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Delegation ärztlicher Leistungen – Handeln Sie rechtssicher!

05.06.2017

Der Hausarzt Ihres Pflegekunden will diesen nicht persönlich aufsuchen, sondern stellt am Telefon eine Ferndiagnose. Anschließend gibt er Ihnen seine Anordnungen durch. Was können Sie als Pflegekraft nun tun, wenn Ihnen die Diagnose und die Anordnungen problematisch vorkommen?

Es lohnt sich, die rechtlichen Hintergründe zu kennen

Was wird von der Rechtsprechung überhaupt gefordert, wenn es um eine ärztliche Behandlung geht? Der Bundesgerichtshof hat hierzu eindeutig festgestellt: „Wer eine Behandlung übernimmt, ist dafür verantwortlich, dass der Behandlungsstandard gewährleistet ist, auf den der Patient Anspruch hat. Dieser Anspruch meint

  • Anspruch auf fachqualifizierte Betreuung
  • Der Facharztstandard ist also der Maßstab für das sorgfaltspflichtige Vorgehen des Arztes
  • Verkehrsübliche Sorgfalt/Qualitätsstandards der jeweiligen Berufsgruppe“

Grundsätzlich gilt, dass was hier für die Ärzte beschrieben wurde, auch für die Pflegekräfte. Das Problem dabei ist, dass es keine Rechtsnorm gibt, die die Grenzen der Delegierbarkeit ärztlicher Leistungen klar definiert. Das heißt, es gibt keine rechtsverbindliche Norm, die das Tätigkeitsfeld des Arztes, der Pflegekraft oder von sonstigem Assistenzpersonal wie z. B. Arzthelferinnen eindeutig beschreibt. Die Grenzziehung, welche Aufgaben delegierbar sind, erfolgt in erster Linie durch die Medizin, die jeweiligen Fachgebiete, selbst.

Voraussetzungen für die Übernahme einer ärztlichen Tätigkeit

Juristen haben, um hier überhaupt über eine handlungsleitende Linie verfügen zu können, folgende Voraussetzungen für die Delegation bzw. Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten definiert (Rossbruch, 2003):

  • für die Durchführung ist ärztliches Handeln nicht erforderlich
  • eine schriftliche Anordnung durch einen Arzt liegt vor
  • der Patient hat der Maßnahme zugestimmt, nachdem er umfassend über Wirkung, Nebenwirkung und Alternativen durch einen Arzt aufgeklärt wurde
  • die Pflegefachkraft ist formell und materiell qualifiziert und bereit zur Übernahme

Gemäß unserem Eingangsbeispiel haben Sie also den behandelnden Hausarzt über spezielle Symptome Ihres Pflegekunden informiert. Der Arzt möchte nun nicht vorbeikommen, sondern stellt am Telefon seine Diagnose und trägt Ihnen auf, z. B. ein spezielles Medikament in Tablettenform oral zu verabreichen.

Rechtssicher handeln – der folgende 3er-Schritt hilft Ihnen

1. Liegen die 5 Voraussetzungen für die Übernahme einer ärztlichen Tätigkeit vor?

Für die Tätigkeit, eine Tablette zu verabreichen, ist ärztliches Handeln nicht direkt erforderlich. Eine Anordnung darüber liegt Ihnen auch vor, zwar nicht schriftlich, sondern mündlich. Dies vermerken Sie in der Dokumentation so. Wenn Sie später Zeit haben, senden Sie dem Arzt ein Fax mit der Bitte, die Anordnung darauf noch zu unterschreiben. Sie holen sich die Zustimmung Ihres Pflegekunden ein, wenn Sie ihm die Tablette bringen und ihm die Hintergründe mitteilen. Und schlussendlich: Sie fühlen sich als Pflegefachkraft ausreichend qualifiziert, die entsprechende Tablette zu stellen und dem Pflegekunden zu verabreichen.

2. Wie ist es um Ihre persönliche Verantwortung bestellt?


Wenn der Arzt seine Anordnung an Sie delegiert und Sie diese direkt ausführen, liegt juristisch ein Fall der unmittelbaren Delegation vor. So wie in unserem Beispiel. In solch einem Fall trägt der Arzt die Anordnungsverantwortung und Sie die Durchführungsverantwortung. Das bedeutet für den Arzt konkret, er muss die Auswahl, Anleitung und Überwachung der Pflegekraft prüfen und schließlich auch verantworten. Ihre persönliche Durchführungsverantwortung erstreckt sich dann nur noch auf die tatsächliche Durchführung.

3. Greift vielleicht Ihr Remonstrationsrecht?

Sie als Pflegefachkraft sollten in der Lage sein, Ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten selbst einschätzen zu können. Wenn Sie sich zu einer bestimmten Tätigkeit nicht in der Lage fühlen, können – und müssen Sie sogar! – diese Tätigkeit im Rahmen Ihrer pflichtgemäßen Selbstprüfung ablehnen.

Es könnte z. B. sein, dass Sie als Pflegefachkraft über eine formelle Qualifikation im Bereich i.m. Spritzen verabreichen verfügen. Nun arbeiten Sie seit 2 Jahren als examinierte Kraft. Außer im theoretischen Unterricht haben Sie nie mehr mit diesem Thema etwas zu tun gehabt. Dann fehlt Ihnen eindeutig die materielle Qualifikation.

Es ist nun Ihr Recht und vielmehr schon Ihre Pflicht, dies zum Ausdruck zu bringen und eine entsprechende Anordnung des Hausarztes nicht selbst auszuführen. Sie müssen dann nur vor Ort dafür Sorge tragen, dass der Anordnung trotzdem nachgekommen wird, indem Sie z. B. eine qualifizierte Kollegin darum bitten, oder dies dem Arzt am Telefon mitteilen. Dann muss er selbst vor Ort kommen und die Tätigkeit übernehmen.

Fazit

Trotz aller Spitzfindigkeiten: Haben Sie keine Angst vor der Durchführung ärztlich angeordneter Maßnahmen.

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