Hospitalismus - auch psychischer Hospitalismus muss erkannt werden

Die 3 Formen von Hospitalismus

Wahrscheinlich denken Sie bei dem Begriff "Hospitalismus" zunächst an den infektiösen Hospitalismus, also die Infektion mit Bakterien oder Viren innerhalb des Pflegeheims, z. B. beim Dauerkatheter. Es gibt jedoch 3 Formen des Hospitalismus:

  • physiologischer Hospitalismus (körperliche Veränderungen aufgrund von Bewegungsmangel, falscher Lagerung oder fehlenden prophylaktischen Maßnahmen),

  • infektiöser Hospitalismus und

  • psychischer Hospitalismus.

Mit psychischem Hospitalismus werden allgemein Entwicklungsstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter verbunden. Aber auch Bewohner in Ihrer stationären Einrichtung können Symptome von psychischem Hospitalismus zeigen.

Mehr Informationen zu Hospitalismus finden Sie in "Stationäre Pflege aktuell".

Was ist psychischer Hospitalismus?

Als psychischen Hospitalismus bezeichnet man körperliche und seelische Schäden und Mängel, die aufgrund von Kontakt- und Reizarmut durch Unterbringung in einem Krankenhaus oder einem Heim entstehen können. Zum psychischen Hospitalismus gehören also Störungs- und Verkümmerungserscheinungen, die auf mangelnde emotionale Zuwendung und Reizvermittlung zurückzuführen sind.

Entstehung von Hopsitalismus

Es geht beim psychischen Hospitalismus nicht um die Frage, ob Ihr Heim gut oder schlecht ist. Es geht vielmehr um die persönliche Situation des Bewohners. Mit dem Einzug in ein Pflegeheim hat der alte Mensch häufig das Gefühl, seine ihm vertrauten Bezugspersonen (Ehepartner, Kinder, Nachbarn) zu verlieren. Der Verlust der gewohnten häuslichen Umgebung und auch täglicher Aktivitäten und Routinen führt bei ihm zu Verunsicherung.

Heim bedeutet auch Konfrontation

Darüber hinaus wird Ihr Bewohner durch pflegebedürftige Mitbewohner intensiver mit seiner eigenen Vergänglichkeit und dem Tod konfrontiert. Es besteht für ihn keine Hoffnung, wieder in seine vertraute Umgebung zurückkehren zu können. Denn oft wird die Wohnung schon kurz nach dem Heimeinzug aufgelöst. Der Bewohner hat das Gefühl, dass ihm Bedürfnisse wie die Begegnung mit Bezugspersonen, Eigenständigkeit und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben vorenthalten werden. Gerade nach dem Einzug in ein Heim ist zu beobachten, wie Bewohner in teilweise erschreckender Geschwindigkeit resignieren, abbauen und sich selbst aufgeben. Sie ziehen sich auf ihre Grundbedürfnisse (essen, trinken, schlafen) zurück und regredieren fortschreitend. Regression bei Ihrem Bewohner erkennen Sie an zurückkehrenden kindlichen Verhaltensmustern wie z. B. Kotschmieren.

Hopsitalismus - Gefahr für Selbstständige und Demente

Der Heimeinzug bedeutet gerade für Menschen, die bis dahin relativ autonom waren, eine besondere Gefahr von Hospitalismus. Dies vor allem deshalb, weil sie mit dem Heimeinzug den Verlust Ihrer Unabhängigkeit verbinden. Sie haben das Gefühl, keinen Einfluss mehr auf ihre Tagesstruktur
nehmen zu können, und können ihre persönlichen Kontakte nicht mehr so frei auswählen wie in der eigenen Wohnung. Die Faktoren

  • Verlust von Bezugspersonen,

  • Verlust des psychosozialen Umfelds und

  • Verlust der gewohnten Umgebung

bedeuten für Demente eine besondere Gefährdung. Sie sind oft nicht mehr in der Lage, neue Kontakte aufzunehmen, selbst für eine sinnvolle Beschäftigung zu sorgen oder ihre Bedürfnisse zielgerichtet zu äußern.

Anzeichen von Hopsitalismus

Wenn Sie durch Ihre stationäre Einrichtung gehen und den Einruck haben, dass ein Bewohner sich nur von Mahlzeit zu Mahlzeit schleppt, schweigend vor sich hin starrt, sich zwanghaft motorisch bewegt, immer mehr seine Unabhängigkeit aufgibt oder immer stiller und uninteressierter an seiner Umgebung wird, dann sollten Sie mit dem Fragebogen überprüfen, ob dies Symptome von Hospitalismus sein könnten.

Checkliste

Psychischer Hospitalismus

Symptome bei psychischem Hospitalismus

JA

NEIN

Ist der Bewohner ängstlich, weint er viel und zieht er sich zurück?

Reagiert der Bewohner unangemessen mit Schreien, Zorn oder Trotz?

Ist der Bewohner still geworden und wendet sich bei Kontaktversuchen ab?

Ist der Bewohner apathisch geworden?

Beobachten Sie bei dem Bewohner stereotype Verhaltensweisen wie (teilweise stundenlanges) Vor-und Rückbeugen des Oberkörpers im Sitzen?

Beobachten Sie bei dem Bewohner stereotype Verhaltensweisen wie z. B. ständiges Reiben mit der Hand auf der Tischplatte oder ständiges Reiben der Hände?

Gerät der Bewohner nach stereotypen Verhaltensweisen in Zustände der Körperstarre?

Ist der Bewohner gegenüber äußeren Reizen (z. B. Schmerzen, Mitbewohner) gleichgültig?

Nimmt der Bewohner nicht mehr am Tagesgeschehen teil, obwohl er die Möglichkeit dazu hätte?

Wehrt der Bewohner Gefühlsbeziehungen ab und zieht sich in sich selbst zurück?

Verliert der Bewohner erworbene Fähigkeiten, ohne dass eine Krankheitsursache erkennbar ist?

Auswertung: Sollten Sie mehr als 3 Fragen im Test mit "Ja"; beantwortet haben, klären Sie mit dem behandelnden Hausarzt oder einem Psychiater ab, ob Ihr Bewohner unter Hospitalismus leidet.

Wenn Sie die Fragen 4 bis 7 mit "Ja"; beantworten, sollten Sie alarmiert sein, denn dieses Verhalten weist - soweit keine Medikamente ursächlich sind - eindeutig auf Hospitalismus hin.

Hinweis: Es ist schwierig, zwischen Depression und Hospitalismus zu differenzieren. Teilweise können beide Krankheitsbilder auch miteinander verquickt auftreten. Vermuten Sie Anzeichen für Hospitalismus bei einem Ihrer Bewohner, sollten Sie dies ärztlich abklären lassen.

Mehr Informationen zu Hospitalismus finden Sie in "Stationäre Pflege aktuell".



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