So schützen Sie Ihre Bewohner mit Hinlauftendenz
Hinlauftendenz - Eine Definition
Auch wenn Sie noch so sehr aufpassen: Sie können es nicht immer vermeiden, dass ein dementer Bewohner Ihre stationäre Einrichtung unbemerkt verlässt und nicht allein zurückfindet. Wenn Sie wissen, dass ein Bewohner gerne selbstständig Ausflüge unternimmt, können Sie versuchen, die daraus entstehende Gefährdung zumindest einzugrenzen. Früher hieß dieses Verhalten „Weglauftendenz“. Heute ist es üblich, das „Verlassen des Wohnbereiches“ als „Hinlauftendenz“ zu bezeichnen. Denn Demente möchten in der Regel ein bestimmtes Ziel aufsuchen, z. B. ihre Wohnung, den Arbeitsplatz oder die Wohnung der Eltern. Ihr Ziel ist also nicht, aus Ihrer stationären Einrichtung „wegzukommen“, sondern an einen bestimmten Ort „hinzukommen“, an dem sie etwas Bestimmtes erledigen wollen.
Mehr Informationen zu Hinlauftendenz finden Sie in "Stationäre Pflege aktuell".
Diese Maßnahmen sollten Sie bei Hinlauftendenz einleiten
Bei Ihrem Bewohner kann es vor allem in Verbindung mit Orientierungs- und Gedächtnisstörungen dazu kommen, dass er glaubt, nach Hause zu müssen, um z. B. für die Kinder zu kochen. Er wird alles daran setzen, seiner empfundenen Verpflichtung nachzukommen.
Da seine Orientierung aber zusätzlich mangelhaft ist, kann er sich damit selbst gefährden. Deshalb sollten Ihre Mitarbeiter versuchen, die Hinlauftendenz Ihres Bewohners zu vermindern. Das gelingt Ihnen am besten, wenn Sie den Demenzkranken z. B. in tagesstrukturierende Maßnahmen einbeziehen. Doch es sind noch weitere wichtige Schritte notwendig.
Optimieren Sie den Umgang mit Hinlauftendenz in 5 Schritten
Schritt 1: Seien Sie aufmerksam
Zur Erkennung einer Hinlaufgefährdung sollten Sie wachsam gegenüber Äußerungen Ihres Bewohners sein und sein Verhalten beobachten, z. B. bei Fragen, wann die Kinder zum Essen kommen oder psychomotorischer Unruhe. Informieren Sie alle Mitarbeiter, z. B. auch am Empfang, über eine mögliche Hinlauftendenz bei einem Bewohner.
2. Schritt: Passen Sie die Pflegeplanung an
Passen Sie die Pflegeplanung in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Facharzt, den Angehörigen und unter Beachtung relevanter Biografiedaten im Hinblick auf die Hinlauftendenz an. Vereinbaren Sie sinnvolle Maßnahmen zur Verminderung der Gefahr, dass der Bewohner die stationäre Einrichtung unbemerkt verlässt.
Diese Maßnahmen können Sie bei Hinlauftendenz treffen:
- Benennen Sie in jeder Schicht eine Bezugsperson.
- Sorgen Sie für eine vertraute Umgebung, z. B. durch Möblierung, Bilder und persönlichen Gegenständen.
- Versuchen Sie, Ihren Bewohner, wenn er den Wohnbereich verlassen möchte, von seinem Vorhaben z. B. durch Aufgaben oder ein validierendes Gespräch abzulenken.
- Bieten Sie dem Bewohner tages- und wochenstrukturierende Maßnahmen an.
- Bieten Sie dem Bewohner bei einer akuten Hinlauftendenz Gespräche und geeignete Aktivitäten an, um ihn von seinem Impuls abzulenken.
- Bei einer akuten Gefährdung Ihres Bewohners können auch freiheitsentziehende Maßnahmen notwendig werden. Diese sollten Sie aber erst in Erwägung ziehen, wenn Sie alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben.
Hinweis: Bei einer akuten Selbst- oder Fremdgefährdung oder aggressivem Verhalten müssen Sie die rechtlichen Grundlagen zur Freiheitsbeschränkung beachten.
3. Schritt: Informieren Sie alle Bezugspersonen
Informieren Sie nicht nur alle Mitarbeiter, sondern auch die Angehörigen und die Nachbarn Ihrer stationären Einrichtung über die Hinlauftendenz Ihres Bewohners.
Tipp: Erstellen Sie einen kurzen Informationszettel für Nachbarn, Angehörige usw. Wichtige Informationen sind Ihre Telefonnummer und ein paar Regeln, wie sich Nachbarn verhalten können, z. B. beruhigend auf den Bewohner eingehen, wenn Sie einen an Demenz erkrankten Bewohner treffen, der das Haus verlassen hat.
4. Schritt: Machen Sie den Bewohner „identifizierbar“
Bringen Sie Adressaufnäher in den Kleidungsstücken, der Handtasche usw. an. Klären Sie vorher, ob Angehörige oder Bevollmächtigte Ihres Bewohners damit einverstanden sind. So kommen Sie nicht in Erklärungsnot.
5. Schritt: Achten Sie auf die richtige Dokumentation
Achten Sie darauf, dass Ihre Dokumentation die Hinlauftendenz und Ihre Maßnahmen, die täglich beachtet werden, widerspiegelt. Das ist der Fall, wenn Sie
- in der Pflegeplanung die Hinlauftendenz und alle getroffenen Maßnahmen dokumentiert haben.
- bei Bewohnern mit Hinlauftendenz täglich die Kleidung des Bewohners dokumentieren.
- in der Dokumentation eine Personenbeschreibung und ein aktuelles Foto haben.
- Veränderungen, insbesondere bei selbst- und fremdgefährdendem Verhalten gewissenhaft dokumentieren.
Mehr Informationen zu Hinlauftendenz finden Sie in "Stationäre Pflege aktuell".
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