Verlag & Akademie

Angehörige bei der gemeinsamen Beschäftigung unterstützen

24.07.2020

Ich weiß gar nicht, worüber ich mit meiner Mutter sprechen soll. Wenn ich sie frage, was sie am Vormittag gemacht hat oder was es zum Mittagessen gab, kann sie sich nicht mehr erinnern. Von allein spricht sie überhaupt nicht mehr. Ich komme sie gern besuchen, aber es ist so anstrengend für mich, immer das Gespräch in Gang zu halten. Manchmal habe ich das Gefühl, ich rede nur mit mir allein und es macht gar keinen Sinn, so häufig vorbeizukommen.

Kennen Sie solche Aussagen von Angehörigen Ihrer demenzerkrankten Pflegekunden? Für viele sind die Besuche in Ihrer Einrichtung schwierig, denn die Veränderungen im Verhalten des geliebten Menschen miterleben zu müssen ist sehr belastend. Hinzu kommt, dass eine Kommunikation nicht mehr wie früher möglich ist. Manche Angehörige haben dadurch zusätzlich das Gefühl, dass ihre Besuche deshalb nicht mehr so wichtig sind.

Machen Sie Mut und geben Sie Hilfestellung

Wenn Sie auf solche Unsicherheiten angesprochen werden oder diese beobachten, sollten Sie off en, aber sensibel Ihre Hilfe anbieten. Aus Ihrer Praxis wissen Sie selbst, dass Wohlbefinden nicht immer durch lange Gespräche, sondern durch die gemeinsame Beschäftigung mit Ihren Pflegekunden zustande kommt.

Angehörige haben aber häufig keine Idee, was sie zusammen mit ihrem Familienmitglied unternehmen können. Häufig liegt dies auch an der veränderten Rollenverteilung, denn es kann manchmal sehr ungewohnt sein, wenn nicht mehr die Mutter der Tochter, sondern die Tochter der Mutter vorliest und plötzlich entscheiden und sagen soll, „wo es langgeht“.

Geben Sie den Angehörigen als Hilfestellung die folgende Übersicht zur Hand und ermutigen Sie dazu, unterschiedliche Dinge auszuprobieren. Stellen Sie hierzu Material wie z. B. Bücher zur Verfügung.

Gemeinsame Beschäftigung mit Ihrem demenzerkrankten Angehörigen

Gesprächsthemen

  • Es eignen sich alle Themen aus der weiter zurückliegenden Vergangenheit, beispielsweise aus der Jugend, dem früheren Wohnort, Hobbys und dem erlernten Beruf. Häufig sind es Themenbereiche aus den 50er–60er Jahren wie z. B. Lieblingsmusik aus dieser Zeit, Urlaubsorte oder Heimat.
  • Auch über Themen, die das Hier und Jetzt betreffen, können Sie sprechen, z. B. darüber, was Sie gerade gemeinsam sehen, hören oder riechen. Alle momentanen Sinneseindrücke bieten Anlass für Gespräche.
  • Bei einer Demenz sind zunehmend Themen, die das Kurzzeitgedächtnis betreffen, nicht mehr geeignet, sprich Themen der jüngeren Vergangenheit. Fragen nach dem heutigen Mittagessen, gestrigen Tag oder der letzten Woche können nicht mehr beantwortet werden und führen deshalb zu möglichem Unbehagen.

Fotos

  • Zur Veranschaulichung der Themen aus der Vergangenheit eignet es sich besonders, zusammen Fotos hiervon anzuschauen.
  • Bedenken Sie dabei aber, dass Ihr Angehöriger sich vielleicht nicht mehr an die Ereignisse aus jüngerer Zeit erinnern kann. Die Bilder aus seiner Jugend und Kindheit sind ihm jedoch noch lange bekannt. Es kann auch passieren, dass Ihr Angehöriger Personen auf Bildern manchmal falsch benennt. Haben Sie Verständnis für ihn und korrigieren Sie ihn nicht. Versuchen Sie es dennoch an einem anderen Tag erneut.
  • Sie können auch gemeinsam ein kleines Album mit den wichtigsten Fotos aus dem Leben Ihres Angehörigen erstellen (Taufe, Einschulung, Hochzeit, Geburt der Kinder, Familienfeste, die Wohnung etc.).

Vorlesen

  • Nicht nur private Fotos, auch andere Bilder aus der Heimat oder Jugend wecken Erinnerungen. Zudem gibt es zahlreiche Bildbände zu Hobbys, Urlaubszielen oder dem früheren Beruf. Blättern Sie gemeinsam darin.
  • Natürlich können Sie auch etwas vorlesen. Hier eignen sich besonders altbekannte Gedichte oder Kurzgeschichten, aber auch Nachrichten aus dem Lokalteil Ihrer Zeitung. Auch das Blättern in Werbeprospekten eignet sich für einen Gesprächseinstieg und ist nicht nur für Ihren Angehörigen interessant.

Zimmerdekoration

  • Vielleicht haben Sie auch Spaß daran, gemeinsam das Zimmer jahreszeitlich zu dekorieren. Eigener alter traditioneller Oster- oder Weihnachtsschmuck ist besonders schön, aber auch neuere Dekorationselemente und frische Blumen eignen sich natürlich. Überlegen Sie gemeinsam, wo was stehen oder hängen könnte. So sorgen Sie gleichzeitig dafür, dass sich Ihr Angehöriger in seiner Umgebung wohl und zuhause fühlen kann.

Spaziergänge

  • Beobachten Sie bei Spaziergängen ganz bewusst die Natur. Machen Sie z. B. auf das Zwitschern der Vögel oder den Duft frisch gemähten Grases aufmerksam. Betrachten Sie die Pflanzen und Tiere oder auch den umliegenden Stadtverkehr. Wenn möglich, bringen Sie von Ihrem Spaziergang etwas mit ins Haus, das Ihren Angehörigen daran erinnert. Sie müssen dazu nichts kaufen. Es eignet sich z. B. ein gemeinsam gepflückter Zweig, ein Blatt, ein Stein oder Tannenzapfen - einfach ein Symbol für die gemeinsam verbrachte Zeit.

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Weitere Informationen zum Thema Demenz finden Sie in Demenz: Pflege und Betreuung stationär.

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