Cantou - Die alternative Wohnform von Menschen mit Demenz
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PROPflegeManagement: Ambulant
betreute Wohnegemeinschaften
(wie z.B. Cantou)
Alternative Wohnform - Glückliche Bewohner mit Demenz
Ein Cantou ist eine familienähnliche Lebens- und Wohngemeinschaft speziell für alte Menschen und Menschen mit Demenz, die nirgendwo hinzugehören scheinen – entweder weil sie ihre Familien überfordern, die übliche Heimunterbringung unangemessen ist oder psychiatrische Krankenhäuser ihre Betreuungsbedürfnisse nicht befriedigen können. Der Mensch mit Demenz wird hier in seinen Eigenheiten respektiert und als derjenige versorgt, der er „hier und jetzt“ sein kann. Er lebt bis zu seinem Tod im Cantou. Eine Verlegung erfolgt grundsätzlich, auch in schweren Stadien der Krankheit, nicht.
Lesen Sie mehr über Cantou und Demenz in der Pflege in "Demenz: Pflege & Betreuung kompakt".
Cantou - alternative Wohnform aus Frankreich für Menschen mit Demenz
Ende der 60er Jahre entstand in Frankreich das erste Cantou. Cantou bedeutet übersetzt: die Feuerstelle im Haus, die früher der zentrale Treffpunkt in der Familie war. Ein Cantou ist die „etwas andere Betreuungsform“ der Pflege, die sich auch durch eine stetige Weiterentwicklung auszeichnet.
Cantous sind
- stadtteil- oder dorfintegrierte Einrichtungen
- in privater Trägerschaft.
Dadurch müssen die Erkrankten nicht zusätzlich zu ihrer Wohnung auch noch ihr menschliches und soziogeografisches Umfeld verlassen. 12 bis 15 Bewohner leben dort in menschlicher Wärme und Verständnis. In mehreren größeren Städten Frankreichs werden die Cantous zentral verwaltet, spezialisiertes Personal zur Reinigung und Pflege arbeitet übergreifend in allen diesen Einrichtungen. So wird auch der Frage nach der Rentabilität dieser Unterbringungsform begegnet. Allerdings findet man ein Cantou häufig auch als Teileinrichtung innerhalb eines größeren Pflegeheims.
Garten und Küche als Mittelpunkt im Cantou
Der Gemeinschaftsbereich ist der Lebensmittelpunkt in einem Cantou. Er besteht aus einem großen Raum, einer Art Wohnküche mit 2 zentralen Einrichtungsgegenständen:
- dem großen Tisch und
- der „Feuerstelle“, im heutigen Cantou dem freistehenden Herd.
Im Idealfall liegt er im Erdgeschoss und hat große lichtdurchlässige Türen, die in einen eingezäunten Garten führen. Im Garten und in der Wohnküche spielt sich dann auch das Leben ab. Den Privatbereich des Bewohners bilden Einzelzimmer mit eigenem Sanitärbereich. Die Ausstattung der Zimmer erfolgt prinzipiell mit den persönlichen Möbeln und Gegenständen des Menschen mit Demenz.
Diese Grundlagen für die Schaffung eines familienähnlichen Gemeinschaftslebens gibt es:
- Eine familienähnliche Gemeinschaft soll einerseits durch die zwischenmenschlichen Beziehungen und andererseits die Aktivitäten für und von der Gruppe entstehen.
- Die beiden zentralen Punkte - Tisch und Herd im Cantou - sind tragender Mittelpunkt des Alltagsgeschehens.
- Die Erfahrung lehrt, dass die Tätigkeiten, die im weitesten Sinne den Tisch betreffen (Kochen, Essen, Unterhalten), Grundbedürfnissen und Gesten entsprechen, die lebenslang integriert wurden und manchmal partiell wiedergefunden werden können.
- Durch diese räumlichen Mittelpunkte im Cantou werden die Kommunikation und ein kameradschaftliches Mit- und Füreinander aufgebaut.
- Als goldene Regel gilt: Den Bewohner so viel wie möglich selber machen zu lassen und erst dann zu unterstützen, wenn Hilfestellung notwendig ist.
Hausdamen übernehmen die Betreuung und Pflege der Menschen mit Demenz
Die Hausdamen bilden eine Mannschaft von 4 Personen, die abwechselnd arbeiten. Es gibt zusätzlich weniges, nach Bedarf eingesetztes Personal für Pflege und Hilfe. Dazu kommt eine vereinbarte Mithilfe der Angehörigen, die jederzeit im Haus willkommen sind. Die Hausdame muss über spezifische Eigenschaften wie menschliche Wärme, inneres Gleichgewicht, Großzügigkeit, Fröhlichkeit und Zuhören können verfügen. Mit ihr steht und fällt das Gelingen der Arbeit im Cantou.
Einmal monatlich versammelt sich der Gemeinschaftsrat
- Er besteht neben den Bewohnern aus den Hausdamen, der Hausleitung und den Familien der Bewohner.
- Hier werden alle Fragen des Betriebes und der Organisation diskutiert, analysiert und gemeinsame Entscheidungen getroffen.
- Jeder kann seinen Standpunkt darstellen, nicht als Spezialist, sondern als Mensch, der helfen will, ein optimales Leben im Cantou für jeden Einzelnen zu gestalten.
- Die Beteiligung der Familien hat sich bewährt und funktioniert seit mehr als 20 Jahren.
- In der Regel sind 75 % der Angehörigen anwesend, auch um sich gegenseitig zu stützen.
- Ohne die Mitarbeit der Familienmitglieder wäre das Funktionieren eines Cantous unmöglich.
Hinweis: Eine Untersuchung zu Cantou Bewohnern und Patienten mit Demenz gerontopsychiatrischer Krankenhäuser zeigte, dass die Cantou Bewohner mobiler und selbstständiger waren sowie seltener aggressives Verhalten aufwiesen. Zudem war das Personal des Cantou zufriedener und wies erheblich weniger Fluktuation auf als das der gerontopsychiatrischen Krankenhäuser.
Alle wichtigen Informationen zum Thema Cantou und Demenz in der Pflege finden Sie auch in "Demenz: Pflege & Betreuung kompakt".
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