Netzwerk Primary Nursing mahnt zur Erhöhung der Fachkraftquote in Pflegeheimen

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Das Deutsche Netzwerk Primary Nursing (DNPN) empfiehlt den politisch Verantwortlichen nachdrücklich, den heimrechtlichen Fachkräfteanteil in stationären Pflegeeinrichtungen deutlich anzuheben. In den meisten Bundesländern liegt dieser Anteil bei 50 %. Der Zustand eines pflegebedürftigen Heimbewohners ist typischerweise ständigen Veränderungen unterworfen: Von pflegerischen Hilfskräften könne die Versorgung ohne häufige Anleitung und dichte Überwachung durch Fachkräfte nach Ansicht des DNPN kaum bewältigt werden. Im Spannungsfeld zwischen den vielfältigen fachlichen und rechtlichen Anforderungen seien insbesondere 4 Merkmale von entscheidender Bedeutung für eine effiziente Pflege: eigenverantwortliches professionelles Handeln, Kontinuität der Pflege, kurze Kommunikationswege sowie Planung und Durchführung der Pflege in einer Hand. Die Forderungen und Argumente des DNPN und Angela Müllers Kommentar können Sie hier nachlesen.
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Primary Nursing ist eine international etablierte Organisationsform des stationären Pflegealltags, die die eingangs genannten 4 Aspekte verbindet. Deshalb ist für jeden Pflegebedürftigen eine persönliche, dauerhaft für ihn verantwortliche Fachkraft benannt. Pflegeheime versorgen heute überwiegend Menschen in der letzten Lebensphase – mit komplexen pflegerischen Bedürfnissen, die zu Hause nicht mehr bewältigt werden können. Von pflegerischen Hilfskräften könne eine optimale Versorgung aber kaum bewältigt werden, so die Experten von DNPN. So beschränkt sich z. B. das pflegerische Handeln bei Vorliegen einer Harninkontinenz nicht wie noch vor einigen Jahren auf das Anlegen von saugenden Inkontinenzhilfsmitteln. Vielmehr müssen Ihre Fachkräfte hier eine kontinuierliche Einschätzung des sogenannten Kontinenzprofils abgeben. Damit einhergehend sind die Planung, interdisziplinäre Abstimmung und Evaluation von Maßnahmen zur Vermeidung von Inkontinenz bzw. zur Förderung der Kontinenz erforderlich.
Dies und mehr ist längst fachlicher Konsens und Inhalt eines von mehreren bundesweit gültigen Expertenstandards in der Pflege, deren Erfüllung rechtsverbindlich ist. Dazu bedarf es, wie bei vielen sensiblen Themen, des professionellen Aufbaus einer vertrauensvollen Beziehung zwischen verantwortlicher Fachkraft und Pflegebedürftigem. Analog zur Harnkontinenz liegen auch andere essenzielle pflegerische Aufgabengebiete wie Dekubitusprophylaxe, Sturzprävention, Schmerzmanagement, Ernährung und Flüssigkeits- sowie Wundversorgung fast völlig in den Händen der Fachkräfte und können nicht an Pflegehilfskräfte delegiert werden. Ist nur jede 2. in der stationären Pflege Beschäftigte eine examinierte Fachmitarbeiterin, so kann häufig die Mindestversorgung nicht mehr gewährleistet werden. Da beispielsweise im Nachtdienst nahezu ausschließlich Fachkräfte eingesetzt werden können, reduziert sich der Anteil Ihrer verfügbaren Fachkräfte in den Tagschichten auf unter 50 %. Diese müssen zudem zahlreiche weitere Aufgaben wahrnehmen – behandlungspflegerische Maßnahmen sowie anspruchsvolle administrative Aufgaben oder etwa die Mitarbeit in Qualitätszirkeln. Hinzu kommt die fachliche Überwachung der Nichtfachkräfte und Ehrenamtlichen.
„Warum beschäftigen die Pflegeheime nicht unabhängig von der 50 %-Quote mehr Fachpersonal?“, fragt das DNPN. Heimträger müssen eine klar definierte Anzahl Pflegepersonal anstellen, sie wird pflegestufenabhängig mit den Kostenträgern vereinbart. Die Position der Pflegekassen hierzu in den Pflegesatzverhandlungen ist eher indifferent, ihre Leistungen sind ohnehin gedeckelt. Anders die Verhandlungspartei der Sozialhilfeträger: Sie haben in der Regel ein starkes Interesse daran, dass die Pflegesätze so niedrig sind, dass tatsächlich nur die heimrechtlich verbindlichen 50 % des erforderlichen Personals auf Fachkraftniveau bezahlt werden können, die übrigen 50 % aber nur auf Hilfskraftniveau. Die Mindestquote von 50 % wird hier also zugleich zur Maximalquote. Von Experten wird die für eine angemessene Versorgung erforderliche Fachkraftquote auf etwa 85 % eingeschätzt.
Angela Müller meint hierzu:
"Es ist sicher richtig, dass eine Fachkraftquote von 50 % noch viel zu niedrig ist. Doch angesichts der allgemein prekären Lage des Personalnotstands besonders in der Altenpflege fragen Sie sich sicherlich auch: „Woher soll ich die Fachkräfte nehmen?“ Es gibt meines Wissens viele Pflegeeinrichtungen, die noch nicht einmal die 50-%-Fachkraftquote erfüllen können. Ein 2. Punkt: Pflegefachkräfte verdienen auch mehr als Pflegehilfskräfte. In der Theorie sind die Forderungen und Argumente sehr richtig, doch es dürfte schwierig sein, sie im Pflegealltag umzusetzen."
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