Wenn Schuldgefühle der Angehörigen zu Misstrauen führen

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Vor dem Heimeinzug wurden viele Ihrer Heimbewohner von Angehörigen gepflegt. Diese Situation führt zu einer sehr speziellen Bindung des pflegenden Angehörigen zum Pflegebedürftigen. Der Umzug des pflegebedürftigen Angehörigen ins Heim kann dann auch als Versagen empfunden werden. Diese Gefühlskonstellation kann in der Beziehung Ihrer Mitarbeiter zu den Angehörigen zu Problemen führen. Damit Ihre Mitarbeiter angemessen reagieren können, sollten Sie sie auf diese Problematik hinweisen. Hier finden Sie 10 Tipps wie Sie misstrauische Angehörige beruhigen und bei einen konstruktiven Umgang mit ihnen helfen können.
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In Studien geben pflegende Kinder oft an, dass sie die Pflege ihres Angehörigen wegen der emotionalen Bindung und eines Gefühls der Verpflichtung übernommen haben. Die Erfahrung im Umgang mit pflegenden Kindern zeigt jedoch, dass gerade Töchter versuchen, als Pflegende endlich die Anerkennung zu bekommen, die ihnen Jahrzehnte verwehrt blieb. Wenn der Elternteil aber etwa an einer Demenzerkrankung leidet, kann das Pflegeverhältnis zu einer Zerreißprobe werden. Am besten lässt sich diese Situation mit dem nachfolgenden Beispiel erklären.
Beispiel: Schon am Einzugstag ihrer Mutter in das Pflegeheim ist die Tochter der 96-jährigen Bewohnerin Frau Meinwell den Pflegekräften gegenüber sehr misstrauisch . Die Mitarbeiter können ihr nichts recht machen. Ihrer Ansicht nach sind sie gar nicht in der Lage, ihre Mutter so gut zu versorgen, wie sie als Tochter es tat. Nichtigkeiten werden zu massiven Anschuldigungen gegenüber den Mitarbeitern aufgebauscht. Die Tochter schreibt alle „Unregelmäßigkeiten“ in ein Heft, um dieses dann der Pflegedienstleitung zu präsentieren. Als der Allgemeinzustand der Mutter sich verschlechtert, droht die Tochter mit der Heimaufsicht und sagt, die Zustände in der Einrichtung seien unzumutbar.
So lernen Sie und Ihre Mitarbeiter, schwierige Angehörige zu verstehen
Immer sollte Ihren Mitarbeitern klar sein, dass sie die Endphase einer jahrzehntelangen Beziehungsdynamik zwischen dem Bewohner und seinem Angehörigen erleben. Zurück zum Beispiel: Trotz aller Vermittlungsversuche der Pflegedienstleitung lässt die Tochter sich nicht von ihren Vorwürfen abbringen. Sie beschimpft die Mitarbeiter und bewacht ihre Mutter den ganzen Tag. Irgendwann kommt der Ehemann der Tochter mit ins Pflegeheim. Er setzt sich zu den Pflegekräften ins Dienstzimmer und erzählt von der schwierigen Kindheit seiner Frau. Er berichtet von Gewalthandlungen der Mutter gegenüber der Tochter. Das Beispiel zeigt, dass das Wissen um die schwelenden Konflikte Ihren Mitarbeitern den Umgang mit der Tochter sicher erleichtert hätte. Die 10 Tipps helfen Ihren Mitarbeitern, misstrauische Angehörige zu verstehen und mit ihnen umzugehen.
10 Tipps für einen konstruktiven Umgang mit misstrauischen Angehörigen
1. Tipp: Stellen Sie einen persönlichen Kontakt her
Ihre Mitarbeiter sollten bewusst Kontakt zu den Angehörigen aufnehmen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Durch Fragen, wie die Pflege vor dem Einzug ins Heim gestaltet worden ist, bringen sie der Pflege-Kompetenz der Angehörigen Respekt entgegen.
2. Tipp: Zeigen Sie Interesse
Sie sollten zuhören, wenn Angehörige Ihnen ihr Herz ausschütten. Es kommt dabei nicht darauf an, Lösungen zu finden, sondern Wertschätzung zu zeigen.
3. Tipp: Laden Sie die Angehörigen ein
Die Angehörigen sollten von Ihren Mitarbeitern grundsätzlich persönlich zu Festen in der Einrichtung eingeladen werden. Ein unverbindliches „Haben Sie schon gesehen, dass wir nächste Woche eine Lesung haben?“, ist nicht ausreichend. Besser ist: „Am Samstag ist Sommerfest, es wäre schön, wenn Sie auch kommen.“
4. Tipp: Lassen Sie die Angehörigen teilhaben
Beziehen Sie die Angehörigen in die Planung, Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen in Ihrer Einrichtung ein, das fördert die Integration.
5. Tipp: Seien Sie zuverlässig
Es ist wichtig, dass Sie und Ihre Mitarbeiter Termine, die Sie mit Angehörigen vereinbaren, unbedingt einhalten.
6. Tipp: Halten Sie Absprachen ein
Wenn Ihre Mitarbeiter mit den Angehörigen Vereinbarungen treffen, müssen sie diese auch umsetzen. Sollte eine versprochene Maßnahme nicht umgesetzt werden können, muss die zuständige Pflegekraft unaufgefordert den Angehörigen über das Versäumnis informieren. Wichtig: Der Angehörige hat dann Anspruch darauf, die Gründe für das Versäumnis zu erfahren. Dieser Grund sollte aber niemals „Personalmangel“ sein.
7. Tipp: Informieren Sie die Angehörigen
In Absprache mit dem betroffenen Bewohner sollte die Bezugspflegekraft den Angehörigen bei seinen Besuchen unaufgefordert über das Befinden und den Gesundheitszustand des Bewohners informieren.
8. Tipp: Nehmen Sie die Ängste der Angehörigen ernst
Die Ängste der Angehörigen – dazu gehört auch die Angst, dass die Mutter oder der Vater bei Ihnen nicht so gut versorgt wird, als wenn „man es selber macht“ – müssen Ihre Pflegekräfte ernst nehmen und akzeptieren.
9. Tipp: Üben Sie sich in Toleranz
Jeder Mensch ist geprägt von seiner Geschichte. Ihre Mitarbeiter erleben die Angehörigen Ihrer Bewohner in einer Ausnahmesituation. Machen Sie Ihrem Team klar, dass es die Menschen, mit denen es zu tun hat, so akzeptieren muss, wie sie sind. Ihre Mitarbeiter haben Interpretationen, Wertungen oder Beeinflussungsversuche zur Persönlichkeit des Bewohners oder des Angehörigen zu unterlassen.
10. Tipp: Mischen Sie sich nicht ein
Ihre Mitarbeiter dürfen sich nicht in persönliche Familienstreitigkeiten einmischen. Probleme in der Beziehung zwischen Angehörigen und Bewohnern erfordern grundsätzlich nicht den vermittelnden Einsatz Dritter.
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