Häusliche Gewalt in der Pflege bei Menschen mit Demenz
Reagieren Sie bei häuslicher Gewalt in der Pflege
Gewalt in der Pflege ist in den Medien ein großes Thema: Immer wieder hört man von Patienten, die vom Pflegepersonal misshandelt werden. Doch das Thema Gewalt in der Pflege betrifft nicht nur das Pflegepersonal, sondern manchmal auch pflegende Angehörige. Besonders in der ambulanten Pflegetreffen Pflegekräfte im häuslichen Umfeld immer wieder auf Situationen, in denen Patienten von ihren Angehörigen Gewalt angetan wird. Die Pflege von Menschen mit Demenz stellt für viele pflegende Angehörige häufig eine starke Belastung dar. Besonders die Persönlichkeitsveränderungen und die oft herausfordernden Verhaltensweisen der Menschen mit Demenz führen vielfach zu Überforderungssituationen, die auch Pflegekräftekennen, die aber durch die persönliche Betroffenheit der pflegenden Angehörigen noch gesteigert wird. Gewalt in der Pflege von Seiten der Angehörigen kommt dabei in allen sozialen Schichten vor.
Lesen Sie mehr über Demenz und Gewalt in der Pflege in "Demenz: Pflege & Betreuung kompakt".
2 Formen von Gewalt in der Pflege bei Demenz
Beim Thema Gewalt in der Pflege handelt es sich nicht immer nur um rein körperliche Übergriffe auf den an Demenz Erkrankten. In der Pflege lassen sich insbesondere 2 Formen der Gewalt unterscheiden:
- die Vernachlässigung
- die Misshandlung
Auch Vernachlässigung ist Gewalt in der Pflege
Die Vernachlässigung als Gewalt in der Pflege äußert sich z. B. darin, dass erkennbare Wünsche des Betroffenen oder notwendige Handlungen bewusst oder unbewusst unterlassen werden.
Die unbewusste Vernachlässigung:
Hier werden notwendige Hilfen, die der Betroffene benötigt, nicht ausgeführt, weil die Pflegeperson die Notwendigkeit nicht erkennt, z. B.: Hilfeleistungen werden vergessen, keiner achtet auf die Ernährung, sodass der Betroffene austrocknet oder unterernährt ist usw.
Die bewusste Vernachlässigung:
Hier werden notwendige Hilfen, die der Betroffene benötigt, ganz bewusst nicht durchgeführt, z. B.: Die Einlage des Angehörigen mit Demenz wird nicht gewechselt oder das Bett wird nicht gerichtet.
Gewalt in der Pflege - Misshandlung
Von Misshandlung spricht man, wenn dem Betroffenen aktiv etwas angetan wird und Handlungen gegen seinen Willen durchgeführt werden.
Physische Misshandlung:
Hierbei wird der Betroffene aktiv körperlich misshandelt, z. B.: Verabreichung von bewusst falschen oder überdosierten Medikamenten, Fixieren, Schlagen, Treten, Schubsen.
Psychische Misshandlung:
Hier wird der Betroffene verbal und emotional misshandelt, z. B.: Beschimpfungen, Einschüchterung, Isolierung.
Finanzielle Ausbeutung:
Hier wird das Vermögen des Betroffenen gegen seinen Willen verwendet, z. B.: die Verfügbarkeit über eigenes Geld wird verweigert, gleichzeitig wird es aber nicht zu seinem Wohl verwendet.
Einschränkung der Willensfreiheit:
Hier wird der Wille des Betroffenen überhaupt nicht beachtet z. B.: der Wunsch, in eine Pflegeeinrichtung umzuziehen, die Tochter zu besuchen usw.
Klicken Sie hier für weiter Informationen zu Gewalt in der Pflege und Demenz: "Demenz: Pflege & Betreuung kompakt".
Ursachen von Aggressionen und Gewalt in der Pflege von Menschen mit Demenz
Es gibt verschiedene Ursachen, warum pflegende Angehörige aggressiv oder gewalttätig gegen Menschen mit Demenz werden:
- Unzureichende Kenntnis des Krankheitsbildes
- Mangelndes Verständnis für die Situation des Kranken
- Eine mit Konflikten behaftete Beziehung zu dem Kranken
- Probleme mit dem Rollenwechsel
- Schlafdefizite wegen der Rund-um-die-Uhr-Betreuung
- Familiäre, finanzielle, soziale oder gesundheitliche Probleme
- Vereinsamung aufgrund der Pflege
- Überforderung bei der Pflege
- Gedankenlosigkeit, Unachtsamkeit, Ignoranz
- Hadern mit dem eigenen Schicksal
- Ekel
Reagieren Sie richtig auf Gewalt in der Pflege
Wenn Sie den Verdacht haben, dass etwas nicht stimmt, z. B. dass Ihrem Kunden von seinen Angehörigen Gewalt angetan wird, sollten Sie versuchen, mit dem pflegenden Angehörigen während einer Pflegevisite oder eines Beratungsbesuchs ein Gespräch zu führen, um herauszufinden, ob er überlastet ist. Wenn dies der Fall ist, bieten Sie ihm Hilfen zur Entlastung an (siehe unten). Geht der Angehörige nicht auf Ihre Vorschläge ein und haben Sie weiterhin den Verdacht, dass Ihrem Patienten mit Demenz in irgendeiner Form Gewalt angetan wird, sollten Sie sich an den behandelnden Arzt wenden, die Pflegekasse Ihres Kunden informieren oder sich an das Gesundheitsamt Ihrer Region wenden.
Gewalt in der Pflege: Schauen Sie nicht weg!
Wenn konkrete Hinweise vorliegen, z. B. blaue Flecken, deren Herkunft unklar ist, sollten Sie schleunigst etwas unternehmen. Führen Sie schnellstmöglich eine Pflegevisite durch und führen Sie anschließend ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Überlegen Sie gemeinsam, was unternommen werden kann, um Ihren Patienten aus dem Wirkungsbereich der pflegenden Angehörigen zu holen. Allerdings kann der Arzt sehr häufig auch nur ein Gespräch mit den Angehörigen führen. Daher sollten Sie sich direkt vertrauensvoll an die Polizei wenden. Die Polizei entscheidet dann, welche Schritte erforderlich sind.
Unterstützen Sie pflegende Angehörige
Sollten Sie und Ihre Mitarbeiter feststellen, dass ein pflegender Angehöriger sich aggressiv gegenüber dem zu Pflegenden benimmt oder ihm die Pflegetätigkeit über den Kopf wächst, sollten Sie dem pflegenden Angehörigen unbedingt Hilfen anbieten, um einer Gewaltspirale entgegenzuwirken:
- Psychische Entlastung, z. B. durch Beratung oder Teilnahme an einer Angehörigengruppe
- Physische und zeitliche Entlastung, z. B. mehr Einsätze vom Pflegedienst, Tagespflege, Urlaubspflege, Heimeinweisung, Verhinderungspflege
- Pflegekurse, z. B. Umgang mit Demenz
- Technische Hilfen, z. B. Hausnotrufsystem, damit der Angehörige nicht immer zu Hause bleiben muss
"Demenz: Pflege & Betreuung kompakt" informiert Sie noch umfassender zu den Themen Demenz und Gewalt in der Pflege.
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