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Antrag auf Betreuungs- und Entlastungsleistungen

18.05.2016

Viele ambulante Pflegedienste sind sich unsicher, ob sie für ihren Pflegekunden mit Demenz einen Antrag auf Betreuungs- und Entlastungsleistungen stellen sollen. Der Grund: Alle Pflegekunden, auch die, die nicht in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt sind, erhalten seit dem 01.01.2015 den Grundbetrag von 104 € für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen nach § 45 b SGB XI pro Monat. Doch wenn Ihr Pflegekunde tatsächlich in seiner Alltagskompetenz eingeschränkt ist, sollten Sie diese auch bei der Pflegekasse beantragen und vom MDK feststellen lassen. Denn nur dann kann Ihr Pflegekunde den erhöhten Betrag von 208 € sowie die erhöhten Beträge für die Pflegesachleistung bzw. Pflegegeld erhalten. Wie bisher wird dieser Anspruch nur dann erworben, wenn er beantragt und festgestellt wurde.

 

 

Ohne Antrag gibt es kein Geld
Beachten Sie, dass jeder Pflegekunde die 104 bzw. 208 € pro Monat ansparen kann. Diese müssen dann bis spätestens 30.06. des folgenden Jahres verbraucht werden. Beachten Sie aber, dass bei den neuen Leistungsberechtigten (also alle Ihre Kunden mit Pflegestufe, aber ohne eingeschränkte Alltagskompetenz) ein Antrag gestellt werden muss. Die 1. Rechnung zählt zwar als Antrag, wenn aber keine Leistungen im 1. Monat abgerechnet werden, könnte dies von den Pflegekassen so gewertet werden, dass die Leistung nicht beantragt wurde.

Hinweis: Beachten Sie, dass der Pflegekunde keinen Geldanspruch auf diese Leistungen hat. Das bedeutet, dass er das Geld nicht ausgezahlt bekommt, sondern von einem Pflegedienst als Sachleistung auf Erstattungsbasis erbracht werden muss.

Prüfung durch den MDK
Die Feststellung der eingeschränkten Alltagskompetenz unterliegt allein dem MDK. Dieser ermittelt beim sogenannten Screening und Assessment den Hilfebedarf bei bestimmten Verrichtungen des Alltags. Auf bestimmte

Alltagshandlungen legt der MDK ein besonderes Augenmerk. Die Kriterien zur Einteilung sind dabei folgende:

 

Übersicht: 13 Kriterien der eingeschränkten Alltagskompetenz

Die betroffene Person verlässt die Wohnung unkontrolliert.

  • Herausdrängen aus der Wohnung
  • Suchen der Eltern oder Kinder außerhalb der Wohnung

Gefährdende Situationen werden verursacht oder nicht erkannt.

  • gefährdendes Eingreifen in den Straßenverkehr

Gegenstände werden unsachgemäß genutzt.

  • unangemessenes Nutzen von Küchengeräten
  • unkontrolliertes Nutzen des Gasanschlusses
  • unsachgemäßer Umgang mit Medikamenten, Chemikalien oder offenem Feuer
  • Essen verdorbener Lebensmittel

Unangemessenes aggressives Verhalten

  • Schlagen, Treten, Beißen, Spucken, Werfen
  • Zerstörung von Gegenständen
  • Selbstverletzungen
  • Beschimpfungen, Beleidigungen

Unangemessenes Verhalten

  • Urinieren und Koten in Wohnräume
  • übersteigerter Betätigungs- und Bewegungsdrang
  • sexuelle Belästigung anderer Menschen

Keine Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse

  • keine Wahrnehmung von Hunger und Durst
  • keine Wahrnehmung von Verletzungen / Schmerzen
  • kein Harn- und Stuhldrang

Fehlende Zusammenarbeit bei pflegerischen Maßnahmen

  • apathisches Liegen im Bett
  • Verharren an zugewiesenem Platz ohne Aufforderung, diesen zu verlassen
  • fehlendes Essen und Trinken

Neuronale Schädigungen

  • Nicht-Wiedererkennen vertrauter Personen (Eltern, Kinder, Pfleger)
  • fehlende Fähigkeit zum Umgang mit Geld
  • fehlende Sprachfähigkeit
  • Nicht-Wiederfinden des Zimmers oder der Wohnung
  • fehlendes Erinnerungsvermögen

Tag-Nacht- Störungen

  • verschobene Wach- und Schlafenszeiten

Fehlende Planung und Strukturierung des eigenen Tages

  • Ausbleiben alltäglicher Verrichtungen wie beispielsweise Körperhygiene

Alltagssituationen werden falsch wahrgenommen.

  • Nahrungsverweigerung aufgrund der Angst, sich zu vergiften
  • Verfolgungswahn
  • Wahrnehmung und Reaktionen auf Halluzinationen

Ausgeprägtes labiles oder unkontrolliert emotionales Verhalten

  • plötzliches, unmotiviertes, unangemessenes Weinen
  • übersteigerte Emotionen

Ständige Depressionen

  • ständiges Jammern und Klagen
  • ständiges Beklagen der Sinnlosigkeit des Lebens und Tuns
Demenz Pflege und Beteuung ambulant