Verlag & Akademie

Mit diesen Schritten schätzen Sie das Dekubitusrisiko Ihres Pflegekunden endlich sicher ein

14.01.2019

Sehen Sie bei der Maßnahmenplanung auch manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr? Mir wird dies immer wieder bei dem Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe“ deutlich: Sie als Pflegefachkraft sollen einschätzen, ob Ihr Pflegekunde ein Dekubitusrisiko hat oder nicht.

Viele Kollegen haben Schwierigkeiten, dies sicher einzuschätzen. Am besten gelingt Ihnen das Schritt für Schritt, indem Sie mit der groben Einschätzung beginnen und diese nach und nach vertiefen. Lesen Sie hier, wie das geht.

Sind Risikoskalen notwendig?

Möglicherweise verbinden Sie mit den Begriffen Screening und Assessment automatisch das Ausfüllen von Einschätzungsskalen. Hierauf können Sie jedoch getrost verzichten, wenn Sie das Risiko aus pflegefachlicher Sicht fundiert einschätzen. Screening meint lediglich, dass Sie eine erste Einschätzung vornehmen. Assessment bedeutet, dass Sie das Risiko umfassend beurteilen.

Schritt 1: Beginnen Sie mit der initialen pflegefachlichen Kurzeinschätzung (Screening)

Dieses führen Sie bei allen Pflegekunden sofort bei der Aufnahme und bei Veränderungen durch. Sie bewerten dabei die aktuelle Druck- und Scherkrafteinwirkung sowie die vorhandenen Risikofaktoren. Druck entsteht beispielsweise durch zu langes unbewegliches Sitzen oder Liegen oder durch Schienen oder Katheter bzw. Sonden auf einem Katheter. Scherkräfte sind Hautverschiebungen, z. B. durch das Herunterrutschen bzw. Höherziehen im Bett oder Stuhl.

Praxisbeispiele:

  • Frau Schmitz dreht sich selbst im Bett von einer Seite auf die andere --> kein Dekubitusrisiko in der Nacht.
  • Am Tag sitzt sie in einem Multifunktionsrollstuhl. Sie bewegt sich zwar, rutscht aber häufig nach vorn, sodass Scherkräfte entstehen. Hiermit ist Frau Schmitz trotz ihrer Eigenbewegung dekubitusgefährdet.

Die Risiken erkennen Sie etwa durch Ihren persönlichen Kontakt mit dem Pflegekunden sowie durch Informationen von Angehörigen oder aus mitgebrachten Berichten. Wenn Sie einen Dekubitus hier schon sicher ausschließen können, ist die Einschätzung hiermit beendet und Sie müssen keine weiteren Maßnahmen durchführen.

Schritt 2: Führen Sie eine differenzierte Risikoeinschätzung durch

Sie folgt, wenn Sie das Risiko im Screening nicht eindeutig ausschließen konnten. In diesem Fall prüfen Sie, wie die zutreffenden Risiko- und Einflussfaktoren in Zusammenhang stehen.

Neben den Hauptentstehungsfaktoren Druck und Immobilität gibt es zahlreiche Einflussfaktoren, die das Dekubitusrisiko verstärken. Diese sind im Wesentlichen:

  • Durchblutungsstörungen,
  • Beeinträchtigungen des Hautzustandes, z.B. sehr trockene oder feuchte Haut durch Schwitzen oder Inkontinenz,
  • Sensibilitätsstörungen, sodass Ihr Pflegekunde einen Warnschmerz als Impuls für Entlastungsbewegungen nicht wahrnimmt,
  • Vorschädigungen der Haut, z. B. ein abgeheilter Dekubitus.

Praxisbeispiel: Laut pflegefachlicher Kurzeinschätzung (Screening) kann das Dekubitusrisiko bei Frau Schmitz am Tag nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Ob die Scherkräfte eine Gefahr bedeuten, hängt von zusätzlichen Faktoren ab. Bei dieser Pflegekundin sind etwa die Scherkräfte gravierend, da sie Durchblutungsstörungen hat und die Haut durch eine bestehende Inkontinenz vorgeschädigt ist.

Schritt 3: Erstellen Sie einen Maßnahmenplan

Hierzu erläutern Sie Ihrem Bewohner sein individuelles Risiko und vereinbaren geeignete Maßnahmen. Falls Ihr Pflegekunde sich nicht mehr äußern kann, beziehen Sie bei Bedarf Angehörige mit ein. Vor allem aber berücksichtigen Sie seine Reaktion auf Ihre Maßnahmen.

Geeignet sind in erster Linie bewegungsfördernde Maßnahmen: dehnen und recken oder das regelmäßige Hinstellen in festgelegten Intervallen. Bei stärkerer Immobilität planen Sie Positionsveränderungen (z. B. 30°-Seiten- und -Rückenlage oder Freilagerung der Fersen). Setzen Sie ggf. zusätzlich druckverteilende Hilfsmittel ein, z. B. Wechseldruck- oder Weichlagerungsmatratzen oder Sitzkissen für den Rollstuhl.

Praxisbeispiel: Die Pflegekräfte haben überlegt, ob ein Multifunktionsrollstuhl als ständige Sitzgelegenheit sinnvoll ist. Frau Schmitz sitzt nun tagsüber in einem bequemen Ohrensessel. Hierdurch rutscht sie nicht mehr so leicht nach vorn wie in dem Multifunktionsrollstuhl, hat aber gleichzeitig genügend Bewegungsfreiheit für Eigenbewegungen.

Schritt 4: Führen Sie die Maßnahmen durch

Informieren Sie Ihre Kollegen und weitere an der Betreuung beteiligte Personen über das Dekubitusrisiko und die geplanten Maßnahmen. Dokumentieren Sie Ihre Maßnahmen und zeichnen Sie die geplanten Lagerungen und Positionierungen ab. Stationär ist der Eintrag in das Lagerungs- bzw. Positionierungsprotokoll immer erforderlich. Ambulant dokumentieren Sie nur die Positionswechsel, für die Sie im Rahmen Ihres Pflegeauftrags zuständig sind.

Praxisbeispiel: Die Fachkraft führt ein Gespräch mit Frau Schmitz und ihren Angehörigen. Sie erklärt die Entstehung eines Druckgeschwürs und worin die besondere Gefahr für Frau Schmitz liegt. Hierdurch kann die Pflegekundin nachvollziehen, warum der Transfer in den Ohrensessel notwendig ist.

Schritt 5: Kontrollieren Sie die Wirksamkeit der geplanten Maßnahmen

Beurteilen Sie die Wirksamkeit Ihrer Maßnahmen und passen Sie sie gegebenenfalls an, z. B. wenn sich der Allgemeinzustand des Bewohners verändert. Hierzu gehört auch die Hautkontrolle bei jedem Positionswechsel.

Praxisbeispiel: Sobald Frau Schmitz im Bett liegt, führt die Pflegekraft eine Kontrolle der Gesäßhaut durch. Ist diese zu stark gerötet, liegt die Pflegekundin im Bett ausschließlich auf der Seite.

So setzen Sie es in der Pflegeplanung um

Vielleicht haben Sie sich beim Lesen der vorangegangenen Beschreibung gedacht: „Das klingt ja alles logisch, aber wie bringe ich das in der Dokumentation zu Papier?“ Zur transparenteren und besseren Durchführung haben wir für Sie eine geeignete Übersicht erstellt, die Sie weiter oben als kostenlosen Gratis-Download einfach herunterladen können.

Mein Tipp: Gehen Sie systematisch vor

Die Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie eine sinnvolle Risikoeinschätzung vornehmen. Orientieren Sie hier an Ihren Maßnahmen und denken Sie an die rechtzeitige Evaluation, denn: Immer wenn sich das Risiko verändert, müssen Sie die Maßnahmen anpassen.

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Qualitäts-Management aktuell

1 x in der Woche finden Sie in unserem kostenlosen E-Mail-Newsletter PPM Qualitäts-Management aktuelle Tipps zur Qualitätssteigerung.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Palliativpflege heute

News und Praxistipps für eine professionelle Palliativpflege – speziell für Pflegekräfte in stationären und ambulanten Einrichtungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Menschen mit Demenz professionell pflegen

Wichtige Informationen zum Thema Pflege und Betreuung bei Demenz. So bewältigen Sie als Pflegefachkraft die speziellen Herausforderungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Nein, Danke

Nie mehr den Überblick verlieren!

Holen Sie sich Hilfe für Ihre stationäre Pflege!

In nur 15 Minuten über das Wichtigste informiert sein.

  • Pflegekokumentation
  • Mitarbeiterführung
  • Haftungsrecht
  • Nein, Danke

    Nein, Danke