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Storytelling: Datenschutzverstoß im Alltag

14.03.2018

Stellen Sie sich Folgendes vor: Ein Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes entsorgt am Ende der Tour seinen Tourenplan mit sämtlichen Kundenadressen, Telefonnummern und medizinischen Diagnosen auf offener Straße neben einem Altpapiercontainer. Diese Liste wird an eine Zeitung gesendet und der Leser stellt die Frage, wie es möglich ist, dass solch private Personendaten auf der Straße gefunden werden. Sie glauben nicht, dass so etwas möglich ist? Es ist aber genauso passiert, und zwar in Wedel bei Hamburg. Die zuständige Pflegedienstleitung und der Geschäftsführer zeigten sich entsetzt, zumal doch alle Mitarbeiter eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben mussten.

Auch wenn Sie glauben, dass Ihre Einrichtung in puncto Datenschutz gut aufgestellt ist, hält das "echte Leben" Stoff für sehr abwechslungsreiche Unterweisungen bereit, die unangenehme Konsequenzen haben können. Aus diesem Grund sollten Schulungen zum Thema "Datenschutz" ins Pflichtprogramm eines jeden Fortbildungsplans gehören. So, wie Sie die Themen "Hygiene" und "Erste Hilfe" in jährlichen Schulungen auffrischen, sollten Sie auch den Datenschutz behandeln.

Der Dauerbrenner: Aktentransport im Dienstwagen

Irgendwann müssen Pflegedokumentationen evaluiert und überarbeitet werden. Dies geschieht nicht im Haushalt des Pflegekunden, sondern üblicherweise in der Einrichtung. Dazu bringt der Mitarbeiter am Ende seiner Tour die Akten mit und führt die notwendigen Änderungen durch. Egal, wie oft Sie darauf hinweisen, dass Akten nicht auf dem Beifahrersitz liegen dürfen – schon gar nicht, dass der Name des Kunden für jeden sichtbar ist, der durch das Fenster schaut, es passiert immer wieder. Ich selbst habe noch vor Kurzem einem meiner Kunden ein Foto geschickt, das ich durch das Fenster der Beifahrertür geschossen habe. Sicher hat er daraufhin eine erneute Belehrung seiner Mitarbeiter durchgeführt.

Lassen Sie sich nicht aushorchen

Das Auto eines ambulanten Pflegedienstes ist natürlich aufgrund der Werbung von Weitem zu erkennen. Also ist in der Nachbarschaft schnell bekannt, wer pflegerische Hilfe benötigt. Da sind manche Pflegekunden schon einmal neugierig und fragen nach: „Ach, Sie versorgen auch Frau Schmitz von nebenan? Wie geht es ihr denn? Die war doch immer so fit. Was ist denn bloß los? Ich habe ihre Tochter schon mehrfach gefragt, aber die ist ja so zugeknöpft und erzählt mir nichts.“ Gut, wenn Ihre Mitarbeiter in einer solchen Situation sagen, dass sie dazu leider keine Auskunft geben können. Manchmal werden aber doch Informationen weitergegeben und Frau Schmitz oder ihre Tochter wären sicher nicht erfreut, wenn ihnen das zu Ohren käme.

Achtung - (versteckte) Kamera

Diese Geschichte ist in einer stationären Pflegeeinrichtung passiert: Ein Angehöriger hatte sich bei verschiedenen Gelegenheiten beschwert. Im Team war er schon als „Nörgler“ bekannt. In irgendeiner Auseinandersetzung teilte ein genervter Mitarbeiter mit, der Wohnbereich sei schlecht besetzt und er möge sich bitte an die Pflegedienstleitung wenden. Der Angehörige suchte jedoch zunächst das Gespräch mit der Wohnbereichsleitung.

Diese bat ihn ins Dienstzimmer. Während des Gespräches kam es auf dem Flur bei einem Bewohner zu einem Sturzereignis und die Wohnbereichsleitung ging kurz nach draußen, um den Mitarbeitern Beistand zu leisten. Währenddessen machte der Angehörige mit seinem Handy ein Foto des Dienstplans. Das Ganze führte zu einer Beschwerde bei der Heimaufsicht mit nachfolgender anlassbezogener Prüfung. Auch wenn nichts dabei herauskam, die ganze Angelegenheit war ärgerlich. Schulen Sie Ihre Mitarbeiter auch dazu, dass gegenüber Fremden keine Aussage bezüglich der Besetzung in der Einrichtung getätigt werden soll.

„Ich habe Rücken“ – und alle Kollegen wissen Bescheid

Wenn ein Mitarbeiter sich krankmeldet, dann informiert er meist auch noch über seine Diagnose. Das geht aber in der Einrichtung niemanden etwas an. Dort werden nur die Information über die Krankheit und der „gelbe Schein“ benötigt. Krankheitszeiten sind für die Kollegen, die einspringen müssen, definitiv kein Spaß. Wenn aber dann der rückenkranke Kollege beobachtet wird, wie er seinen Umzug organisiert und dabei schwere Kisten schleppt, dann macht das in der Einrichtung schnell die Runde. Und zu Recht werden die Kollegen sehr sauer sein. Weisen Sie Ihre Mitarbeiter darauf hin, dass sie ihre Krankheiten besser nicht preisgeben.

Vorsicht bei Facebook & Co.

Wahrscheinlich sind die meisten Ihrer Mitarbeiter in sozialen Netzwerken aktiv. Das ist auch nichts Verwerfliches. Allerdings haben Informationen über Lust und Frust am Arbeitsplatz oder Fotos von Kunden hier überhaupt nichts zu suchen. Trotzdem nutzen Mitarbeiter häufig diese Foren, um einmal kräftig Dampf abzulassen. Offensichtlich können sie sich kaum vorstellen, dass ihre Posts gelesen werden. In einer Einrichtung meldete sich ein Mitarbeiter krank. 2 Stunden später postete er ein Foto, das ihn mit seiner Clique beim Biertrinken im Münchner Hofbräuhaus zeigte. In einer anderen Einrichtung schoss eine Pflegefachkraft ein Selfie, das sie im Bett mit einem demenziell veränderten Bewohner zeigte.

Dieses postete sie auf ihrer Facebook-Seite. Sie können sich vorstellen, dass beide Begebenheiten nicht ohne Konsequenzen geblieben sind. Beide Mitarbeiter fragten sich aber sehr erstaunt, woher die Einrichtung wohl die Informationen hatte.

Fazit

Personenbezogene Daten in der Pflege gelten als besonders schutzwürdig und die Einhaltung der Vorschriften sollte daher auf der Tagesordnung für jede Einrichtung stehen. Im Bereich von Mitarbeiterschulungen und der Gestaltung von Heim- und Pflegeverträgen wird der Datenschutz schon gut berücksichtigt. An der weiteren Umsetzung hapert es jedoch oft. Denn in vielen Einrichtungen liegt noch kein Verfahrensverzeichnis vor.

Oder die Datensicherung ist unzureichend. Jede 4. Einrichtung hat schon Datenverlust erlebt. Das sollten Sie sich ersparen. Mit dieser Ausgabe möchte ich Ihnen aufzeigen, dass die Umsetzung der Datenschutzvorschriften kein Hexenwerk ist. Gehen Sie die notwendigen Schritte im neuen Jahr an. So sind Sie auch gut für die DSGVO im kommenden Mai gerüstet.

Nein, Danke