Reibungsloser Veränderungsprozess - So gewinnen Sie Ihre Pflegekräfte dafür
Überzeugen Sie Ihre Pflegekräfte von einen Veränderungsprozess in Ihrem Pflegeheim
Folgende Personengruppen sind bei einem Veränderungsprozess im Pflegeheim entscheidend:
- Vorgesetzte (z. B. Pflegedienstleitung, Wohnbereichsleitungen einer Einrichtung), die mit der Richtung und der Wirkung des Veränderungsprozess einverstanden sein müssen.
- Pflegekräfte, die die Veränderungen schließlich in ihrem Arbeitsalltag umsetzen müssen.
- Kunden, die von einer Veränderung im Verhalten oder in der Leistungserbringung betroffen sind.
- Arbeitsbereiche, die von der aktuellen Veränderung nicht betroffen sind, aber mit Argwohn beobachten, was mit dem Veränderungsvorhaben geschieht. Sie verfolgen, was passiert, weil ihnen ähnliche Veränderungen bevorstehen könnten (z. B. Nachbararbeitsbereiche, Personalvertretung, Stabsstellen).
Erfahrungsgemäß sind etwa 20 % der Mitarbeiter gegenüber einem Veränderungsprozess aufgeschlossen. 20 % reagieren eher ablehnend und die Mehrheit schweigt. Sie, als Heimleiter, sollten daher zunächst ermitteln, welche Mitarbeiter wo stehen:
- Wer sind Ihre Mitspieler und Gleichgesinnten?
- Wer sind Ihre Gegner?
- Wer ist neutral oder unentschlossen?
Eine wichtige Voraussetzung, damit Sie Veränderungen in Ihrem Pflegeheim erfolgreich umsetzen können, ist, dass Sie Ihre Mitarbeiter von der Notwendigkeit überzeugen und sie für die aktive Mitarbeit an den anstehenden Veränderungen gewinnen.
Mehr Informationen zum Thema Veränderungsprozess in der Pflege finden Sie in "HeimManagement kompakt".
Veränderungsprozess führt zum Widerstand
Kaum ein Veränderungsprozess erfolgt, ohne Widerstände zu verursachen. Wenn auf ein Veränderungsvorhaben keine Widerstände auftreten, könnte das heißen, dass von vornherein niemand an dessen Realisierung glaubt. Deshalb sollte Sie das Ausbleiben von Widerständen viel mehr beunruhigen als das Auftreten.
Wenn Ihre Mitarbeiter sich gegen ein sinnvolles oder notwendiges Vorhaben sträuben, haben sie konkrete Bedenken, Befürchtungen oder Ängste. Die Ursachen liegen hauptsächlich im emotionalen Bereich. Wichtig ist deshalb, dass Sie als Heimleiter die Ursachen erkennen, um sie zu entkräften.
Wollen Sie die Ursachen herausfinden, müssen Sie mit dem Widerstand gehen und ihn umlenken. D. h., Sie müssen die unterschwellige, negative Energie aufnehmen, sie ernst nehmen und sinnvoll kanalisieren.
Als Heimleiter gehen Sie immer behutsam vor, und:
- nehmen Sie Druck weg, um dem Widerstand Raum zu geben.
- gehen Sie mit Ihren Mitarbeitern in den Dialog und erforschen Sie so die Ursachen des Widerstands.
- treffen Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern Absprachen bezüglich der Vorgehensweise und nehmen Sie ihnen damit ihre Ängste.
Bearbeiten Sie Konflikte im Veränderungsprozess
Sie sollten sich über die negativen und positiven Wirkungen von Konflikten im Klaren sein. Durch Ihr Verhalten können Sie wesentlich dazu beitragen, Konflikte nicht eskalieren zu lassen, denn Konflikte können von Ihnen kreativ und produktiv gelöst werden. Es gibt 3 Arten von typischen Konflikten sowie deren Lösungswegen:
Übersicht
Konfliktbearbeitung
Konfliktbearbeitung |
Konfliktart | Lösungsweg |
Gewinner-Gewinner-Situationen schaffen |
Die widersprechenden Meinungen werden diskutiert, gegeneinander abgewogen und neu formuliert. Es wird kooperativ eine Problemlösung angestrebt, die für alle Beteiligten annehmbar ist. | Voraussetzungen für eine kooperative Konfliktlösung sind: gegenseitiges Vertrauen, ungezwungene Meinungsäußerung, freier Zugang zu Informationen und partizipative Entscheidungsfindung. Um Konflikte konstruktiv zu lösen, müssen Sie als Heimleiter aktiv etwas unternehmen! Beziehen Sie die Betroffenen frühzeitig in die Lösungsfindung mit ein. |
Gewinner-Verlierer-Spiele vermeiden |
"Gewinnt" eine Mitarbeitergruppe, führt dies zwangsläufig zum Verlust für die anderen. Damit erfolgt eine Machtanwendung, bei der eine Mitarbeitergruppe auf Kosten der anderen ihren Standpunkt durchsetzt. Merke: Wer als Gewinner eines Konflikts einen Verlierer zurücklässt, ist früher oder später selbst Verlierer. | Machtanwendung ist nur dann vertretbar, wenn eine Konfliktbewältigung in kürzester Zeit erfolgen muss. Im Normalfall sind immer Möglichkeiten für eine gemeinsame Lösungssuche (s. o.) gegeben. Hinweis: Nur Gewinner sind produktive Leistungsträger. |
Verlierer-Verlierer-Spiele zerstören Motivation und Klima |
Wenn keine Gruppe Ihrer Mitarbeiter erreicht, was sie erreichen wollte, weil sie sich gegenseitig das "Wasser abgraben", entstehen Frust und Aggression. Das zerstört Ihr Pflegeheim als Einrichtung. | Ein gangbarer Weg ist, in der konkreten Situation faire Kompromisse zu finden (auch wenn nicht alle bekommen, was sie wollten) und zukunftsorientiert nach neuen Chancen für die Konfliktparteien zu suchen.Die Haltung: "Konflikte sind schädlich und müssen vermieden werden!" ist gefährlich. Wenn Sie wegsehen, lösen Sie keine Konflikte, sondern lassen sie bestenfalls einschlafen. |
1. Grundsatz: Denkhaltung bei Mitarbeitern und Vorgesetzten beachten
Ihre Mitarbeiter und die Vorgesetzten in Ihrer Einrichtung müssen sachliche und emotionale Konflikte offen legen und arbeitshemmende Probleme offen ansprechen. Die Vorgesetzten müssen zudem Informations- und Entscheidungsprozesse zielorientiert und transparent gestalten. Sachgegner dürfen beim Informationsfluss nicht vernachlässigt werden, sondern müssen jederzeit in den Veränderungsprozess in der Pflege integriert bleiben. Im Veränderungsprozess ist die sachliche und emotionale Sicht aller Mitarbeiter wichtig.
2. Grundsatz: Hierarchiedenken überwinden
Veränderungen müssen von der Hierarchie unabhängig gestaltet werden. Die Problemlösung muss an die Stelle mit der höchsten Fachkompetenz delegiert werden. Nur so können die Voraussetzungen geschaffen werden, leistungsbereite Mitarbeiter verantwortungsvoll in Veränderungsprozesse einzubinden. Leistungsbereitschaft Ihrer Mitarbeiter erreichen Sie vor allem, indem Sie ihnen Mitgestaltungsmöglichkeiten bieten. Nutzen Sie das kreative Potenzial Ihrer Mitarbeiter - unabhängig von ihrer Stellung in Ihrem Pflegeheim - zur Veränderung. So gewährleisten Sie als Heimleiter, dass sowohl die Experten Ihrer Einrichtung, als auch die Betroffenen an der Veränderung mitarbeiten.
3. Grundsatz: Gleichgewicht von Sach- und Sozialkompetenz herstellen
Die Einbindung Ihrer Mitarbeiter in einen Veränderungsprozess in der Pflege setzt voraus, dass Sie sach- und sozialkompetent vorgehen. Das bedeutet, dass Sie über ein Grundverständnis von psychologischen und gruppendynamischen Prozessen verfügen. Dieses Wissen ermöglicht Ihnen, auf Widerstände einzelner Mitarbeiter oder von Mitarbeitergruppen angemessen zu reagieren und sie "mit ins Boot" zu holen.
12 Tipps, wie Sie als Heimleiter Ihre Mitarbeiter für einen Veränderungsprozess in der Pflege gewinnen |
1. | Kommunizieren Sie mit Ihren Mitarbeitern auf direktem Weg (persönlichen Bezug herstellen). |
2. | Beteiligen Sie Ihre Mitarbeiter aktiv an der Entwicklung von Veränderungen. |
3. | Tauschen Sie Ideen schnell aus, und diskutieren Sie diese, unabhängig davon, von wem sie kommen. |
4. | Würdigen Sie immer die Kritik oder Verbesserungsvorschläge Ihrer Mitarbeiter. |
5. | Belohnen Sie Risiken: Nicht der Fehler ist das Problem, sondern den Fehler immer wieder zu machen. |
6. | Ermitteln Sie die Ursachen von Bedenken und Ängsten. Nehmen Sie Ihren Mitarbeitern ihre Befürchtungen. |
7. | Benennen Sie konkret Ihre Ziele, die Sie mit der geplanten Veränderung verfolgen. |
8. | Fragen Sie Ihre Mitarbeiter nach ihren Zielvorstellungen im Hinblick auf die anstehende Veränderung. Suchen Sie nach Gemeinsamkeiten. |
9. | Treffen Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern Absprachen in Bezug auf die anstehenden Veränderungen. |
10. | Sprechen Sie Konflikte bei Veränderungen aktiv an und sorgen Sie für kooperative und konstruktive Konfliktlösungen. |
11. | Seien Sie in Ihrer Planung gegenüber den Mitarbeitern konkret, detailliert und legen Sie einen Zeitplan fest. |
12. | Betrachten Sie Ihre Mitarbeiter als den Motor des Wandels. Sie müssen so viel Kompetenz wie möglich an sie delegieren. |
Mehr Informationen zum Thema Veränderungsprozess in der Pflege finden Sie in "HeimManagement kompakt".
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