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Das NBI - diese 2 Baustellen sollten Sie angehen

07.01.2019

Sind Sie im Umgang mit dem NBI sicher und souverän? Laufen Ihre MDK-Begutachtungen reibungslos ab? Dann brauchen Sie nicht weiterzulesen. Bei mir haben sich allerdings nach knapp 24 Monaten Erfahrung in der Praxis 2 Baustellen herauskristallisiert.

1. Gestiegene Herausforderung für Pflegekräfte

Zum einen sind wir Pflegefachkräfte bei Begutachtungen jetzt mehr denn je gefordert. Es gilt, den Pflegeprozess neu zu überdenken und die Selbstständigkeit unserer Pflegekunden in den Mittelpunkt zu stellen. Meiner Beobachtung nach sind Begutachtungen nun nicht mehr schnell nebenbei durchzuführen, sondern es braucht Vorbereitung, Ruhe und Raum dafür.

2. Unklare Punkte im NBI

Zum anderen gibt es im NBI einige Punkte, die vielen Fachkräften – und übrigens auch den MDK-Gutachtern – noch Kopfzerbrechen bereiten. Für diese beiden Punkte möchte ich Ihnen gern Lösungen aufzeigen, damit Sie fachliche Souveränität und Sicherheit gewinnen und Ihnen beim Thema NBI/Pflegegrade keiner mehr etwas vormachen kann.

Den Pflegeprozess neu denken - was heißt das eigentlich?

„Heute war bei unserem Pflegekunden Herrn Stolpe der MDK zu Begutachtung da. Ich habe diese Begutachtung begleitet. Zuerst sind der Gutachter und ich zu ihm ins Zimmer gegangen, damit der Gutachter sich einen ersten Eindruck verschaffen konnte. Herr Stolpe ist ja bettlägerig, ein kompletter Pflegefall, und braucht Hilfe bei allem.

Das war für den Gutachter auch schnell deutlich. Trotzdem hat er mich dann danach im Dienstzimmer tatsächlich gefragt, ob Herr Stolpe selbstständig Treppen gehen kann! Da habe ich mich schon ein bisschen veräppelt gefühlt …“, so Daniel, eine Pflegefachkraft in einer stationären Einrichtung, neulich zu mir.

Er ist mit dieser Meinung kein Einzelfall. Vielen Fachkräften fällt es schwer, damit umzugehen, dass nach dem neuen System der Begutachtung per NBI einfach alle Punkte, die darin enthalten sind, abgefragt werden – ganz unabhängig davon, ob der Pflegekunde etwas kann, nutzt oder eben nicht. Es kommt nun lediglich darauf an: Könnte er es überhaupt? Wie selbstständig ist er in dem jeweiligen Punkt?

Um das neue System zu verstehen, das NBI einmal in Ruhe zu lesen und dann zu verinnerlichen, braucht es für Sie als Pflegefachkraft entsprechende Zeitressourcen. Begutachtungen einfach mal nebenbei durchzuführen funktioniert nicht mehr. Ich behaupte sogar: Der ganze organisatorische Ablauf einer MDK-Begutachtung muss in Ihrer Einrichtung zentral festgelegt werden.

Struktur organisatorischer Ablauf

Gerade viele stationäre Einrichtungen haben für den ganzen Ablauf, begonnen beim Antrag auf Höhergraduierung über den tatsächlichen Vor-Ort-Termin bis zur Auswertung des positiven oder negativen Bescheids, noch keine festgelegte Handlungsanleitung.

Es ist also nicht genau festgelegt, wer was wann macht. Was sind die Aufgaben jedes Einzelnen? Dadurch herrscht bei den Pflegefachkräften in der Praxis Unsicherheit. Ich habe es oft erlebt, dass plötzlich ein MDK-Gutachter vor einer Pflegefachkraft stand und diese überhaupt nichts von dem Termin wusste. Was das bedeutet, können Sie sich bestimmt lebhaft vorstellen – enormen Stress für die Pflegefachkraft:

  • „Jetzt ist mein ganzer geplanter Ablauf für heute durcheinander. Hilfe, an wen kann ich meine To-dos delegieren, sodass ich jetzt das entsprechende Zeitfenster für die Begutachtung habe?“
  • „Absolut super, dass wir auf der Station mal wieder über nichts Bescheid wissen!“
  • „Ich weiß ad hoc überhaupt nichts: Welchen Pflegegrad hat der Kunde überhaupt aktuell? Und in welchen soll er jetzt? Was sind überhaupt die Hintergründe für den Besuch des Gutachters?“

Und ein „schöner“ erster Eindruck für den Gutachter:

  • „In dieser Einrichtung herrscht ja nur Chaos. Keiner weiß, dass ich heute komme, wahrscheinlich wissen sie nicht einmal, warum sie überhaupt den Antrag gestellt haben.“

Hilfe für die Praxis

Diesen unnötigen Stress können Sie mit einer klaren Handlungsanleitung ganz einfach vermeiden. Die Checkliste „In 7 Schritten zum Pflegegrad“, die wir Ihnen im Folgenden zusammengestellt haben, können Sie gut als künftige Handlungsanleitung nutzen. Nehmen Sie sie immer dann zur Hand, wenn Sie merken, dass sich der Pflegezustand Ihres Kunden verändert hat.

Gehen Sie die einzelnen Punkte einfach Schritt für Schritt durch. Für jeden Schritt finden Sie nähere Erläuterungen sowie praktische Tipps.

Zwischenfazit: Ohne Struktur geht nichts

Nutzen Sie die Handlungsanleitung als Struktur für Ihre Höhergraduierung. Nur mit ihr stellen Sie den roten Faden sicher und sorgen dafür, dass das ganze Procedere in geordneten Bahnen verläuft. Das gibt Ihnen Sicherheit. Damit haben Sie eine der beiden Baustellen des NBI erfolgreich bearbeitet.

Die 2. Baustelle beim NBI sind für mich die unklaren Punkte der Richtlinie. Manche Punkte sind ganz klar und eindeutig. Bei anderen wiederum haben viele Fachkräfte noch ein Fragezeichen im Kopf. Warum kann es beispielsweise sein, dass ein palliativer Pflegekunde nicht den Pflegegrad 5 erreicht? Oder warum wird das Waschen des Unterkörpers bei der Selbstversorgung nicht berücksichtigt?

Unklare Punkte im NBI - hier sind die Erklärungen

Im Folgenden habe ich Ihnen die 6 unklarsten Punkte des NBI samt ihren Erläuterungen zusammengefasst. Bei diesen Aspekten herrscht unter den Pflegefachkräften während einer Begutachtung noch die meiste Unsicherheit – so meine Erfahrung aus der praktischen Arbeit. Zu jedem Punkt finden Sie am Schluss noch einen praktischen Tipp für Ihren Arbeitsalltag.

1.Wo werden die Erschwernisfaktoren jetzt abgebildet?

Die grundpflegerische Versorgung wird von Ihnen zu zweit durchgeführt, ebenso Maßnahmen der Mobilisierung. Im Gegensatz zur früheren Begutachtung ist das nun aber irrelevant. Diese Erschwernisfaktoren werden nicht mehr berücksichtigt, Sie müssen sie im Gespräch nicht mehr erwähnen.

2. Wie gehe ich mit der Frage nach dem begleitenden Artzbesuch im Modul 5 um?

Hier bekommt Ihr Pflegekunde nur Punkte, wenn er Unterstützung und Begleitung zu einem externen Arztbesuch benötigt. Wenn der Hausarzt zu Ihnen in die Einrichtung kommt und dort visitiert, gibt es hier keine Punkte.

3. Kann es sein, dass ein Pflegekunde nur nicht den Pflegegrad 5 erreicht, weil er keine Medikamente einnimmt?

Das kann rechnerisch sein. Solch einen Fall hatte ich selbst in der Praxis: Eine Pflegekundin war schwer demenzerkrankt und hatte in den Modulen 1–4 und 6 jeweils den höchsten Punktwert erreicht. Sie nahm aber eben keinerlei Medikamente ein und es waren keine sonstigen Behandlungspflegen angeordnet. Dadurch hat sie nicht den höchsten Pflegegrad erreicht.

Das kann insbesondere Ihre palliativen Pflegekunden betreffen. Hier werden in den letzten Lebenswochen ja oft alle Medikamente und Behandlungspflege wie z. B. Kompressionsstrümpfe an-/ausziehen abgesetzt. Damit fehlen dann aber die entscheidenden Punkte beim NBI. Ich rate Ihnen deshalb, rechtzeitig den Antrag auf Höhergraduierung zu stellen.

4. Gibt es im schwierigen Modul 5 allgemeine Tipps, wie die hier zu erreichenden Punkte gesteigert werden können?

Als Tipp kann ich Sie auf zwei Dinge hinweisen:

  1. Beachten Sie bei der Häufigkeit der Gabe von Medikamenten wirklich alle Zeiten. Schilddrüsen- oder Parkinsonmedikamente beispielsweise müssen Ihre Pflegekunden zu festen Zeiten einnehmen. Wenn Sie Ihrem Pflegekunden nun um 7 Uhr vor dem Frühstück L-Thyroxin reichen und zum Frühstück um 8 Uhr dann seine restlichen Morgenmedikamente, haben Sie am Morgen 2-mal die Gabe von Medikamenten zu rechnen. Das macht bei den Punkten schon einiges aus.
  2. Beschäftigen Sie sich doch einmal näher mit dem Punkt „Messung und Deutung von Körperzuständen“. Hierunter zählt z. B. die Überwachung einer Trinkmengenbeschränkung. Ist das bei Ihrem Pflegekunden vom Arzt angeordnet, können Sie das bei den Punkten hinzurechnen.

5. Warum fehlt der Punkt „Waschen des Unterkörpers“ im Modul 4?

Im Modul 4 kann man tatsächlich den Eindruck bekommen, der Mensch endet am Intimbereich. Denn die Pflege von Beinen und Füßen wird nicht mit abgefragt und damit auch nicht berechnet.

Das wurde im System bewusst so gehalten, denn wie selbstständig ein Mensch im Bereich Unterkörperpflege ist, hat damit zu tun, wie mobil er ist. Deshalb gibt es die entsprechenden Punkte im Modul „Mobilität“. Denken Sie daran bei der Begutachtung.

6. Was kann im Punkt „körpernahe Hilfsmittel“ im Modul 5 alles berücksichtigt werden?

Hierunter versteht man beispielsweise das An- und Ablegen von Prothesen oder kieferorthopädischen Apparaturen und auch, wie selbstständig Ihr Pflegekunde im Umgang mit Orthesen, Brille, Hörgerät oder Kompressionsstrümpfen ist. Sein Handling mit Zahnprothesen erfassen Sie aber im Modul 4, ebenso seinen selbstständigen oder nicht selbstständigen Umgang mit dem Blasenkatheter.

Fazit: Üben Sie

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Denken Sie daran, dass das NBI ein neues System ist, in dem Sie sich erst einmal einlesen und zurechtfinden müssen. Je mehr Sie üben, desto sicherer und souveräner werden Sie bei den MDK-Begutachtungen.

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