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„Ablehnung von Medikamenten“ - so schaffen Sie Abhilfe

26.06.2020

Besonders demenziell veränderte Bewohner nehmen ihre Medikamente nicht immer gern und freiwillig ein. Möglicherweise beobachten Sie auch häufiger, dass Ihre Mitarbeiter dann zur Selbsthilfe greifen. Sie schütten etwa die Tropfen in Getränke oder zerkleinern alle Tabletten, um sie dann mit Joghurt zu vermischen oder sie aufs Butterbrot zu streuen. Oft reflektieren Pflegekräfte diese Handlung nicht, sondern gehen dazu über, weil es die einfachste Lösung zu sein scheint.

Wenn Sie als PDL ein solches Vorgehen beobachten, müssen Sie Ihren Mitarbeiter auf die Fehlerhaftigkeit seines Handelns hinweisen. Hiermit haben Sie aber noch kein Umdenken bewirkt. Und vermutlich werden andere Mitarbeiter ihr Handeln nicht verändern, da sie keine Alternativen kennen. Es lohnt sich daher, diesem Thema in einer Schulung mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

So führen Sie die Schulung durch

Die Schulung besteht aus 4 Teilen. Diese dauern jeweils 10–15 Minuten. Sammeln Sie die Wortmeldungen Ihrer Mitarbeiter auf Flipchart oder auf Karten, die Sie an eine Stellwand heften (oder alternativ mit Kreppband auf eine Tür kleben). Ihre Informationen aus Teil 2–4 schreiben Sie am besten schon vor der Schulung auf Karten. Dies sind die vier Schulungsabschnitte:

1. Einführung: Dieser Selbstversuch regt zum Nachdenken an

Präparieren Sie mehrere Medikamentendispenser mit runden, tablettenähnlichen Pfefferminzpastillen und Traubenzuckertabletten. Bitten Sie nun reihum jeden Mitarbeiter, diese Tabletten mit einem Glas Wasser einzunehmen. Mörsern Sie die „Schein-Tabletten“ anschließend, und bitten Sie einen Mitarbeiter, einen hiermit präparierten Joghurt zu essen. Durch diesen Selbstversuch lernen Ihre Mitarbeiter die Medikamentenablehnung Ihrer Bewohner besser verstehen.

2. Begeben Sie sich auf Ursachenforschung

Tragen Sie in der Gruppe Gründe zusammen, die bei der Ablehnung von Medikamenten eine Rolle spielen könnten. Ergänzen Sie die Sammlung mit den folgenden Aspekten (falls Ihre Mitarbeiter sie noch nicht genannt haben):

  • Ihr Bewohner sieht nicht ein, Medikamente zu nehmen, da er sich nicht krank fühlt. Besonders demenziell veränderte Personen nehmen ihre eigene Krankheit gar nicht wahr, gesundheitliche Probleme vergessen sie sofort wieder oder empfinden sie nur diffus als Unwohlsein. Aus diesem Grund können demenzerkrankte Menschen keinen Zusammenhang zwischen ihrem eigenen körperlichen Empfinden und den Medikamenten herstellen, die sie einnehmen sollen.
  • Ihr Bewohner fühlt sich entmündigt oder bevormundet. Früher wusste Ihr Bewohner genau, welche Medikamente er wann nehmen musste. Heute gibt ihm die Pflegekraft ein Sammelsurium von Tabletten und Tropfen, über die er keinen Überblick hat. Außerdem ändert sich das Aussehen der Tabletten ständig, so dass er die einzelnen Medikamente nicht mehr erkennt.
  • Der Bewohner versteht nicht, dass es sich um ein Medikament handelt. Viele Demenzerkrankte erkennen Medikamente nicht mehr und spucken sie reflexartig aus, da sie bitter schmecken oder als Fremdkörper im Mund wahrgenommen werden.
  • Ihr Bewohner hat eine psychiatrische Erkrankung.

Eine psychiatrische Erkrankung kann das Erleben des Betroffenen auf nicht nachvollziehbare Weise verändern, sodass die Medikamentenverweigerung Symptom seiner Erkrankung ist. Auch die Angst, vergiftet zu werden, zählt hierzu.

3. Suchen Sie nach Lösungsansätzen

Finden Sie gemeinsam Anregungen, wie Sie Ihrem Bewohner die Medikamenteneinnahme erleichtern können. Ergänzen Sie die Sammlung aus der Gruppe wiederum, indem Sie folgende Anregungen geben:

  • Erklären Sie Ihrem Bewohner in einfachen Worten, welches Medikament für welches gesundheitliche Problem verschrieben wurde.
  • Bitten Sie den Arzt, die Medikamente so umzustellen, dass die Einnahme nur noch einmal am Tag notwendig ist. Auf diese Weise haben Sie mehr Spielraum.
  • Händigen Sie Ihrem Bewohner eine Liste mit den Medikamenten aus, die er täglich einnehmen muss. So behält er den Überblick.
  • Nutzen Sie andere Darreichungsformen, etwa Pflaster, Tropfen, Schmelztabletten.
  • Klären Sie ab, ob alle Medikamente tatsächlich notwendig sind.

Überlegen Sie anhand von Fallbeispielen gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern, wie Sie einzelnen Bewohnern mit den gefundenen Anregungen die Medikamenteneinnahme erleichtern können.

4. Erstellen Sie klare Vorgaben für gemörsterte Medikamente

Das Untermischen von Medikamenten ist grundsätzlich nicht zulässig. Wenn Ihr Bewohner die Medikamente ablehnt, muss ein Betreuer diese Maßnahme richterlich genehmigen lassen.

Achtung: Wenn Sie Medikamente zur Erleichterung der Einnahme zerkleinern, muss jede Tablette einzeln gemörsert werden. Hierzu benötigen Sie eine Erlaubnis der Apotheke oder des Arztes, dieses Medikament zu zerkleinern. Beim Untermischen in Joghurt oder Getränke muss gewährleistet sein, dass der Bewohner die gesamte Portion verzehrt.

Weitere Informationen zum Thema Personal in der Pflege finden Sie in unserer Fachliteratur: 
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