Verlag & Akademie

Die neuen QPR: alles, was Sie jetzt wissen müssen

09.04.2018

Kurz vor Ende des letzten Jahres wurde noch schnell die neue QPR (Qualitäts-Prüfrichtlinie) vom GKV-Spitzenverband unter Beteiligung des MDS an die Regelungen des 3. Pflegestärkungsgesetzes (PSG III) angepasst und verabschiedet. Die überarbeiteten QPR in der Fassung vom 27.11.2017 sind am 01.01.2018 in Kraft getreten. Daher informieren wir Sie heute darüber, was neu ist und worauf Sie ab sofort achten müssen.

Einwilligung muss vor der Befragung vorliegen

Wie Sie wissen, umfasst die Qualitätsprüfung u. a. die stichprobenhafte Inaugenscheinnahme Ihrer Pflegekunden. Ihre Pflegekunden müssen in die Prüfung einwilligen. In der jetzt vorliegenden QPR wurde das Einholen der Einwilligungen in die Qualitätsprüfung geändert. Nach wie vor muss die Einwilligung vor der Einbeziehung der versorgten Person in die Prüfung vorliegen.

Nach wie vor kann die Einwilligung bei Ihrem Pflegekunden erst dann eingeholt werden, wenn dieser auch namentlich von den Prüfern ausgewählt wurde. Dabei muss die Einwilligung

  • in Form eines dauerhaften schriftlichen Dokumentes gegenüber den Prüfern abgegeben werden,
  • die Person des Pflegekunden benennen und
  • vom Pflegekunden bzw. von dessen gesetzlichem Vertreter unterschrieben sein.

Sie sollten daher immer darauf achten, dass das Einverständnis ordnungsgemäß von den Prüfern eingeholt wurde. Kann Ihr Pflegekunde nicht einwilligen, ist die Einwilligung eines hierzu Berechtigten (Bevollmächtigter oder Betreuer) einzuholen. Ist diese Person nicht persönlich erreichbar, so genügt weiterhin ausnahmsweise eine mündliche Einwilligung gegenüber den Prüfern. Die mündliche Einwilligung, aber auch die Ablehnung sowie die Gründe für ein ausnahmsweises Abweichen von der erforderlichen Textform müssen von den Prüfern schriftlich dokumentiert werden. Wie bisher auch ist die Einwilligung erforderlich für

  • das Betreten der Wohnung Ihres Pflegekunden,
  • die Inaugenscheinnahme des gesundheitlichen und pflegerischen Zustands Ihres Pflegekunden,
  • die Einsichtnahme in die Pflegedokumentation sowie in abrechnungsrelevante Unterlagen,
  • die Befragung Ihres Pflegekunden, Ihrer Mitarbeiter, der Betreuer sowie der Angehörigen,
  • die damit jeweils zusammenhängende Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten einschließlich der Erstellung von Kopien zum Zwecke der Erstellung eines Prüfberichtes.

Kunden, die nur Behandlungspflege erhalten

Neu ist für die ambulante Pflege, dass nun auch Ihre Pflegekunden in die Prüfungen einbezogen werden, die nur Leistungen der häuslichen Krankenpflege nach dem 5. Sozialgesetzbuch (SGB V) und keine Leistung nach dem 11. Sozialgesetzbuch (SGB XI) erhalten.

Verfahren bei der Erbringung von Pflegesachleistungen

Wenn Sie in Ihrem Pflegedienst bei Ihren Pflegekunden Leistungen gemäß SGB XI erbringen, werden bei einer Regelprüfung Pflegekunden ausgesucht, die von Ihnen Pflegesachleistungen und zumindest körperbezogene Pflegemaßnahmen erhalten. Wie bisher werden

  • 3 Pflegekunden aus dem Pflegegrad 2,
  • 3 Pflegekunden aus dem Pflegegrad 3 und
  • 2 Pflegekunden zusammen aus den Pflegegraden 4 und 5

zufällig ausgewählt und in die Prüfung einbezogen. Ist einer Ihrer ausgewählten Pflegekunden aufgrund kognitiver oder anderer Ursachen nicht auskunftsfähig, wird dies im Prüfbericht vermerkt. Wie gehabt erfolgt in diesem Fall keine ergänzende Einbeziehung von Pflegekunden ausschließlich zur Durchführung der Zufriedenheitsbefragung. Also: Ist Ihr Pflegekunde z. B. aufgrund einer Demenz nicht auskunftsfähig, wird er nicht nach seiner Zufriedenheit befragt, und es erfolgt auch keine Befragung eines anderen Pflegekunden.

Neue Definition zum Sachleistungsbezug kann Ärger mit sich bringen

Achtung: Neu ist, dass in einer Fußnote in den QPR nun geregelt ist, dass als versorgte Personen mit Sachleistungsbezug nach dem SGB XI folgende Personen gelten:

  • Sachleistungsempfänger nach § 36 SGB XI
  • Pflegebedürftige, die Leistungen der Verhinderungspflege nach § 39 SGB XI durch den Pflegedienst in Anspruch nehmen, sowie
  • Pflegebedürftige des Pflegegrades 1, die Leistungen nach § 45b Abs. 1 Satz 3 Nr. 3 SGB XI in Anspruch nehmen (§ 28a Abs. 2 SGB XI) und mindestens körperbezogene Pflegemaßnahmen erhalten.

Als versorgte Personen gelten nach dieser Fußnote aber auch Personen, die durch Ihren Pflegedienst mit Leistungen der häuslichen Krankenpflege nach § 37 SGB V versorgt werden, unabhängig davon, ob Sachleistungsbezug nach dem SGB XI besteht.

Wir als Redaktion gehen davon aus, dass diese Erläuterung noch sehr viel Diskussionsbedarf nach sich ziehen wird. Denn Pflegekunden im Pflegegrad 1 mit ausschließlicher Verhinderungspflege und Leistungen nach § 45b SGB XI gehörten bislang nicht in die Prüfung, und unserer Ansicht gilt das nach wie vor. Zum einen ist eindeutig geregelt, dass die Pflegekunden körperbezogene Pflegemaßnahmen erhalten müssen, und zum anderen, dass Pflegekunden mit einem Hilfebedarf unterhalb des Pflegegrades 2 nicht in die Prüfung einbezogen werden. Dies ergibt sich eindeutig aus der Regelung zur Auswahl der Stichprobe. Scheuen Sie sich nicht vor einer etwaigen Diskussion mit den Prüfern!

Diese Behandungspflegemaßnahmen müssen geprüft werden

Neu ist nun: Wenn nicht bei mindestens einem der nach Pflegegraden ausgewählten Pflegekunden mindestens eine der folgenden Leistungen der Behandlungspflege nach § 37 SGB V entsprechend dem Leistungsverzeichnis der Richtlinie zur häuslichen Krankenpflege des Gemeinsamen Bundesausschusses:

  • Absaugen,
  • Beatmungsgerät, Bedienung und Überwachung,
  • Dekubitusbehandlung,
  • spezielle Krankenbeobachtung,
  • Wechsel und Pflege der Trachealkanüle,
  • Pflege des zentralen Venenkatheters,
  • Verbände, Anlegen und Wechseln von Wundverbänden (bei chronischen Wunden, nicht Kompressionsstrümpfe und -verbände)

erbracht wird, wird zusätzlich ein weiterer Pflegekunde in die Prüfung einbezogen, bei dem Sie eine der nebenstehend genannten Behandlungspflegemaßnahmen durchführen. Vorrangig soll ein Pflegekunde ausgewählt werden, bei dem Sie die spezielle Krankenbeobachtung erbringen. Bei diesem Pflegekunden werden ausschließlich die Leistungen nach § 37 SGB V geprüft. Die Prüfergebnisse werden nicht in den Transparenzbericht übernommen.

Pflegekunden werden immer noch zufällig ausgewählt

Wie auch schon bislang werden bei der Stichprobe die in die Prüfung einzubeziehenden Pflegekunden innerhalb der Pflegegrade 2–5 bzw. der Leistungen nach § 37 SGB V zufällig ausgewählt. Sie als ambulanter Pflegedienst müssen im Rahmen Ihrer Mitwirkungspflicht insbesondere die Namen und Kontaktdaten der von Ihnen versorgten Pflegekunden inklusive der bei diesen zu erbringenden Leistungen der Behandlungspflege nach § 37 SGB V an die Prüfer weiterleiten. Hierfür müssen Sie eine vollständige, nach Pflegegraden sortierte Liste Ihrer Pflegekunden (Pflegegrad 4 und 5 in einer gemeinsamen Gruppe) in alphabetischer Reihenfolge erstellen und den Prüfern aushändigen. Wenn Sie keine geeigneten Listen zur Verfügung stellen können, legt der MDK auf der Basis der vorliegenden Informationen eine Zufallsstichprobe fest.

Prüfung, wenn nicht genügend Pflegekunden zusammenkommen

Kann die erforderliche Mindestzahl von Pflegekunden nicht erreicht werden, z. B. weil weniger Personen von Ihrem ambulanten Pflegedienst versorgt werden oder zu viele ihr Einverständnis zur Einbeziehung in die Stichprobe nicht erteilt haben, so hat der MDK im Rahmen der verbleibenden Möglichkeiten die Qualitätsprüfung trotzdem durchzuführen und die Ergebnisse im Prüfbericht auszuweisen. Die Stichprobe wird nicht aus anderen Pflegegraden ergänzt. Das Unterschreiten der vorgesehenen Personenzahl ist von den Prüfern im Prüfbericht zu begründen.

Wie Sie sehen, hat sich an den Inhalten der Prüffragen in puncto Stichprobenregelung eher weniger geändert. Dennoch gibt es 2 neue Kapitel für die Prüfung von Pflegekunden, die Leistungen nach der Ziffer 21 "Spezielle Krankenbeobachtung der Richtlinie über die Verordnung von häuslicher Krankenpflege (HKP-Richtlinie) erhalten. Wir haben Ihnen in einer großen Übersicht aufgezeigt, was sich - neben der Tatsache, dass nicht mehr von "Pflegebedürftigen*, sondern von "versorgter Person" gesprochen wird - im Struktur- und Ergebnisteil der Qualitätsprüfungs-Richtlinien für Sie als ambulanter Pflegedienst geändert hat und wo Sie Anpassungen vornehmen müssen.

Nein, Danke