Wie Sie die Killerphrase „Dafür ist keine Zeit“ entkräften

© Rob Stark - Fotolia.com
Sie als PDL kennen die folgenden Sätze vermutlich zur Genüge: „Wann sollen wir das denn noch machen?”„Dafür haben wir keine Zeit.“„Das klingt ja in der Theorie gut, aber in die Praxis können wir das nicht umsetzen, dafür haben wir keine Zeit.” Möglicherweise erleben Sie diese Begründungen als Argumentationskiller, denn natürlich haben Ihre Mitarbeiter viel Arbeit und viele fühlen sich sogar überlastet. Und vermutlich haben Sie auch Verständnis für diese Sichtweise. Und so endet die Einführung von Neuerungen meist mit einer Detaildiskussion, in der alle Mitarbeiter überlegen, wo sie noch Zeit herholen sollen. Dies ist ernüchternd, denn die Gespräche beweisen Ihnen schnell, dass gar keine Möglichkeit dazu besteht. Ein Diskussionspapier kann Ihnen helfen, hier finden Sie ein Muster.
Praxisnahe, fachkompetente und rechtssichere Tipps und Infos erhalten die Abonnenten von „Stationäre Pflege aktuell”, dem Fachinformationsdienst für die Leitungskräfte in der stationären Pflege.
Vielleicht ärgern Sie sich aber auch über den ständig wiederkehrenden Satz „Ich habe keine Zeit” besonders dann, wenn Sie sehen, wie sich einzelne Pflegekräfte außerhalb der Pausenzeit auf dem Gang unterhalten oder unverhältnismäßig viele Raucherpausen machen.
Bringen Sie das Thema Zeitnot doch einmal von sich aus auf die Tagesordnung, ohne sofort zusätzliche Arbeit zu verlangen. Erstellen Sie ein Diskussionspapier für Ihre Einrichtung, in dem Sie, ähnlich wie im untenstehenden Muster, die häufigsten Argumente Ihrer Mitarbeiter zusammenstellen. Formulieren Sie darin schriftlich, was sie tun könnten, um bestimmte Konzepte trotz Zeitdrucks umzusetzen.
Das Diskussionspapier ist eine weitere Herangehensweise im Gegensatz zu den alltäglichen Diskussionen. Ihre Mitarbeiter können sich mit den Inhalten zunächst auseinandersetzen und haben Zeit, über Ihre Anregungen in aller Ruhe nachzudenken.
Weisen Sie Ihre Mitarbeiter zudem immer wieder auf kleine Erfolge hin, die sie selbst möglicherweise gar nicht mehr wahrnehmen. Zeigen Sie ihnen ebenso auf, in welchen Situationen sie wertschätzend arbeiten. Durch Ihr positives Feedback bekommen Ihre Pflegekräfte möglicherweise wieder Lust, etwas Neues auszuprobieren.
Muster:
Diskussionspapier mit den häufigsten Argumenten
Argument 1: Ich habe keine Zeit, um Bewohner anzuleiten und zu aktivieren.
Um aktivierend zu arbeiten, müssen Sie nicht die ganze Zeit neben Ihrem Bewohner stehen. Er empfindet es zudem womöglich als drängelnd oder auch unhöflich, wenn Sie ihm beispielsweise beim Waschen oder Broteschmieren nicht helfen, obwohl Sie ihn die ganze Zeit beobachten und ihm sagen, wie er es am besten machen soll. Suchen Sie sich daher in dieser Zeit eine ganz andere Arbeit und lassen Sie ihn machen. Diese Arbeitsweise erfordert Organisationstalent und die Bereitschaft, mehrere Arbeiten parallel auszuführen. Planen Sie zu Beginn des Dienstes und bei jeder neuen Handlung genau, in welcher Reihenfolge Sie Ihre Tätigkeiten erledigen wollen, um möglichst aktivierend zu arbeiten.
Tipp: Legen Sie immer nur eine Tätigkeit fest, die Ihr Bewohner selbst ausführen kann. Ändern Sie nicht zu viel auf einmal. Dann können Sie diese Zeit sicherlich erübrigen. Wenn sich diese Arbeitsweise eingespielt hat, können Sie zur nächsten Tätigkeit übergehen.
Argument 2: Psychosoziale Begleitung kann ich in meinen Arbeitsalltag gar nicht einbauen.
Sicherlich können Sie im normalen Alltag kein Gruppenangebot von 45 Minuten durchführen. Längere intensivere Gespräche mit Bewohnern sind ebenfalls Luxus und nicht die Regel. Psychosoziale Begleitung besteht aber nicht nur aus diesen langen Aktivitäten, sondern vor allem aus Alltagshandeln. Sie können etwa ein biografisch orientiertes Beschäftigungsangebot mit anderen Tätigkeiten kombinieren, z. B. auf dem Weg zum Speiseraum Sprichwörter raten oder singen.
Tipp: Versuchen Sie, 1-mal am Tag jeden Ihrer Bewohner kurz außerhalb der Pflege anzusprechen.
Argument 3: Bei meiner knappen Zeit kann ich gar keine Beziehung zu meinem Bewohner aufbauen.
Warten Sie mit allen Handlungen, bis Ihr Bewohner Blickkontakt zu Ihnen aufgenommen hat. Kündigen Sie besonders bei demenziell veränderten Bewohnern jede Ihrer Handlungen mit Worten und Gesten an. Warten Sie mit der Durchführung, bis Sie ein sprachliches oder ein nonverbales Einverständnis erkennen. Wenn Ihr Bewohner sich also körperlich verspannt oder den Gesichtsausdruck entsprechend verändert, bedeutet das Ablehnung. Entspannt er sich hingegen und lächelt möglichweise, stimmt er zu. Setzen Sie sich dagegen über leichte Abwehrsignale hinweg, kommt es im weiteren Verlauf schnell zur Eskalation und Pflegeabwehr. Möglicherweise hilft auch Ihr Lächeln, um das Einverständnis für die Handlung zu erreichen, die Sie aktuell ausführen möchten.
Argument 4: Validation kostet immer viel Zeit, damit brauche ich gar nicht anzufangen.
Validieren bedeutet wertschätzen. Dies ist in erster Linie ein Vertrauensaufbau, der sich in vielen Einzelsituationen widerspiegelt. Vertrauen bauen Sie auf, indem Sie Ihren Bewohner im Alltag wahrnehmen und ihm das auch zeigen: Nehmen Sie etwa immer Blickkontakt auf, wenn Sie ihm auf dem Flur begegnen. Lächeln Sie ihn an und sprechen Sie 1 bis 2 Worte mit ihm. Machen Sie sich diese Handlung zum Prinzip, wann immer Sie über Ihren Wohnbereichsflur gehen: Gehen Sie niemals an einem Pflegekunden vorbei, ohne kurzen Kontakt zu ihm aufzunehmen.
Argument 5: Ich habe keine Zeit für Pflegeplanung.
Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter, indem Sie genaue Zeitvorgaben machen und ihnen die Frage „Wann soll ich das denn noch machen?“ konkret und am Ablauf Ihrer Einrichtung orientiert beantworten. Erinnern Sie Ihre Pflegekräfte stets daran, Änderungen im Pflegeablauf eines Bewohners immer sofort in der Pflegeplanung zu evaluieren und festzuhalten.
Weitere relevante Themen finden Sie in „Stationäre Pflege aktuell”, dem Fachinformationsdienst für die Leitungskräfte in der stationären Pflege.
Weitere Informationen
Dieses Produkt könnte für Sie interessant sein:
Holen Sie sich professionellen Beistand, der Ihnen den Berufsalltag als Leitende Pflegefachkraft erleichtert. Experten helfen Ihnen bei der Qualitätssicherung und Weiterentwicklung Ihrer Pflegeeinrichtung...
Kommentare / Bewertung

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.