Die häufigsten Risikofaktoren für Kontrakturen in der Pflege

Definition von Kontrakturen

Kontrakturen (lat. contrahere = zusammenziehen) sind die dauerhaften Verkürzungen von Muskeln, Sehnen und Bändern mit der Folge einer bleibenden Gelenkversteifung. Neben der „üblichen“ Immobilität spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Die Erkennung der Risiken ist Ihr wichtigster Schritt zu einer wirksamen Prophylaxe. Je genauer Sie die Risikofaktoren für Kontrakturen identifizieren, desto effektiver ist anschließend Ihre Prophylaxe.

Mehr Informationen zum Thema Kontrakturen in der Pflege finden Sie in "Qualität in der Pflege".

Übersicht

Arten von Kontrakturen

Kontrakturart

Beispiel

Beugung (Flexion)

angewinkelte Ellenbogen, nicht mehr streckbar

Streckung (Extension)

Spitzfuß

Abspreizen (Abduktion)

Ring- und kleiner Finger bei bettlägerigen Kunden

Anziehen (Adduktion)

"Embryonalhaltung" bei bettlägerigen Kunden mit fortgeschrittenen Kontrakturen

Die häufigsten Risikofaktoren für Kontrakturen in der Pflege

1. Kontrakturen durch Immobilität und Inaktivität

Jede Muskelkontraktion führt automatisch zur Dehnung des Gegenspielers. Bei fehlender Bewegung werden Muskeln und Sehnen nicht mehr gedehnt und verkürzen sich.

Beispiel: Stellen Sie sich folgende Situation in Ihrer Einrichtung vor: Einer Ihrer Pflegekunden sitzt tagsüber im Sessel und bewegt sich nur in gebeugter Körperhaltung und fehlender Muskelspannung am Rollator innerhalb des Zimmers. Eine Streckung der Ellenbogen- und Kniegelenke erfolgt nicht mehr vollständig. Die Gefahr von Kontrakturen an diesen Gelenken wächst.

2. Kontrakturen durch Lähmungen

Erkrankungen des Nervensystems führen häufig zu Kontrakturen, vor allem in Verbindung mit spastischen Lähmungen, z. B. bei Gehirn- oder Rückenmarksverletzungen (Querschnittslähmung), zerebralen Durchblutungsstörungen, Multipler Sklerose. So kann einer Ihrer Pflegekunden nach einem Schlaganfall halbseitengelähmt sein. Dadurch kommt es auf der betroffenen Seite zur Gefahr von Kontrakturen.

3. Kontrakturen durch Schonhaltung

Bei chronischen Schmerzen nehmen Ihre Pflegekunden häufig eine Schonhaltung ein. Sie versuchen, eine Position zu finden, in der sie am wenigsten Schmerzen verspüren, und vermeiden jede Bewegung, die Schmerz auslöst.

Beispiel: Ein Pflegekunde mit Osteoporose – diese Erkrankung erzeugt häufig starke Schmerzen entlang der Wirbelsäule. Einer Ihrer Pflegekunden hat aufgrund der Osteoporose starke Schmerzen entlang der Wirbelsäule. Er vermeidet es daher, seine Arme über Schulterniveau zu heben, und lässt die Arme lieber hängen, um die Wirbelsäule zu schonen. In beiden Schultergelenken erhöht sich dadurch die Gefahr von Kontrakturen.

4. Kontrakturen durch Narben

Schwere Verbrennungen oder Verätzungen in Gelenknähe führen zu einer Defektheilung mit Narbenbildung. Die Narben schrumpfen und es entsteht ein Narbenzug, der Bewegungen behindert.

Beispiel: Möglicherweise wird einer Ihrer Pflegekunden am Knie operiert. Es verbleibt eine Narbe. Das Gewebe schrumpft, der Patient kann  das Gelenk nicht mehr richtig bewegen und es kommt zu Kontrakturen.

5. Kontrakturen durch zu geringe Mobilisation

Wenn Ihre z. B. bewusstlosen, gelähmten oder immobilen Pflegekunden nicht regelmäßig durchbewegt werden, können sich Kontrakturen bilden. Bedenken Sie: Auch in der Entspannungslage (physiologische Nullstellung) können Gelenke versteifen.

Beispiel: Einer Ihrer ambulanten Pflegekunden ist vollkommen bettlägerig. Sie kommen nur einmal täglich zur Versorgung und die Krankengymnastin nur 2-mal die Woche. Die Mobilisierung ist zu gering, um dauerhaft das Entstehen von Kontrakturen zu verhindern.

6. Kontrakturen bei Spitzfuß

Der Spitzfuß entsteht durch den Druck der Bettdecke, die den Fuß zusätzlich zum Eigengewicht in Streckstellung bringt, und ist die häufigste Kontraktur bei Bettlägerigkeit. Versteift das Gelenk in dieser Position, kann der Betroffene nur noch auf den Zehenspitzen gehen und den Fuß beim Gehen nicht mehr abrollen. In der häuslichen Pflege können Sie häufig beobachten, dass die Pflegekunden Rollstühle ohne Fußstützen benutzen. Folge: Die Füße hängen durch, und durch fehlenden Gegendruck an der Fußsohle entsteht eine dauerhafte Streckung des Gelenks. Diese führt dann zum Spitzfuß.

Mehr Informationen zum Thema Kontrakturen in der Pflege finden Sie in "Qualität in der Pflege".

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