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Demenz: Das sollten Sie über Ihre Pflegekunden wissen

12.04.2019

Fragen Sie sich bei manchen Pflegekunden auch manchmal, wie weit ihre Demenz wirklich fortgeschritten ist? Häufig senden demenziell veränderte Personen sehr widersprüchliche Signale aus. Daher fällt es vielen Mitarbeitern auch schwer, das Verhalten etwa unserer Pflegekundin Frau Siegbert einzuschätzen.

Eine Kollegin sagte neulich: „Frau Siegbert ist gar nicht so stark demenziell verändert. Alle paar Minuten fragt sie, wie spät es ist. Wenn jemanden in der Nähe ist, fragt sie immer nach dem Weg zu ihrem Zimmer. Doch merkwürdigerweise findet sie ihr Zimmer allein, wenn sie keinen Mitarbeiter erblickt. Ich glaube, sie ist gar nicht so vergesslich, wie sie tut. Auch die Betreuungskraft, die jede Woche mit ihr spazieren geht, erkennt sie immer sofort wieder – und das, obwohl diese erst seit 3 Wochen zu ihr kommt. Außerdem ist sie sehr gewitzt. Sie sieht sofort, wenn die rote Markierung an der Toilettentüre zu sehen ist, und sagt dann sofort: ,Da ist besetzt‘.“

Geben Ihnen Ihre Pflegekunden ähnliche Rätsel auf? Hier finden Sie Erklärungsansätze.

Demenzerkrankte machen keine absichtlichen Fehler

Möglicherweise fällt es Ihnen im Arbeitsalltag manchmal schwer zu glauben, dass demenziell veränderte Personen mit den ihnen verbleibenden Fähigkeiten immer ihr Bestes geben wollen. Besonders bei Handlungen, die Ihnen im Nachhinein viel Arbeit bescheren, ist dies schwer zu verstehen. Bedenken Sie dennoch: Ihre demenziell veränderten Pflegekunden müssen sich sehr konzentrieren, um alles richtig zu machen. So haben sie besonders bei Fortschreiten der Erkrankung keine Ressourcen mehr für absichtliche Fehler.

Warum Ihre Pflegekunden oft orientierter erscheinen, als sie es wirklich sind

Das Beispiel von Frau Siegbert zeigt deutlich, wie vielfältig die Verhaltensweisen und die Fähigkeiten einer demenziell veränderten Person sein können. Ursache hierfür sind verschiedene Auswirkungen der Erkrankung. Deren Kombination ist je nach Persönlichkeit Ihres Pflegekunden unterschiedlich ausgeprägt. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten, die es Ihnen ermöglichen, demenzbedingtes Verhalten besser zu verstehen.

Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um diese 5 Fakten:

1. Ihr demenzerkrankter Pflegekunde kann neue Informationen nicht mehr speichern

Neue Informationen gelangen zwar ins Kurzzeitgedächtnis und verbleiben dort für etwa eine halbe Minute. Dann verflüchtigen sie sich, da sie nicht im Langzeitgedächtnis gespeichert werden.

Beispiel: Frau Siegbert fällt jedes Mal aufs Neue ein, dass sie nicht weiß, wie spät es ist. Sie vergisst, dass sie schon einmal danach gefragt und was man ihr geantwortet hat. Sie will mit ihren ständigen Fragen niemanden ärgern, sondern weiß die Antwort tatsächlich nicht mehr.

2. Lange eingeübte Tätigkeiten und Fähigkeiten bleiben länger erhalten

Früh erlerntes Wissen der Kindheit oder häufig ausgeführte Tätigkeiten bleiben länger erhalten als neuere Gedächtnisinhalte.

Beispiel: Frau Siegbert hat schon früh gelernt, dass man nicht versucht, eine Toilettentür zu öffnen, wenn die rote Markierung für „besetzt“ zu erkennen ist.

3. Durch Fragen schützt sich der Demenzerkrankte vor Fehlern

Demenziell veränderte Menschen machen häufig die Erfahrung, dass sie etwas falsch machen, also fragen sie lieber nach. Wenn hingegen niemand zum Fragen anwesend ist, handeln sie intuitiv. Außerdem sind demenzerkrankte Menschen durchaus noch in der Lage, bei ständiger Wiederholung Neues zu lernen.

Beispiel: Frau Siegbert kann sich nicht erinnern, wie der Weg zum Zimmer genau verläuft. Sie möchte nicht umherirren, also fragt sie lieber. Sie ist mittlerweile seit 1 Jahr in der Einrichtung und hat sich langsam, aber sicher den Weg zu ihrem Zimmer eingeprägt. Daher findet sie ihn intuitiv, wenn sie auf sich allein gestellt ist.

4. Personen mit demenzieller Veränderung haben ein eigenes Gespür für Menschen

Emotional bedeutsame Inhalte merken sich Ihre demenzbetroffenen Pflegekunden länger und leichter – somit auch Personen, mit denen sie positive Erinnerungen verknüpfen.

Beispiel: Frau Siegbert verbringt mit ihrer ehrenamtlichen Besucherin immer angenehme 2 Stunden. Frau Siegbert verbindet automatisch positive Gefühle mit der ehrenamtlichen Begleiterin. Hierdurch gelingt es ihr besser, sie wiederzuerkennen.

Hinweis: Aber auch 2 weitere Erklärungen sind möglich:

  • Vielleicht sieht die Besucherin einer nahestehenden Person aus Frau Siegberts Biografie ähnlich,
  • oder sie erwidert einfach die Freundlichkeit, die ihr entgegengebracht wird.

5. Demenzerkrankte Menschen machen nicht gern Fehler

Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden ständig Fehler bei Handlungen machen, die Sie eigentlich gut beherrschen. Wäre Ihnen dies nicht peinlich? Ähnlich geht es Ihren demenziell veränderten Pflegekunden. Weisen Sie daher nicht darauf hin, sondern gehen Sie darüber hinweg.

Beispiel: Frau Siegbert steht häufig vor der Toilette und weiß nicht mehr, wie sie sich ausziehen soll. Dies verunsichert sie so sehr, dass sie die Pflegekraft schlägt, wenn diese ihr helfen will.

Fazit: Helfen Sie Ihrem Pflegekunden durch Ihr Wissen

Beobachten Sie Ihren Pflegekunden genau und lernen Sie ihn hierdurch besser kennen. So können Sie ihn unterstützen und Schwächen ausgleichen.

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