So entschärfen Sie professionell aggressionsgeladene Pflegesituationen

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Aggression und Gewalt sind große Themen in unserer Gesellschaft. In der Pflege werden sie nicht unbedingt erwartet, doch natürlich gibt es auch hier immer wieder Situationen, in denen Aggressivität und Gewalt eine Rolle spielen. Immer wieder ist dabei die Rede von „Gewalt gegen pflegebedürftige Menschen“. Aber es gibt auch immer wieder einmal gegen das Pflegepersonal gerichtete, aggressionsgeladene Situationen. Die folgenden Tipps helfen Ihnen, richtig zu reagieren.
Weitere wichtige Informationen zum Thema Aggressivität in der Pflege finden Sie in "Praxis: Altenpflege".
Sie kennen sicher auch Situationen, in denen Sie nichts Böses ahnend in ein Zimmer gehen, um bei einem Ihrer Pflegekunden eine Pflegemaßnahme durchzuführen. Und ehe Sie es sich versehen, werden Sie schon mit einem Schwall unfreundlicher Worte begrüßt. Was war passiert? Sie wissen es nicht und Ihr Pflegekunde kann und will es Ihnen nicht erklären. Die folgenden Empfehlungen helfen Ihnen und Ihrem Team, solche Situationen erfolgreich zu bewältigen.
Dies sind mögliche Auslöser von Agressivität bei Ihren Pflegekunden
Aggressives Verhalten gegenüber Ihnen als Pflegeperson kann viele Ursachen haben. Und oft sind die tatsächlichen Gründe, warum eine Situation „aus dem Ruder gelaufen ist“, nicht wirklich ersichtlich. Die folgenden Faktoren können ein aggressives Verhalten Ihrer Pflegekunden begünstigen:
- Viele der gängigen Medikamente können eine aggressionsfördernde Nebenwirkung mit sich bringen. Dazu zählen unter anderem etliche antriebssteigernde Antidepressiva, Anti-Epileptika, Schilddrüsenhormone sowie Schmerzmedikamente, in denen Koffein enthalten ist.
- Bei sehr vielen Erkrankungen, die das Gehirn betreffen, kann es im Laufe der Krankheit zu Aggression und sogar Gewalt von Seiten des Betroffenen gegenüber anderen Menschen kommen. Machen Sie sich in einem solchen Fall immer klar, dass diese Gefühlsausbrüche krankheitsbedingt sind und nichts mit Ihnen persönlich zu tun haben.
- Auch bei Menschen, die sich in einer palliativen Situation befinden, kann es zu emotionalen und aggressiven Ausbrüchen kommen. Diese Menschen befinden sich in einer für sie ausweglosen Situation. Es kann daher durchaus vorkommen, dass sich die Verzweiflung über den eigenen baldigen Tod in Anschuldigungen und verbaler Aggressivität Ihnen gegenüber entlädt.
- Auch die physische Verfassung, wie z. B. ständige Schmerzen, spiegelt sich oft im Verhalten Ihres Pflegekunden wider. Ein Mensch, der unter chronischen Schmerzzuständen leidet, wird in der Regel eher schlecht gelaunt sein. Dass seine Schmerzen im Laufe der Zeit zur Gereiztheit und vielleicht auch zu Abwehr und Aggression gegen Sie und Ihre Pflegemaßnahmen führen, ist zumindest nachvollziehbar.
So gehen Sie mit Aggressivität professionell um:
Empfehlung 1: Ignorieren und verleugnen Sie gegen Sie gerichtetes aggressives Verhalten nicht, sondern sprechen Sie die Problematik offen in Ihrem Team an.
Empfehlung 2: Suchen Sie zusammen mit Ihren Kollegen nach den Ursachen des Verhaltens Ihres Pflegekunden. Vergessen Sie dabei auch nicht, nach möglichen Schmerzzuständen Ihres Pflegekunden zu forschen.
Empfehlung 3: Suchen Sie den Austausch mit Ihren Kollegen, und überlegen Sie gemeinsam, wie Sie mit einer solchen Situation bei dem betroffenen Pflegekunden umgehen wollen. Unter Umständen reicht ein klärendes Gespräch, in manchen Fällen muss vielleicht ein Arzt zu Rate gezogen werden.
Empfehlung 4: Machen Sie den Umgang mit Aggressionen zu einem der Themen bei Ihrer nächsten Teambesprechung. Legen Sie gemeinsam Strategien und mögliche Umgangsmöglichkeiten fest.
Empfehlung 5: Dokumentieren Sie den genauen Ablauf einer agressiven Situation sowie Ihre Reaktion darauf in Ihrem Pflegebericht. So kann die Begebenheit bei eventuellen Beschwerden von 3. Seite oder auch wenn Sie einen Arzt einschalten wollen, schlüssig nachvollzogen werden.
Empfehlung 6: Auch wenn Sie sich keiner Schuld bewusst sind, sollten Sie immer erneut Ihr eigenes Verhalten reflektieren und überprüfen. Manchmal genügt schon eine unbedachte Bemerkung oder ein schiefer Blick, um einen anderen Menschen zu verletzen oder zu verärgern.
Empfehlung 7: Obwohl Aggressivität gegen Ihre Person nicht vorkommen sollten, werden Sie sie immer wieder einmal erleben. Machen Sie Ihrem Pflegekunden, soweit er es verstehen kann, klar, dass Sie sein Verhalten nicht angemessen finden. Akzeptieren Sie aber auch eine Entschuldigung. Denn den meisten Ihrer Pflegekunden tun die Ihnen gegenüber geäußerten Worte oder agressiven Handlungen im Nachhinein wirklich leid. Seien Sie also nicht nachtragend.
In "Praxis: Altenpflege" finden Sie noch weitere Hinweise und Lösungsideen zum Thema Aggression in der Pflege.
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