonders gefordert, Ihren Pflegeschüler mit diesem anspruchsvollen Gebiet einfühlsam vertraut zu machen.

Das Thema Pflege und der Tod wird auch in "Palliativpflege heute"

Erleichtern Sie Ihrem Schüler die 1. Begegnung mit dem Tod

"Sterben und Tod" ist ein Thema, mit dem sich die meisten Auszubildenden noch nicht auseinandergesetzt haben. Daher ist es wichtig, dass Sie als Praxisanleiter Ihren Schüler nicht einfach ins kalte Wasser werfen. Die folgenden Tipps sollen Ihnen helfen, diese besonders anspruchsvollen Situationen für Ihren Schüler optimal zu gestalten.

Tipp 1: Klären Sie in einem Vorgespräch, welche Erfahrungen Ihr Schüler mit dem Thema "Sterben und Tod" schon gesammelt hat. Auch Erfahrungen aus dem privaten Umfeld sind wichtig und sollten von Ihnen erfragt werden.

Tipp 2: Bevor Sie mit Ihrem Schüler das Zimmer eines sterbenden Pflegekunden betreten, sollten Sie ihn über die kommende Situation informieren. Erklären Sie vorab kurz das Krankheitsbild, den aktuellen Gesundheitszustand des Pflegekunden und die Pflegemaßnahmen, die Sie nun durchführen wollen. Besprechen Sie mit Ihrem Schüler, dass er bei Überforderung mit der Situation den Raum dezent verlassen soll.

Tipp 3: Erklären Sie Ihrem Schüler noch im Vorfeld, welche speziellen, typischen Veränderungen bei einem Menschen im Sterbeprozess auftreten (z. B. veränderter Atemrhythmus, Verfärbungen der Haut, etc.). So kann er sich innerlich auf die kommende Situation einstellen.

Tipp 4: Schicken Sie niemals einen Schüler allein zu einem sterbenden Pflegekunden. Dies sind besondere Pflegesituationen, in denen Ihr Schüler seinen Anleiter braucht. Sie helfen ihm allein durch Ihre Erfahrung und Ruhe, mit dieser Situation richtig umzugehen. Denken Sie immer daran, dass die Pflege Sterbender auch immer eine Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit ist. Viele Schüler sind damit überfordert oder kommen an ihre emotionalen Grenzen.

Tipp 5: Beobachten Sie bei der Versorgung Ihres Pflegekunden immer auch Ihren Pflegeschüler. Achten Sie dabei nicht nur auf seinen Umgang mit dem Patienten, sondern auch auf sein eigenes Befinden. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Schüler mit der Situation überfordert ist, bitten Sie ihn, das Zimmer wie besprochen zu verlassen.

Tipp 6: Besprechen Sie nach der Durchführung der Pflege mit Ihrem Schüler die Situation, und fragen Sie nach, was ihm genau Probleme bereitete. So können Sie zusammen daran arbeiten, diese Probleme zukünftig zu vermeiden.

Tipp 7: Bieten Sie Ihrem Schüler immer ein Reflexionsgespräch an. Hier können Sie gemeinsam nochmals die Situation aus verschiednen Blickwinkeln heraus betrachten.

Tipp 8: Seien Sie immer offen für Fragen. Es kann vorkommen, dass ein Schüler Sie erst Tage nach seiner 1. Begegnung mit dem Tod anspricht und die Situation nochmals besprechen möchte. Wehren Sie dies nicht ab etwa mit den Worten: „Ach, Frau Lutz, die ist doch schon lange tot“. Viele Schüler brauchen gerade zu Beginn ihrer Ausbildung einige Tage, um solche Situationen mental zu verarbeiten.

Extra-Tipp: Bei Schülern, die weniger als 6 Monate in der Ausbildung sind, sollten Sie erst nachfragen, ob sie sich der Pflege Sterbender schon gewachsen fühlen. Sollte sich Ihr Schüler noch überfordert fühlen, geben Sie ihm noch ein wenig Zeit. Versuchen Sie, in Gesprächen die Ursachen seiner Ängste zu ergründen, um ihm gezielt helfen zu können.

 

In "Palliativpflege heute" finden Sie noch mehr Tipps und Hinweise zum Thema Pflege und der Tod.

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