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Diese 3 Techniken erleichtern das Abhusten

08.05.2020

Eine Hauptkomplikation bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist festsitzendes Sekret in der Lunge, das die Atmung stark beeinträchtigen kann. Hinzu kommt, dass der zähe Schleim einen guten Nährboden für Krankheitserreger bietet. Um dies zu verhindern, ist e wichtig, dass Sie Ihren Pflegekunden mit den richtigen Maßnahmen unterstützen. Hierzu zählt zum einen, dass Sie ihm helfen, das Sekret zu läsen und ihm dadurch zum anderen das Abhusten erleichtern.

Achten Sie auf die Flüssigkeitszufuhr

Ihre Pflegekunden mit COPD erhalten vermutlich häufig schleimlösende Medikamente wie etwa den Wirkstoff Acetylcystein (ACC, NAC). Diese Medikamente helfen den Betroffenen meist gut. Sie können jedoch nur richtig und schnell wirken, wenn Ihre Pflegekunden täglich mindestens 1.500 ml Flüssigkeit trinken und hiermit den Bronchialschleim verflüssigen.

Infokasten: COPD

COPD ist die Abkürzung für den englischen Begriff „chronic obstructive pulmonary disease“. Die deutsche Übersetzung lautet chronisch obstruktive Lungenerkrankung.

Sie besteht aus einer Symptomkombination der chronisch obstruktiven Bronchitis und des Lungenemphysems:

  • Obstruktiv bedeutet, dass die Brochien dauerhaft verengt sind.
  • Eine chronische Bronchitis ist eine dauerhafte Entzündung der Atemwege mit den typischen Symptomen Husten und schleimiger Auswurf, vor allem am Morgen nach dem Aufstehen.
  • Ein Lungenemphysem ist eine krankhafte und unheilbare Überblähung der Lunge. Es handelt sich um eine zunehmende Zerstörung des elastischen Stützgewebes, die zur Überdehnung und Erweiterung der Lungenbläschen (Alveolen) führt.

Lösen Sie das Sekret mit Klopfen und Wickeln

Sie können die schleimlösende Wirkung durch Abklopfen oder Wickel unterstützen. Diese und weitere Techniken zeigt die folgende Übersicht. Wichtig: Sprechen Sie die Anwendung immer mit dem Arzt ab. Sie dürfen die Methoden etwa nicht nutzen bei Herzinfarkt, Lungenembolie, Tumoren bzw. Metastasen im Wirbelsäulenbereich, Osteoporose, Rippenfrakturen oder erhöhter Blutungsneigung.

Unterstützen Sie Ihren Pflegekunden beim Abhusten

Wenn Sie das Sekret gelöst haben, ist es wichtig, dass Ihr Pflegekunde abhustet, sonst behindert es seine Atmung. Häufige und anhaltende Hustenattacken hingegen verursachen eine Druckerhöhung im Brustkorb. Weiterhin kann es hierdurch zu einem Asthmaanfall kommen.

Diese Hustentechniken helfen dem Betroffenen, besser abzuhusten oder trockenen Reizhusten zu dämpfen:

  • So helfen Sie, Hustenstöße auszulösen: Lagern Sie den Oberkörper hoch. Bitten Sie Ihren Pflegekunden, einzuatmen und anschließend in kurzen, kräftigen Stößen auf die Silbe „haff “ auszuatmen. Erklären Sie, dass er das Sekret ausspucken und nicht schlucken soll. Warten Sie mit einem weiteren Durchgang, bis sich die Atmung wieder beruhigt hat.
  • So dämpfen Sie Reizhusten: Trockenen, unproduktiven Reizhusten kann Ihr Pflegekunde dämpfen, indem er tief einatmet und so lange wie möglich die Luft anhält. Anschließend atmet er oberflächlich. Bitten Sie ihn, dies einige Male im Wechsel durchzuführen, bis der Hustenreiz nachlässt. Schnelle und sehr tiefe Atemzüge im Hustenanfall sind ungünstig. Wenn der Hustenreiz extrem stark ist, bitten Sie Ihren Pflegekunden, gegen die Lippen auszuatmen.
  • Diese Technik erleichtert die Atmung: Ihr Pflegekunde legt die Lippen erst entspannt aufeinander und presst sie beim Ausatmen fest zusammen. Durch den Widerstand bleiben die Bronchien entspannt.

Tipp: Erleichtern Sie Ihrem Pflegekunden die Erkrankung
Festsitzender Schleim kann die Atmung Ihres Pflegekunden stark beeinträchtigen, vor allem da die mangelnde Sauerstoffaufnahme mit Fortschreiten der Erkrankung zu immer stärkerer Luftnot führt. Durch die beschriebenen Maßnahmen tragen Sie daher dazu bei, dass die Lebensqualität Ihres Pflegekunden so hoch wie möglich bleibt. Somit erleichtern Sie ihm seine Erkrankung.

Übersicht: Sekretlösende Pflegetechniken

1. Abklopfen

  • Beim Abklopfen erzeugen Sie Schwingungen, die das Bronchialsekret lösen und verflüssigen.
  • Klopfen Sie mit der lockeren Faust, der hohlen Hand oder mit der Kleinfingerkante. Gehen Sie sehr vorsichtig vor und sparen Sie die schmerzempfindliche Nieren- und Wirbelsäulengegend aus.
  • Klopfen Sie immer von unten nach oben (vom Steiß zum Kopf) und von außen nach innen.
  • Sie verhindern das Zurücklaufen des Sekretes, indem Sie immer nur in der Ausatmungsphase abklopfen.

2. Ätherische Öle

  • Für die Schleimlösung eignet sich Eukalyptus-, Thymian-, Pfefferminz-, Fichtennadel-, Fenchel- oder Anisöl.
  • Wenden Sie die Öle als Wickel oder als Bade-/Waschwasserzusätze an oder mischen Sie sie mit einem Trägeröl und reiben Sie Ihren Pflegekunden damit ein.
    Wichtig: Verwenden sie nur naturreine Öle aus der Apotheke oder dem Reformhaus.

3. Brustwickel

  • Feuchtwarme Brustwickel fördern die Lungendurchblutung und wirken dadurch entspannend und sekretlösend.
  • Hierzu legen Sie ein weiches Baumwolltuch (30–50 cm breit) in warmes Wasser (40–50 °C).
  • Als Zusätze können Sie ätherische Öle oder Zitronensaft verwenden.
  • Wickeln Sie das Tuch faltenfrei um den Brustkorb und decken Sie den Bereich zusätzlich mit einem trockenen Tuch ab.
  • Der Wickel kann bis zu 30 Minuten einwirken. Dies ist eine große Kreislaufbelastung, daher sollte Ihr Pflegekunde nach dem Abnehmen des Wickels noch mindestens eine halbe Stunde liegen bleiben.

4. Atemstimulierende Einreibung (ASE)

Mit der ASE verhelfen Sie Ihrem Pflegekunden zu einer ruhigen und tiefen Atmung. Ebenso sorgen Sie für eine bessere Durchlüftung der Lungen:Massieren Sie den Rücken im Lungenbereich von der Wirbelsäule Ausgehend mit beiden Händen in Kreisen von unten nach oben und innen nach außen. Üben Sie leichten Druck aus beim Ausatmen. Beim Einatmen lassen Sie nach.

Praxis Altenpflege