Geheimsprache im Arbeitszeugnis: Das Entscheidende steht zwischen den Zeilen

© eyezoom1001 - Fotolia.com
Den meisten Führungskräften im Pflegebereich fällt es schwer, Arbeitszeugnisse zu formulieren. Denn ein Arbeitszeugnis muss nicht nur klar und verständlich formuliert sein, sondern darf auch keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen, als aus der äußeren Form oder dem Wortlaut ersichtlich ist (§ 109 Abs. 2 GewO). Was diese gesetzliche Regelung bedeutet, worauf Sie bei der Formulierung achten müssen und die wichtigsten Formulierungsbeispiele haben wir für Sie zusammengestellt.
Alles zum Thema Arbeitszeugnis in der Pflege finden Sie in "pdl.konkret ambulant".
Diese gesetzliche Regelung bedeutet, dass Sie beim Abfassen eines Zeugnisses immer zwischen einer wohlwollenden und einer wahrheitsgemäßen Formulierung abwägen müssen. Um Auseinandersetzungen, auch vor dem Arbeitsgericht, möglichst von vornherein auszuschließen, sollten Sie Folgendes beachten.
Die Aufgabenbeschreibung
Bei der Aufgabenbeschreibung sollten Sie die vom Mitarbeiter im Laufe der Beschäftigungszeit ausgeübten Tätigkeiten so vollständig und genau beschreiben, dass künftige Arbeitgeber sich ein klares Bild davon machen können. Insbesondere Tätigkeiten, die ein Urteil über die Kenntnisse und die Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters ermöglichen, müssen Sie aufnehmen. Unwesentliche Tätigkeiten brauchen Sie hier allerdings nicht zu erwähnen.
Die Leistungsbeurteilung
Für Sie als Arbeitgeber ist die Leistungsbeurteilung neben der Aufgabenbeschreibung der wichtigste Teil des Arbeitszeugnisses, denn bei der Leistungsbeurteilung geht es um
- Leistungsbereitschaft,
- Arbeitsbefähigung,
- Arbeitsweise,
- Arbeitsergebnis,
- Kompetenz in der Mitarbeiterführung
und
- zusammenfassende Leistungsbeurteilung.
Hier haben Sie zwar eine größere Formulierungsfreiheit, doch Sie müssen Ihre Beurteilung gegenüber Ihrem Mitarbeiter und ggf. vor dem Arbeitsgericht auch begründen können – insbesondere wenn Sie die Leistungen Ihres Mitarbeiters als unterdurchschnittlich bewerten (Landesarbeitsgericht (LAG) Köln, 02.07.1999, Az.: 11 Sa 255/99, MDR 2000, 91). Beachten Sie aber immer den fachlichen und persönlichen Aspekt: Ein einseitiges Arbeitszeugnis ist lückenhaft und deswegen angreifbar (LAG Rheinland-Pfalz, 19.05.2004, Az.: 6 Sa 954/03).
Sozialverhalten: Ohne die Angaben zum Sozialverhalten ist ein qualifiziertes Arbeitszeugnis nicht aussagekräftig. Formulierungsbeispiele finden Sie in der untenstehenden Übersicht.
Der Schlusssatz: Der Schlusssatz enthält Aussagen zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses sowie die sogenannte Dankes-Bedauerns-Zukunfts-Formel. Bei einem guten Mitarbeiter enthält das Arbeitszeugnis eine umfassende Aussage. Diese sollte enthalten
- die Beendigung des Arbeitsverhältnisses auf eigenen Wunsch,
- den Dank für die geleistete Arbeit,
- das Bedauern über das Ausscheiden
und
- die guten Wünsche für die Zukunft.
Wenn Sie diese Aussage teilweise oder ganz weglassen, zeigen Sie, dass Sie mit Ihrem Mitarbeiter wenig bis gar nicht zufrieden waren.
Tipp: Bei einer schlechten Beurteilung sollten Sie Ihre Auffassung immer durch Abmahnungen, Gesprächsnotizen oder frühere Beurteilungen belegen können. Will Ihr Mitarbeiter eine überdurchschnittliche Leistungsbeurteilung durchsetzen, ist er in der Beweispflicht, denn grundsätzlich hat er nur Anspruch auf eine durchschnittliche
Bewertung.
Übersicht:
Formulierungsbeispiele zur Leistungsbereitschaft
Sehr gut | - zeichnete sich durch eine äußerst hohe Arbeitsmoral aus - war jederzeit aus eigenem Antrieb zu zusätzlichen Arbeiten und Mehrarbeit bereit - war stets äußerst motiviert - verfolgte äußerst beharrlich die gesetzten und selbst gesteckten Ziele |
Gut | - zeichnete sich durch eine sehr hohe Arbeitsmoral aus - war jederzeit zu zusätzlichen Arbeiten und Mehrarbeit bereit - war stets motiviert - verfolgte beharrlich die gesetzten Ziele |
Befriedigend | - hatte eine gute Arbeitsmoral - war auch zu zusätzlichen Arbeiten bereit - war motiviert - verfolgte die ihm gesetzten Ziele |
Ausreichend | - arbeitete mit genügender Arbeitsmotivation |
Mangelhaft | - zeigte bei Anleitung Fleiß und Eifer - zeigte für seine Arbeit Verständnis |
Formulierungsbeispiele zur Leistungsbeurteilung
Sehr gut | - Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt - Anforderungen in jeder Hinsicht optimal entsprochen - Erwartungen in jeder Hinsicht in allerbester Weise erfüllt |
Gut | - Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt - Anforderungen in jeder Hinsicht gut entsprochen - Erwartungen in jeder Hinsicht voll erfüllt |
Befriedigend | - Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt - Anforderungen in jeder Hinsicht entsprochen - Erwartungen stets zu unserer Zufriedenheit erfüllt |
Ausreichend | - Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt - Anforderungen entsprochen - Erwartungen erfüllt |
Mangelhaft | - Aufgaben insgesamt zu unserer Zufriedenheit erledigt - Anforderungen entsprochen - Erwartungen grundsätzlich zufriedenstellend erfüllt |
Formulierungsbeispiele zum Sozialverhalten
Sehr gut | Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Arbeitskollegen, Mitarbeitern und Kunden war stets vorbildlich / einwandfrei. |
Gut | Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Arbeitskollegen, Mitarbeitern und Kunden war vorbildlich / einwandfrei. |
Befriedigend | Sein Verhalten gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten war vorbildlich. |
Ausreichend | Ihr Verhalten gegenüber Arbeitskollegen war kameradschaftlich und hilfsbereit, das zu ihren Vorgesetzen korrekt. |
Mangelhaft | Sein persönliches Verhalten war insgesamt einwandfrei. Er galt als kollegialer und freundlicher Mitarbeiter. |
Abschlussformulierungen und was dahintersteckt
Abschlussformulierung | Klartext |
Das Arbeitsverhältnis endet in gegenseitigem Einvernehmen. | Dem Arbeitnehmer wurde das Ausscheiden nahegelegt, sonst wäre ihm gekündigt worden. |
Wir bedanken uns für seine Mitarbeit. | Das war’s – und tschüss! |
Wir wünschen ihr auf ihrem zukünftigen Berufs- und Lebensweg viel Erfolg. | Bei uns hatte sie leider keinen Erfolg. |
Wir wünschen ihm für den weiteren Weg in einem anderen Pflegedienst viel Erfolg. | Gut, dass wir diesen Mitarbeiter los sind. |
Weitere Praxishilfen, Checklisten und Muster finden Sie in "pdl.konkret ambulant", dem Fachinformationsdienst für PDLs.
Weitere Informationen
Dieses Produkt könnte für Sie interessant sein:
Leiten Sie Ihren ambulanten Pflegedienst erfolgreich und kompetent! So schaffen Sie als PDL den entscheidenden Servicevorsprung vor Ihrer Konkurrenz...
Kommentare / Bewertung

Übermittlung Ihrer Stimme...
Artikel hat 3.8 von 5 Sternen erhalten (4 Bewertungen).
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.