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7 Leitplanken zur täglichen Orientierung Ihrer Pflegekunden

25.09.2020

Weshalb ist Ihr Pflegekunde heute ruhig und erhebt keinen Einspruch, wenn Sie pflegerische Handlungen vornehmen, während er gestern wie ausgewechselt, ungehalten und abwehrend war? Dies kann mehrere Gründe haben. Einer davon ist, dass etwas geschehen ist, das Ihren Pflegekunden aus dem Konzept gebracht hat. Deshalb ist es wichtig, dass Abläufe für die demenzerkrankte Person nach und nach zu einem Wiedererkennungseffekt führen.

Helfen Sie dementen Pflegekunden bei der Orientierung

Ein strukturierte Tagesablauf und Kontinuität in der Pflege schaffen Voraussetzungen, damit Ihr Pflegekunde mit den täglichen Anforderungen zurechtkommt. Bekannte Dinge geben Vertrauen und Sicherheit. In einer Welt, in der nichts mehr stimmt (die Welt der Demenz), braucht Ihr Pflegekunde „Leitplanken“ zur Orientierung. Diese verhindern, dass er emotional abstürzt und in Panik gerät.

Knüpfen Sie an Bekanntes an

Solche Leitplanken sind beispielsweise bekannte Gesichter. Eine Pflege und Betreuung, die auf Beziehung aufgebaut ist und Sicherheit vermitteln will, verlangt nach gleichmäßigen Abläufen. Dies bedeutet auch, dass immer dieselben Personen dem Pflegekunden zur Seite stehen. Welche Faktoren noch wichtig sind, sehen Sie in der Aufstellung unten.

Statten Sie die Umgebung biografieorientiert aus

Menschen mit Demenz brauchen Orientierung in der Umgebung. Schon das Auffinden des Zimmers oder der Toilette stellt für Ihren Pflegekunden, je nach Grad der Demenz, eine Herausforderung dar. Geben Sie Ihrem Pflegekunden Struktur in Form von Orientierungshilfen. Nutzen Sie dazu Symbole, die er aus seinem Leben kennt. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Bewohner war Baggerfahrer. Obwohl der Name groß an seinem Zimmer angebracht war, fand er dieses nicht. Eine Pflegekraft tauschte das Schild gegen die Zeichnung eines Baggers aus. Von da an fand der sehr demente Herr sein Zimmer. Wenn Ihr Pflegekunde die Toilette nicht findet, ist es oft hilfreich, das Bild einer Toilette anzubringen anstatt übliche Symbole wie „WC“ oder „00“.

Tipp für Sie: Die Arbeit mit verwirrten Menschen bedeutet für Sie oft Konfrontation und Herausforderung. Ich habe Ihnen in den Tipps die Empfehlung gegeben, in die Welt Ihres Pflegekunden einzutauchen. Ja, tauchen Sie ein, aber gehen Sie nicht unter! Achten Sie darauf, was Ihnen guttut und wo Sie Ihre Grenzen ziehen müssen. Machen Sie sich folgendes bewusst: Mitfühlen und ein Einfühlen in die Welt Ihres Pflegekunden ist in Ordnung, Mitleiden dagegen ist auf die Dauer für Sie selbst nicht gesund.

Tipps für eine kontinuierliche und strukturierte Pflege und Betreuung

1. Passen Sie die räumliche Umgebung der Lebenswelt Ihres Pflegekunden an.

  • Sorgen Sie dafür, dass sich Ihr Pflegekunde in einem Umfeld aufhält, das möglichst immer gleich ausschaut.
  • Kümmern Sie sich darum, dass das Zimmer Ihres Pflegekunden mit Gegenständen ausgestattet wird, die er von früher kennt (Bilder, Möbel, Tisch- und Bettwäsche).

2. Passen Sie Ihre sozialen Umgangsformen an und stimmen Sie diese auf Ihren Pflegekunden ab.

  • Freundlich sein und Respekt zeigen sind ungeschriebene Gesetze, selbstverständlich auch im Umgang mit Menschen mit Demenz.
  • Unterstützen Sie ihn in der Kommunikation, beispielsweise wenn er den richtigen Ausdruck nicht findet.

3. Beachten Sie die Vorlieben und Gewohnheiten Ihres Pflegekunden.

  • Dazu benötigen Sie biografische Informationen. Je nach Schweregrad der Demenz können Sie aus Gesprächen mit Ihrem Pflegekunden wertvolle Informationen erhalten oder Sie reden mit Angehörigen und nahestehenden Personen über frühere Geschehnisse.
  • Anmerkung: Vermeiden Sie es, Ihren Pflegekunden „auszufragen“.

4. Orientieren Sie sich an den vorhandenen Fähigkeiten.

  • Aktivieren Sie Ihren Pflegekunden in den Bereichen, in denen er noch (relativ) sicher ist. Dies gibt ihm Sicherheit und Selbstvertrauen. Damit schafft er auch für sich selbst Struktur im Alltag (z. B. Geschirr und Besteck herrichten, Essensrituale).

5. Versuchen Sie, die Lebenswelt Ihres Pflegekunden in allen Qualitäten zu erhalten.

  • Tauchen Sie immer wieder in die Welt ein, in der Ihr Pflegekunde momentan lebt.
  • Fühlen Sie Situationen nach, und beobachten Sie, was Ihrem Pflegekunden wichtig ist. Dies erfahren Sie aus seinem Verhalten (Dinge ordnen, über Flächen wischen).
  • Setzen Sie Ihre Erkenntnisse gezielt ein, reichen Sie ihm beispielsweise ein Tuch zum Wischen.

6. Nutzen Sie biografische Kenntnisse im Bereich der Kommunikation.

  • Reden Sie mit Ihrem Pflegekunden über die „alten Geschichten“. Das ist eine Leitplanke, die der situativen Orientierung dient und das Gedächtnis trainiert.
  • Erinnern Sie an schöne Erlebnisse, auch bezüglich des tagesaktuellen Geschehens (z.B. wenn Enkel zu Besuch waren).

7. Binden Sie die Angehörigen ein.

  • Für Ihren Pflegekunden sind seine Angehörigen wichtige Eckpfeiler im Erleben.
  • Das Gefühl der Dazugehörigkeit ist für ihn sehr wichtig und kann das Gefühl des Verlorenseins etwas in den Hintergrund schieben.

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