40 Jahre verheiratet und dann verwitwet – Ältere Trauernde brauchen Ihre besondere Aufmerksamkeit

Senioren und Trauer

© Ronald Hudson - Fotolia.com

„Bis dass der Tod uns scheidet“ – das nehmen sich eigentlich alle Ehepaare am Tag ihrer Hochzeit vor. Nicht bei allen klappt es tatsächlich mit der lebenslangen Ehe, aber es gibt auch viele Paare, die es schaffen, 30, 40 oder noch mehr Jahre verheiratet zu sein. Stirbt dann der Ehepartner, ist dies für den Hinterbliebenen ein Verlust, den er nur extrem schwer verkraften kann. Immer wieder gibt es Fälle, in denen der hinterbliebene Ehepartner nach verhältnismäßig kurzer Zeit ebenfalls verstirbt. Lesen Sie, was Sie deshalb im Umgang mit trauernden Senioren wissen sollten.

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Und plötzlich fehlt die Bezugsperson

In langjährigen Ehen kommt es immer zu einer mehr oder weniger starken Abhängigkeit der Ehepartner voneinander. Sie unterstützen sich nicht nur in den alltäglichen Lebensbereichen, sondern sind sich auch gute Freunde und Vertraute. Es sind meist die Ehepartner, die in Lebenskrisen als Bezugsperson mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Stirbt nun der Partner, stirbt auch gleichzeitig der beste Freund und je nach Alter des Paares oft auch die einzig wirkliche Bezugsperson. Der Hinterbliebene muss nun in seiner größten Lebenskrise mit seiner Trauer alleine fertig werden.

Allein und einsam

Während jüngere Menschen es in der Regel nach einer gewissen Trauerzeit schaffen, sich emotional von dem Verstorbenen zu lösen und wieder im Leben Fuß zu fassen, fällt dies älteren Trauernden deutlich schwerer. Durch die jahrzehntelange enge Verbundenheit mit dem Ehepartner ist ein Leben ohne ihn für viele kaum vorstellbar. Alte Gewohnheiten, die alte Wohnung und sogar die alten Urlaubsziele werden auch nach dem Tod des Partners beibehalten. Immer wieder kommt es z. B. vor, dass auch 5 Jahre nach dem Tod des Ehepartners dessen Kleiderschrank noch immer unberührt ist und es auch bleiben soll.
Die Neuorientierung hin zu einem Leben ohne den Verstorbenen oder vielleicht sogar zu einem neuen Lebenspartner ist für viele unvorstellbar. Versterben nun aufgrund des fortgeschrittenen Alters immer mehr der alten Freunde und Bekannten, zieht dies eine immer größer werdende emotionale Vereinsamung des Hinterbliebenen nach sich. In manchen Fällen ist dann der Umzug in ein Seniorenheim der einzige Weg aus der Isolation.

Nachlassende Fähigkeiten verstärken die Trauer

Das Nachlassen der eigenen körperlichen Fähigkeiten macht den Anpassungsprozess an ein neues Leben oft zusätzlich schwieg. Denn auch in dieser Hinsicht haben sich die Ehepartner in den vergangenen Jahren gegenseitig unterstützt. Nicht selten gelang es so, Schwierigkeiten zu kompensieren und den Alltag gemeinsam zu bewältigen. Fällt nun der Ehepartner aus, sehen sich die Hinterbliebenen nicht nur mit ihrer Trauer konfrontiert, sondern stehen obendrein vor großen Alltagsproblemen. Das Zusammenfallen von Trauer um den Partner und der Konfrontation mit den eigenen körperlichen oder sogar mental nachlassenden Fähigkeiten kann bei den Betroffenen eine handfeste Depression heraufbeschwören. In einem solchen Fall ist eine ärztliche Behandlung meist unumgänglich.

Die Reihen lichten sich immer mehr

Eine saloppe Redensart, die das wiedergibt, womit ältere Menschen immer wieder konfrontiert sind: mit dem Tod von Freunden und Bekanten, aber auch von engen Familienangehörigen. Im Laufe des Lebens lernen die meisten Menschen, mit solchen Verlusten umzugehen und sie zu bewältigen. Doch besonders im fortgeschrittenen Lebensalter kann es dazu kommen, dass in einer relativ kurzen Zeitspanne viele solcher Verluste zu verarbeiten sind. Nicht jeder Betroffene schafft es, damit fertig zu werden, und ist daher überfordert. In solchen Fällen ist die Hilfe eines professionellen Trauerbegleiters, Seelsorgers oder auch eines Psychotherapeuten sicherlich sehr hilfreich.

Bewusstwerden der eigenen Sterblichkeit

Der Tod des Partners führt dem Hinterbliebenen auch seine eigene Sterblichkeit deutlich vor Augen. Er sieht sich damit konfrontiert, dass er den Großteil seines Lebens bereits gelebt hat. Zu Trauer ob des Verlusts, Wut über verpasste Chancen und Schuldgefühlen wegen begangener Fehler mischt sich dann auch oft die Angst vor dem eigenen Tod. Machen Sie sich bewusst, dass Menschen, die einem solchen Gefühlschaos ausgesetzt sind, die Trauer nur begrenzt bewältigen können.

In "Palliativpflege heute" finden Sie weitere Informationen zum Thema Angehörigearbeit in der Pflege.

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