Wie Sie Kernkompetenz in der Pflege Schritt für Schritt ermitteln
Eine Kernkompetenz entwickeln
Das Wort Kernkompetenz in der Pflege bezeichnet das Hauptgeschäft einer Einrichtung oder die Tätigkeit, in der eine Einrichtung die besten Fähigkeiten besitzt. Die Kernkompetenz in Ihrer Einrichtung ist das „kollektive Wissen“ Ihrer Mitarbeiter. Wichtig ist dabei nicht nur das „Buchwissen“, sondern auch die gesammelten Erfahrungen und die durch die Praxis erworbenen Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter.
Mehr Informationen zum Thema Kernkompetenz in der Pflege finden Sie in "HeimManagement kompakt".
Die Entwicklung einer Kernkompetenz setzt funktionierende Kommunikation, Engagement und die Entschlossenheit voraus, Organisationsbarrieren (Barrieren zwischen Abteilungen, Unternehmensteilen, Hierarchieebenen usw.) in Ihrer Pflegeeinrichtung zu überwinden.
Die Eigenschaften einer Kernkompetenz sind:
- Die Kernkompetenz hat das Potenzial, Ihnen als Heimleiter den Zugang zu Ihrem Markt zu ermöglichen.
- Die Kernkompetenz hat wesentlichen Einfluss auf die positive Beurteilung Ihrer Dienstleistung und somit Ihrer Einrichtung durch Ihren Kunden.
- Die Kernkompetenz sollte schlecht zu kopieren sein. (Neue) Konkurrenzunternehmen können sie sich nicht leicht aneignen, sondern müssen diese Kernkompetenz langsam aufbauen.
Auch Ihre Einrichtung hat eine Kernkompetenz
Die Kernkompetenz beschreibt also das Bündel von Fähigkeiten, das, aus Sicht Ihrer Kunden, Ihre Pflegeeinrichtung besonders auszeichnet und Ihnen die Basis für die Entwicklung von Dienstleistungen bietet.
Wollen Sie die Kernkompetenz in Ihrer Pflegeeinrichtung ermitteln, müssen Sie als Heimleiter die zumeist in den einzelnen Bereichen verstreut liegenden Fähigkeiten suchen, bündeln und ggf. neu kombinieren. Durch die Ermittlung der Kernkompetenz können Sie Potenziale entdecken und neue Ideen für Dienstleistungen entwickeln. Die Kernkompetenz Ihrer Einrichtung, Ihren Kunden Nutzen zu bieten, beruht darauf, wie die vorhandenen Fähigkeiten miteinander verwoben und in den Prozess der Leistungserstellung eingebettet sind. Ihre Kernkompetenz ist somit ein gebündelter Strang in sich verwobener Einzelfähigkeiten, der Ihre gesamte Einrichtung durchzieht und Ihnen ermöglicht, marktfähige Dienstleistungen zu entwickeln.
1. Schritt zur Ermittlung der Kernkompetenz in der Pflege
Kundenbefragung durchführen
Der Heimleiter sollte eine Kundenbefragung mit dem Schwerpunkt, "Was Ihnen an uns / bei uns besonders gefällt" durchführen. Da Sie unterschiedliche Kundengruppen haben, sollten Sie sich in Ihrer Befragung jeweils auf eine Kundengruppe konzentrieren. Möchten Sie wissen, was Ihre "Hauptkunden" besonders an Ihrer Einrichtung schätzen, befragen Sie die Bewohner und Angehörigen. Geht es darum, zu erfahren, warum Ehrenamtliche sich gerade bei Ihnen engagieren, befragen Sie die Ehrenamtlichen. Sie sollten Ihren Fragebogen auf die jeweilige Kundengruppe abstimmen. Die Ergebnisse der Kundenbefragung zeigen Ihnen, welchen besonderen Nutzen Sie Ihren jeweiligen Kunden bieten. Dieser Kundenutzen stellt Ihre Kernkompetenz aus Sicht des Kunden dar.
2. Schritt zur Ermittlung der Kernkompetenz in der Pflege
Ist- und Soll-Zustand definieren
Zuerst sollten Sie als Heimleiter sich einen genauen Überblick verschaffen, welche Ihrer Mitarbeiter über welche Qualifikationen und Zusatzqualifikationen verfügen. Das können Sie problemlos anhand der Personalakten und Ihrer Fortbildungsnachweise feststellen. Wenn Sie eine Personalabteilung haben, delegieren Sie diese Aufgabe. Lassen Sie von der Personalabteilung jeweils getrennt nach Arbeitsbereichen (Hauswirtschaft, Verwaltung, Pflege usw.) eine Übersicht Ihrer Mitarbeiter mit Qualifikationen, Zusatzqualifikationen und absolvierten Weiterbildungen erstellen. Werten Sie die Übersicht im Hinblick darauf aus, welche Qualifikationen in Ihrer Pflegeeinrichtung bereits für Ihr Angebot genutzt werden und welche noch brachliegen. Bearbeiten Sie als Heimleiter folgende Punkte zunächst für sich selbst:
- Prüfen Sie anhand Ihrer Leistungsbeschreibungen für sich, welche Leistungen in Ihrer Pflegeeinrichtung erbracht werden. Überlegen Sie, ob Leistungen in Ihren Beschreibungen fehlen. Überlegen Sie, was die Ursachen sind, dass bestimmte Leistungen nicht aufgeführt werden.
- Überlegen Sie sich, wie vorhandene Qualifikationen für die Leistungserbringung in Ihrer Pflegeeinrichtung genutzt werden. Werden bestimmte Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter angemessen gefördert und gezielt zum Nutzen der Einrichtung eingesetzt?
- Machen Sie sich Gedanken, was Sie verändern können, um die vorhandenen Kompetenzen in Ihrer Pflegeeinrichtung gezielt zu bündeln und damit zur Kernkompetenz zu machen.
3. Schritt zur Ermittlung der Kernkompetenz in der Pflege
Beteiligung der Arbeitsbereichtsleitungen am Projekt Kernkompetenz
Erklären Sie den Leitungen der verschiedenen Arbeitsbereiche in Ihrer Pflegeeinrichtung Ihr Vorhaben, die Kernkompetenz Ihrer Einrichtung zu ermitteln. Bitten Sie die Leitungen jeweils für sich, den Ist- und Soll-Zustand für ihren Arbeitsbereich zu definieren. Vergessen Sie nicht, jeder Leitung eine Übersicht der Mitarbeiterqualifikationen in ihrem Arbeitsbereich zur Verfügung zu stellen. So erstellen Sie eine Grobdiagnose bezüglich der vorhandenen Kompetenzen und Sie schaffen bei den Leitungen ein Bewusstsein für eventuell ungenutzte Möglichkeiten.
4. Schritt zur Ermittlung der Kernkompetenz in der Pflege
Brainstorming in einer Arbeitsgruppe
Bilden Sie aus Mitarbeitern aller Arbeitsbereiche eine hierarchieunabhängige Arbeitsgruppe. Bestimmen Sie einen Moderator für die Arbeitsgruppe, mit dem Sie die Zielsetzung und den Fragenkatalog besprechen. Die Gruppenarbeit beginnt mit einem Brainstorming zu den unten aufgeführten Fragen.
Muster
Fragebogen Kernkompetenz für Heimleiter
Gegenwart |
Was läuft gut? | Pflegeausführung hochwertig, Integration der Bewohner in Tagesablauf, Tagesbetreuung für Verwirrte |
Worauf können wir uns verlassen? | Personelle Ausstattung, Sachausstattung bedarfsgerecht, gut geführte Dokumentationen, Unterstützung durch Vorgesetzte |
Was stellt uns zufrieden? | Gute Pflegeergebnisse, guter Ruf in der Region |
Was stellt unsere Kunden zufrieden? | Zuwendung ohne Zeitdruck, individuelle Leistungen |
Was gibt uns Energie? | Angemessenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit, positives Feedback von Kunden und Vorgesetzten, gute Teamkultur |
Was zeichnet uns besonders aus? | Beteiligung der Bewohner an der Alltagsgestaltung |
Was zeichnet uns besonders aus? | Beteiligung der Bewohner an der Alltagsgestaltung |
Was sind unsere Stärken? | Möglichkeit, auf Sonderwünsche einzugehen, hoher Anteil weitergebildeter Mitarbeiter, gute Kommunikationsstruktur |
Potenzial |
Was liegt noch brach? | Ausnutzung vorhandener Weiterbildungen von Mitarbeitern |
Was können wir ausbauen? | Zusatzleistungen, Mahlzeitenangebot, z. B. Fingerfood |
Wozu wären wir noch fähig? | Ausweitung von Zusatzleistungen, Spezialisierung auf Bewohner mit Weglauftendenz |
Was sind unsere Zukunftschancen? | In der Region fehlen Einrichtungen mit spezieller Betreuung |
Probleme |
Was ist schwierig? | Ausnutzung von Zusatzqualifikationen, weil Mitarbeiter für andere Aufgaben eingeplant werden |
Welche Störungen behindern uns? | Fehlendes Engagement bei einzelnen Mitarbeitern |
Was fällt uns schwer? | Umstrukturierungen bei laufendem Betrieb |
Wenn alle Fragen beantwortet sind, einigt sich die Gruppe jeweils auf die drei bis vier für sie bedeutsamsten Faktoren. Sie bearbeiten diese Faktoren unter folgenden Fragestellungen:
- Wie können aus den ermittelten Kompetenzen Erfolgsfaktoren werden?
- Wie können wir diese ermittelten Kompetenzen in Zukunft bündeln?
Der Moderator fasst die in der Arbeitsgruppe ermittelten Ergebnisse gemeinsam mit der Arbeitsgruppe in einem Protokoll zusammen.
5. Schritt zur Ermittlung der Kernkompetenz in der Pflege
Bestimmen Sie als Heimleiter die Kernkompetenz
Anhand der Ergebnisse aus der Kunden- und Leitungsbefragung sowie dem Protokoll der Arbeitsgruppe können Sie nun die Kernkompetenz in Ihrer Pflegeeinrichtung bestimmen. Verfahren Sie bei jedem Ergebnisbereich und in der Gesamtauswertung nach dem Mehrheitsprinzip: Die am häufigsten genannte Kompetenz ist die Kernkompetenz in Ihrer Pflegeeinrichtung.
Mehr Informationen zum Thema Kernkompetenz in der Pflege finden Sie in "HeimManagement kompakt".
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