Die professionelle Fallsupervision - So bringt sie Ihre Pflegeeinrichtung voran
Warum Sie um Fallsupervision nicht herumkommen, wenn Sie in Ihrer Einrichtung wirklich zufriedene Kunden haben wollen
In der Praxis erlebt man häufig, dass sich Heimleitergegenüber jeglicher Art von Supervision reserviert zeigen. Supervisionwird nicht selten als „Seelenstriptease“ erlebt. Eine professionelle Fallsupervision hilft Ihnen jedoch, die Kundenzufriedenheit zu erhöhen und Ihrem Team durch eigene Reflexion der Praxis Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Dabei sind Kriterien zu beachten, die eine gute Fallsupervisionausmachen.
Mehr Informationen zu Fallsupervision in der Pflege finden Sie in "HeimManagement kompakt".
Jede Fallsupervision läuft in 6 Schritten ab
Eine Fallbesprechung hat immer den gleichen Ablauf, egal für welchen Bereich und Zweck Sie dieses Instrument nutzen:
- Schilderung der Situation,
- Sammlung der Sichtweisen und Probleme der Teilnehmer,
- Suche nach möglichen Ursachen für die Situation/ das Problem,
- Sammlung von Lösungsmöglichkeiten,
- Einigung über das zukünftige gemeinsame Handeln,
- Auswertung in einer nächsten Fallsupervision nach vereinbartem Zeitraum.
Von jeder Fallsupervision wird ein Protokoll verfasst, in dem die Ergebnisse der im Einzelnen besprochenen Punkte aufgenommen werden.
Wann lohnt sich eine Fallsupervision?
Supervision, in der die jeweilige Praxis von einem Mitarbeiterteam zusammen mit einem möglichst externen Supervisor reflektiert wird, gilt inzwischen in vielen Institutionen als Mittel zur Qualitätssicherung. Die Supervision soll helfen, die Arbeit mit Ihren Kunden zu verbessern. Weiter soll sie eine konstruktive Zusammenarbeit unter Ihren Mitarbeitern fördern oder die Entwicklung Ihrer Einrichtung voranbringen.
Supervision kann in Krisensituationen das Mittel der Wahl sein. Wenn sie kontinuierlich stattfindet, beugt sie der Entstehung von Krisen im Team vor.
Beispiel einer typischen Situation für eine Fallsupervision
Die Bewohnerin Frau Anna Meier hat zum wiederholten Male die examinierte Mitarbeiterin Frau Schröder geschlagen. Es kommt so gut wie nie vor, dass sie jemand anderen vom Pflegepersonal des Wohnbereiches angreift. Heimleiter und Pflegedienstleitung machen sich Gedanken, ob Frau Schröder ihrer Arbeit tatsächlich gewachsen ist. Die PDL bespricht mit dem Heimleiter die Situation, und sie versuchen, mit einer Versetzung auf einen anderen Wohnbereich das Problem zu lösen. Das Mitarbeiterteam des neuen Wohnbereiches nimmt die Pflegekraft Frau Schröder nur ungern ins Kollegium auf. Sie befürchten, dass Frau Schröder auch hier Probleme im Umgang mit Bewohnern haben wird. Als Folge würden sich dann Angehörige beschweren und außerhalb der Einrichtung ihren Unmut über das unprofessionelle Arbeiten des Hauses kundtun. Möglicherweise stehen wir hier am Anfang eines Teufelskreises.
Das obige Beispiel zeigt, dass hier eine Maßnahme ergriffen wurde, ohne der Ursache auf den Grund zu gehen. Heimleiter und PDL haben interpretiert, Frau Schröder sei der Arbeit nicht mehr gewachsen. Mögliche andere Auslöser für die Handgreiflichkeiten der Bewohnerin wurden erst gar nicht in Erwägung gezogen.
Hinweis: Werden Sie wachsam, wenn Sie bei einem Problem sofort eine Lösung umsetzen wollen. Schnelle Lösungen bearbeiten oft nur die Oberfläche und gehen nicht die Ursache eines Problems an. „Hauptsache schnell gehandelt“ ist in diesem Fall kein guter Ratgeber.
Achten Sie auf professionelle und sachliche Supervision
Nicht jede Fallsupervision ist für das Team hilfreich und bringt die qualitative Arbeit wirklich voran. In dem genannten Beispiel könnte die Fallsupervision z. B. folgendermaßen aussehen:
Beispiel für eine wenig hilfreiche Fallsupervision
Die Mitarbeiter des neuen Wohnbereiches treffen sich zur Fallsupervision. Es entbrennt eine Auseinandersetzung über die neue Kollegin Frau Schröder. Dabei wird ihr aufgrund des Vorfalls mit Frau Meier ein Burn-out-Syndrom unterstellt. Die teilnehmende PDL sowie Frau Schröder fühlen sich attackiert. Der Supervisor (auch ehrenamtlicher Vorstand des Trägers) versucht, bei Frau Schröder eine Verbindung zwischen Ausgrenzungserlebnissen in ihrer persönlichen Vergangenheit und den Attacken der Bewohnerin Frau Meier herzustellen. Frau Schröder findet tatsächlich gravierende Erlebnisse in ihrer Kindheit, in denen sie sich isoliert gefühlt hat. Das restliche Team geht mit dem Gefühl aus der Sitzung, dass es eine psychisch labile Kollegin mittragen muss.
Dieses Beispiel zeigt, dass eine schlechte Fallsupervision weder zur effizienten Teamentwicklung beiträgt noch ihre Arbeitsqualität optimiert. Anstatt sich sachlich mit dem Vorfall zu befassen, bringt der Supervisor Selbsterfahrungsaspekte eines Einzelnen in die Gruppe ein. Dies ist kein Ansatz für eine Fallsupervision. Hinzu kommt, dass der Supervisor zum Träger gehört, also kein Externer ist. Frau Schröder steht als Person völlig „nackt“ da und fühlt sich unverstanden. Sich gegen das Vorgehen zu wehren hält sie für wenig sinnvoll. Schließlich würde sie – durch die Doppelrolle des Supervisors – eine wenig erfolgversprechende Diskussion eingehen.
Beispiel für eine positive Fallsupervision
Nachdem der Pflegedienstleitung der Vorfall mit der Bewohnerin Frau Meier und der Mitarbeiterin Frau Schröder bekannt geworden ist, setzt sie darüber den Heimleiter in Kenntnis. Beide Seiten verständigen sich, die Thematik in einer Fallsupervision des Teams bearbeiten zu lassen. Der Supervisor fragt im Team nach möglichen Gründen für die Tätlichkeit der Bewohnerin. Es wird in Erwägung gezogen, dass die demente Bewohnerin Frau Meier die Kollegin Frau Schröder als Schwiegertochter wahrnimmt. Das Verhältnis zwischen Schwiegertochter und Bewohnerin wird als äußerst angespannt beschrieben. Bei der Erörterung der Pflegerituale von Bewohnerin Frau Meier wird im Team erkannt, dass Frau Schröder einige gar nicht kennt. Sie hat deshalb bei der morgendlichen Grundpflege Frau Meier nicht zum Abschluss mit deren Lieblingsparfüm eingesprüht.
In dieser Sitzung berichten andere Teilnehmerinnen, dass Frau Anna Meier sich oft ängstlich zeigt. Sie fühle sich wohler, wenn ihr Gegenüber über mehr Körperkraft als Kollegin Schröder verfügt. Das liegt daran, weil Frau Meier in der Vergangenheit öfter gefallen ist.
Der Mitarbeiterin Frau Schröder wird klar, dass es verständliche Gründe für das Verhalten der Bewohnerin gibt. Frau Schröder ist nun motiviert, mit der Bewohnerin das Gespräch zu suchen und sie oder die Angehörigen über die Lebensgeschichte zu befragen. Aus den gewonnenen neuen Erkenntnissen der Fallsupervision kann sich eine Einstellungsänderung gegenüber der Bewohnerin ergeben. Auf alle Fälle wird Frau Schröder bei der nächsten Grundpflege gelassener sein und das Lieblingsparfüm von Frau Meier mit einbeziehen. Die anderen Teilnehmer haben durch diese Fallsupervision erkannt, wie wichtig die Weitergabe von Ritualen in der Pflegeprozessplanung ist. Ein bedeutender Schritt für Ihre Qualitätsarbeit wurde dadurch gemacht und prägt sich durch die erlebte Praxis besonders gut ein. Zudem wurde die Mitarbeiterin so nicht zu Unrecht versetzt, und Bewohnerin Frau Meier muss ihre Attacken nicht wiederholen.
Hinweis: Durch eine professionelle Fallsupervision wird das Team angeleitet, an der Sache zu arbeiten und nicht durch Schuldzuweisungen Probleme zu lösen. So verstrickt es sich nicht ihte Vorteile bringt.
Pflege und Betreuung in Ihrer Einrichtung ist im Kern Beziehungsarbeit. Eine gute Beziehung mit dem Bewohner erzielt eine hohe Kundenzufriedenheit, also Ergebnisqualität. Um diese positive Ergebnisqualität zu erreichen, benötigen Sie wiederum eine gute Beziehung im Sinne der Zusammenarbeit im Team.
Das macht eine gelungene Fallsupervision als Team- und Qualitätsinstrument aus
- Fallsupervision ist die Arbeit an konkreten Themen, die das Miteinander innerhalb des Teams oder die persönlichen Erfahrungen der einzelnen Teilnehmer in der Arbeit beleuchten. (So entfernt sich das Team nicht von dem eigentlichen Gegenstand seiner Arbeit, den Klienten. Und es gerät nicht in Gefahr, sich in Selbsterfahrungsdiskussionen zu verstricken, die oft negative Folgen für die weitere Zusammenarbeit untereinander haben,
- Bei der Fallarbeit gibt es kein Richtig oder Falsch. Jede Meinung des einzelnen Mitarbeiters über seine Beziehung zum Bewohner wird aufgenommen. Die Einzelerfahrungen geben in der Gesamtschau eine größtmögliche Annäherung an das, was der Bewohner zu seiner Zufriedenheit braucht. (Jeder Bewohner zeigt dem jeweiligen Mitarbeiter einen anderen Teil von sich. Deshalb müssen alle Erfahrungen zusammengetragen werden.)
- Aus der Gesamtschau gewinnen die Mitarbeiter neue Erkenntnisse über den Bewohner und die notwendige Optimierung der Pflegeprozessplanung. Dies führt dann wiederum zu neuen Reaktionen beim Bewohner, weil er sich verstanden fühlt. Das bringt für die Qualitätsarbeit eine höhere Kundenzufriedenheit.
- Es geht darum, dass jedes noch so „verrückte“ Handeln des Bewohners in seinem jeweiligen Kontext ein sinnvolles Handeln ist. In der Fallsupervision will das Team diesem Sinn „auf die Spur“ kommen.
- Der Supervisor begleitet die Supervision als Externer und sieht sich als Moderator des Prozesses, ohne steuernd einzugreifen. Er unterstützt ausschließlich durch fachlichen Input, wenn es mal im Team stockt.
Die Fallsupervision ist nicht nur für die Bewohnerarbeit nützlich. Sie können Sie genauso gut in der Hauswirtschaft bei der Entwicklung neuer Arbeitsabläufe oder in der Verwaltung (z. B. bei der Optimierung von Besprechungen) einsetzen.
Lassen Sie Ihre PDL oder in anderen Bereichen die jeweilige Leitung an ein oder zwei Fallsupervisionen teilnehmen. So können Sie in Erfahrung bringen, ob der Supervisor professionell vorgeht. Auch wenn die Bereiche die Fallsupervision eigenständig durchführen, ist eine Teilnahme zu empfehlen. Dann kann die jeweilige Bereichsleitung sich einen Einblick verschaffen, ob das Team überhaupt in der Lage ist, eine Fallsupervision selbst richtig durchzuführen.
Als Heimleiter brauchen Sie fachkompetente Mitarbeiter, die gut in einem Team zusammenarbeiten. Das ist letztendlich der Garant für eine gute Ergebnisqualität. Fallsupervisionen geben Ihren Teams Entwicklungsspielraum und fördern das sachliche Arbeiten. Also eine Fortbildung, für die das Geld gut angelegt ist.
Mehr Informationen zu Fallsupervision in der Pflege finden Sie in "HeimManagement kompakt".
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