Ermuntern Sie Ihre Mitarbeiter, ihre Meinung zu sagen?

Führungsverhalten gegenüber Mitarbeitern

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Möglicherweise kennen Sie ähnliche Beispiele: Die Pflegedienstleitung Frau Kraus bittet die Altenpflegerin Frau Sorgfalt darum, etwas länger zu bleiben, um eine Pflegeplanung zu schreiben. Sie nennt auch den Grund, nämlich, dass am nächsten Tag der MDK kommt, um den Höherstufungsantrag zu prüfen. Die Mitarbeiterin stimmt mit den Worten zu: „Ja, das mache ich gerne, kein Problem.“ Durch Zufall hört die PDL kurze Zeit später, wie diese sich jedoch bei einer Kollegin über die verlängerte Arbeitszeit beklagt. Dieses Vorgehen – vorne: ja, hintenrum: nein und sich beklagen – können Sie aber beeinflussen. Wie, das erfahren Sie hier.

Jede Menge Tipps, wie Sie Ihre Mitarbeiter angesichts der immer weiter steigenden Arbeitsbelastungen motivieren, finden Sie im „Motivations-Check”.

Das eingangs genannte Beispiel ist noch harmlos. Wenn Ihre Mitarbeiter aber ähnlich wie in diesem Beispiel auf eine Bitte reagieren, kann dies folgende naheliegende Gründe haben:

  • Ihr Mitarbeiter hat Angst, etwas Falsches zu sagen.
  • Er weiß nicht, wie er ablehnen soll.
  • Ihm fallen so schnell nicht die passenden Worte ein.
  • Er ist noch unschlüssig.
  • Er traut sich nicht, abzulehnen und Nein zu sagen.
  • Er hat Angst vor den Konsequenzen und/oder Ihrer Reaktion.
  • Er ärgert sich im Nachhinein, dass er nicht abgelehnt hat.
  • Er hat keine Gegenargumente oder traut sich nicht, diese zu nennen.

Die Liste der Gründe zeigt, dass oft eine Mischung aus Ihrem Führungsverhalten und der Persönlichkeit Ihrer einzelnen Mitarbeiter zugrunde liegt, wenn diese nicht offen ihre Meinung äußern. Sie können die Grundeinstellung Ihrer Mitarbeiter nicht verändern. Durch Ihr Führungsverhalten machen sie jedoch langfristig Erfahrungen, die sie entweder ermutigen oder abschrecken, ihre Meinung offen zu sagen.

Überprüfen Sie mit dem folgenden Selbst-Test, ob Sie mit Ihrem Führungsverhalten Ihre Mitarbeiter im Alltag zu einem offenen Meinungsaustausch anregen. Die Auswertung finden Sie im Anschluss.

Selbst-Test

Fördern Sie mit Ihrem Führungsverhalten Meinungsäußerungen Ihrer Mitarbeiter?

Kreuzen Sie an, wie Sie normalerweise in Ihrem Alltag auf ähnliche Situationen reagieren.

1. Frage:

Wieder einmal ist am Wochenende ein Engpass angesagt. Sie bitten eine Mitarbeiterin einzuspringen. Sie stimmt zu. An ihrer Reaktion erkennen Sie jedoch verdeckten Ärger. Wie reagieren Sie?

a.) Sie sind froh, jemanden gefunden zu haben, und reagieren gar nicht.     
b.) Sie bedanken sich und gehen zur Tagesordnung über.                 
c.) Sie sprechen die Mitarbeiterin im Laufe des Tages an und fragen sie, ob es ihr wirklich recht ist.

2. Frage:

Sie stellen fest, dass ein Mitarbeiter anders redet, als er handelt. Wie reagieren Sie?

a.) Sie drohen Konsequenzen an.                         
b.) Sie ignorieren das Verhalten.                         
c.) Sie sprechen Ihren Mitarbeiter auf die konkrete Situation an.

3. Frage:

In einem Wohnbereich wurde nach mehreren Hitzetagen eine Bewohnerin mit einer Exsikkose ins Krankenhaus eingewiesen. Die Krankenkasse macht Sie regresspflichtig.
Wie verhalten Sie sich?

a.) Sie suchen die Mitarbeiter, die am Vorfall beteiligt waren, und prüfen
arbeitsrechtliche Konsequenzen.                         
b.) Sie forschen nach den Ursachen und legen Ihren Vorgesetzten eine Ursachenanalyse vor, in der Sie auch – falls vorhanden – eigene Versäumnisse nennen.
c.) Sie rügen jeden betroffenen Mitarbeiter und vertrauen darauf, dass der Vorfall alle Mitarbeiter wachgerüttelt hat.

4. Frage:

Eine Mitarbeiterin verhält sich seit einiger Zeit anders als früher: Sie wirkt traurig und wird bei Kritik sofort aufbrausend oder weint, wenn Kollegen sie kritisieren. Wie gehen Sie vor?

a.) Sie ignorieren die Hinweise, das Team wird sich von allein um die Mitarbeiterin kümmern.                                     
b.) Sie weisen die Mitarbeiterin auf ihr störendes Verhalten hin und bitten sie, in Zukunft kritikfähiger zu sein.                     
c.) Sie nutzen eigene Beobachtungen als Gesprächsgrundlage und sagen der
Mitarbeiterin, dass Sie sich Gedanken / Sorgen über ihr Verhalten machen.
Sie bieten Ihre Hilfe an.

5. Frage:

Eine Mitarbeiterin beklagt sich darüber, dass alle Arbeiten auf sie abgewälzt werden und alle anderen sich auf ihren Knochen ausruhen. Wie reagieren Sie?

a.) Sie beweisen der Mitarbeiterin, dass dies nicht stimmt, oder, falls ihre Aussagen stimmen, ermahnen Sie das Team deutlich, sich anders zu verhalten.
b.) Sie sagen der Mitarbeiterin, sie solle häufiger mal Nein sagen, und kümmern sich nicht weiter darum.
c.) Sie beobachten die Situation einige Zeit und suchen gemeinsam mit den beteiligten Mitarbeitern nach Lösungen.

Auswertung

Übertragen Sie Ihre Antworten in diese Tabelle. Die Anzahl der einzelnen Symbole verrät Ihnen mehr über Ihr Leitungsverhalten.

1. Frage

2. Frage

3. Frage

4. Frage

5. Frage

a

     Ο

     ∇

     Ο

     Ο

     ∇

b

     ∇

     Ο

     ×

     ∇

     Ο

c

     ×

     ×

     ∇

     ×

     ×

überwiegend ×

überwiegend ∇

überwiegend Ο

Herzlichen Glückwunsch! Sie sind mit Ihrem Verhalten Vorbild für Ihre Mitarbeiter und ermutigen diese, offen mit Ihnen zu reden.

Ihre Mitarbeiter wissen genau, was Sie von ihnen erwarten. Möglicherweise sehen sie jedoch kaum Chancen, dass Sie eine ehrliche Meinungsäußerung ernst nehmen.

Sie lassen Ihren Teams viel Eigenständigkeit und vertrauen darauf, dass sich die meisten Probleme von selbst lösen. Prüfen Sie besser genau, ob dieses Leitungsverhalten Ihre Mitarbeiter nicht eher resignieren lässt oder verunsichert.

Immer mehr schaffen in immer weniger Zeit – wie Sie Ihre Mitarbeiter angesichts dieses Trends motivieren, können Sie im „Motivations-Check” nachlesen.

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