Hinlauftendenz - Den Pflegestandard beachten

Umgang mit Hinlauftendenz bei Bewohnern

Bei aller Sorgfalt lässt es sich nicht immer vermeiden, dass ein Bewohner unbemerkt "spazieren geht" und dann nicht allein zurückfindet. Wenn Sie bereits wissen, dass ein Bewohner besonders gefährdet ist, selbstständige Ausflüge zu unternehmen, können Sie versuchen, die Gefahr zumindest einzugrenzen. Früher hieß dieses Verhalten „Weglauftendenz“. Heute ist es üblich, das „Verlassen des Wohnbereiches“ als „Hinlauftendenz“ zu bezeichnen.
Mit unserem Pflegestandard Hinlauftendenz geben Sie Ihren Mitarbeitern eine Hilfe an die Hand, wie sie sich bei Bewohnern mit bekannter Hinlauftendenz verhalten müssen und was im Fall des Falles zu tun ist.

Mehr Informationen zum Thema Pflegestandard bei Hinlauftendenz in der Pflege finden Sie in "Qualität in der Pflege".

 

Muster

Pflegestandard Hinlauftendenz

Allgemeines

Ausgangssituation: Ein desorientierter Bewohner verlässt seinen Wohnbereich bzw. das Pflegeheimzufällig oder gezielt ohne Absprache mit den Pflegemitarbeitern.

Pflegeproblem

Es kann in Verbindung mit Orientierungsstörungen, Gedächtnisstörungen oder mangelnder Fähigkeit,Handlungsimpulse angemessen zu steuern, zu einer Hinlauftendenz bei Bewohnern kommen. Aufgrund der mangelnden Orientierung kann für den Bewohner dadurch eine Gefährdung entstehen.

Zielsetzung

Verminderung der Hinlauftendenz, Lenkung von Unruhe in alternative motorische Aktivitäten, Vermeidungvon (unbeabsichtigtem) selbst- und fremdgefährdendem Handeln des Bewohners.

Prophylaxe


Alle Mitarbeiter der Einrichtung (Eingangsbereich, Hausmeister), Angehörige und ggf. auch die Nachbarschaft werden informiert.

  • In jeder Schicht wird eine Bezugsperson ausgewählt und benannt.
  • Eine vertraute Atmosphäre wird geschaffen (Biografie, Möblierung).
  • Während des Tages ist das Pflegepersonal immer sicht- und hörbar.
  • Ein Zeitplan für Beaufsichtigung und Kontrolle wird erstellt (in akuten Phasen erfolgen Kontrollen engmaschig).
  • Tages- und wochenstrukturierende Maßnahmen werden angeboten.
  • Gespräche und geeignete Aktivitäten (z. B. biografiebezogen) werden angeboten, um von einem akuten Weglaufimpuls abzulenken.
  • Es wird versucht herauszufinden, wohin der Bewohner gehen möchte (oft gibt es nicht nur eine Hinlauftendenz, sondern ein "Hinwollen zu").
  • Bewohner werden in Gruppenaktivitäten eingebunden (z. B. speziell begleitetete Spaziergänge).
  • Die Adresse wird in Kleidungsstücken, der Handtasche etc. angebracht.
  • Es wird geprüft, wie der Bewohner sich im Straßenverkehr verhält.

Dokumentation


Täglich wird die Kleidung des Bewohners dokumentiert.

  • In der Dokumentation befindet sich eine Personenbeschreibung.
  • Die Dokumentation enthält ein aktuelles Foto. (Achtung: Nur in Notfällen darf eine Veröffentlichung in der Regionalpresse erfolgen, dies auch nur in Abstimmung mit den Angehörigen und derPolizei.)
  • Veränderungen, insbesondere bei selbst- und fremdgefährdendem Verhalten, werden dokumentiert.

Durchführung


Zur Erkennung einer Gefährdung durch Hinlauftendenz erfolgt die Beobachtung von Äußerungen und Verhalten, z. B. "Umtriebigkeit" und psychomotorische Unruhe.

  • Die Pflegeplanung wird in Zusammenarbeit mit einem Facharzt, den Angehörigen und unter Beachtung relevanter Biografiedaten erstellt, sinnvolle Maßnahmen werden abgesprochen.
  • Mögliche Selbst- oder Fremdgefährdung und aggressives Verhalten werden beachtet.
  • Achtung: Rechtliche Voraussetzungen bzgl. Freiheitsbeschränkung sind zu beachten! Hinweis: Informationen zu Freiheitsbeschränkungen finden Sie in Ausgabe 24/2004.

Vorgehensweise bei weggelaufenem Bewohner


Klären, wer den Bewohner zuletzt gesehen hat.

  • Einrichtung vollständig nach dem Bewohner durchsuchen.
  • Nähere Umgebung nach dem Bewohner absuchen.
  • Wenn der Bewohner nicht gefunden wurde, Polizei benachrichtigen.
  • Danach Angehörige, gesetzlichen Betreuer usw. informieren.
  • Sollte der Bewohner von allein wieder zurückkehren: Polizei, Angehörige usw. informieren.

Qualifikation

Pflegefachkräfte und angeleitete Mitarbeiter (z. B. der Hauswirtschaft, Verwaltung usw.)

Häufigkeit

Nach individuellen Erfordernissen des Bewohners


Bearbeiter:_______________________________ Änderungsstand: 0

Datum: ___________ Freigegeben:___________
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Mehr Informationen zum Thema Pflegestandard bei Hinlauftendenz in der Pflege finden Sie in "Qualität in der Pflege".



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