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Lebensqualität bei Demenzerkrankten durch körperliche Bewegung steigern

10.04.2019

Für uns Menschen ist das höchste Lebensgut, möglichst lange körperlich und geistig fit zu bleiben. Konkret heißt das, dass wir lange selbstständig und unabhängig im Alter sein können und keine Hilfe von anderen Personen benötigen. Bewegung unterstützt dabei, körperlich agil zu bleiben. Hierfür ist es häufig unabdingbar, Sport zu treiben. Wie für alle Menschen ist Bewegung auch für Menschen mit Demenz von immenser Bedeutung. Durch körperliche Bewegung können bei Demenzerkrankten die Lebensqualität und das Wohlbefinden gesteigert werden.

Moderate Aktivität statt Höchstleistungen

Häufig erinnert Sport die meisten jedoch ans Schwitzen, sich quälen und sich verausgaben. Hierbei fragen Sie sich wahrscheinlich, wie dies mit Menschen mit Demenz machbar sein soll. Natürlich steht dies bei Menschen mit Demenz nicht im Vordergrund. Bei dem Thema „Bewegung und Demenz“ geht es nicht um Erschöpfung, sondern eher um die körperliche Aktivität zum Erhalt der Gesundheit. Dabei können schon einfache Übungen ausreichen, um mehr Kraft, Balance und Sicherheit zu erreichen.

Aktivität hält das Gehirn fit

Bewegung wirkt sich nicht nur auf den Körper aus, d. h. auf das Herz-Kreislaufsystem, die Verdauung, Muskeln usw., sondern auch auf das Gehirn und unsere Gedächtnisleistungen, sprich: unsere Kognition. Wie Ihnen bekannt ist, bezeichnet Kognition als Sammelbegriff alle Prozesse und Strukturen, die mit dem Wahrnehmen und Erkennen zusammenhängen. Dazu zählen u. a. das Denken, Erinnern und Vorstellen, das Gedächtnis sowie das Lernen und Planen. Mithilfe dieser Fähigkeiten können sich Menschen in der Welt orientieren.

Studien zeigen bei Personen ohne kognitive Einschränkungen, dass durch Bewegung die kognitiven Leistungen verbessert werden können. Bei Menschen mit einer Demenz lassen sich die kognitiven Leistungen mit Fortschreiten der Erkrankung nicht verbessern, der kognitive Abbau lässt sich aber häufig verlangsamen.

Exkurs: Gymnastik für Menschen mit Demenz

Gymnastik ist für jeden machbar. Mit einfachen Übungen – manchmal zur Musik – werden Kondition, Koordination, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Muskelkraft trainiert und erhalten. Studienergebnisse weisen darauf hin, dass regelmäßige Gymnastik bei älteren Menschen zu einer Verbesserung der kognitiven Leistungen führt. Es zeigt sich, dass sich der Hippocampus durch regelmäßige Übungen vergrößern kann. Ein moderates Training wirkt sich positiv auf die Hirnleistungen aus.

Das müssen Sie beachten:
Menschen mit Demenz ist es oftmals nicht mehr möglich, an gymnastischen Übungen teilzunehmen, die für junge, gesunde Teilnehmer sind. Es gibt aber Übungen, die speziell an die Bedürfnisse von Senioren und Menschen mit Demenz angepasst sind, z. B. mit einem langsameren Rhythmus oder Übungen im Sitzen. Auch Menschen mit einer Demenz können diese Übungen durchführen und den Verlauf ihrer Erkrankung so positiv beeinflussen, sodass der Krankheitsverlauf verlangsamt wird. Zudem macht es noch Spaß! Es ist jedoch wichtig, dass Sie die Übungsstunde an die Fähigkeiten der Betroffenen anpassen, damit keine Überforderung entsteht.

Exekutive Kontrollprozesse steuern Verhalten und Denken

Wichtig zu wissen ist, dass höhere geistige Funktionen von körperlicher Betätigung profitieren. Zu den sogenannten exekutiven Kontrollprozessen zählen

  • das Arbeitsgedächtnis,
  • die Inhibition und
  • die kognitive Flexibilität.

Das Arbeitsgedächtnis speichert Informationen kurzfristig ab und verarbeitet sie, während die Inhibition dazu veranlasst, spontane Reaktionen zu unterdrücken. Die Fähigkeit der kognitiven Flexibilität ermöglicht es, die Aufmerksamkeit bewusst auf verschiedene Bereiche zu lenken, wodurch ein Perspektivwechsel möglich ist.

Gemeinsam steuern diese exekutiven Funktionen das menschliche Verhalten und Denken. Sie veranlassen zum Planen, zum Entscheiden, zum spontanen Reagieren und auch zum Reflektieren des eigenen Verhaltens. Somit profitieren Aufmerksamkeitsprozesse, gedankliche Flexibilität und selbstreguliertes Verhalten von körperlicher Betätigung.

Diese 3 Auswirkungen hat regelmäßige Bewegung auf das Gehirn

1. Durchblutungsfördernd

Die Verbesserung der geistigen Fähigkeiten geht unter anderem mit einer verbesserten regionalen Gehirndurchblutung einher. Durch körperliche Aktivität wird das Gehirn in bestimmten Arealen vermehrt durchblutet und führt somit zu einer erhöhten Sauerstoffversorgung. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die Konzentrationsfähigkeit aus und senkt zudem den Stresshormonspiegel.

2. Neubildung Nervenzellen

Bei jedem Gedanken, jedem Wahrnehmungsprozess und jeder Bewegung werden Nervenzellen aktiviert. Dadurch bilden sich an den Verbindungsstellen neue Synapsen, sodass sich die Nervenzellen zu Informationsnetzen verschlagen.

3. Vermehrung Neurotransmitter

Bewegung wirkt sich positiv auf die Vermehrung von Botenstoffen aus, den sogenannten Neurotransmittern. Diese sind wichtig, um Informationen von einer zur anderen Nervenzelle zu übertragen. Mithilfe dieser Neurotransmitter treten einzelne Neuronen miteinander in Verbindung.

Passen Sie Angebote individuell an

Bestimmte Krankheitsbilder bzw. Demenzformen bringen Bewegungseinschränkungen sowie -unsicherheiten mit sich. Diese sollten Sie in Ihrer Planung für eine Bewegungseinheit beachten und Übungen entsprechend an die Leistungsfähigkeit anpassen.

  • Menschen mit einer Lewy-Body-Demenz sind häufig von motorischen Unsicherheiten und Synkope (plötzliche Ohnmacht, z. B. durch zu schnelles Aufstehen) betroffen.
  • Bei der Alzheimer-Demenz zeigen sich Störungen in der Ausdauer und Kraft. Auch Einschränkungen, die nicht unmittelbar mit dem Bewegungsapparat in Verbindung stehen, können das Mitmachen erschweren, z. B. Schwerhörigkeit und Sehen.
  • Sie sollten also immer berücksichtigen, dass derart betroffene Teilnehmer ihre Übungen unter erschwerten Bedingungen durchführen und Fehler oder vermeintliches Verweigern nicht von Unlust oder Desinteresse herrühren müssen.
  • Achten Sie darauf, dass jede Bewegung grundsätzlich dem Gesundheitszustand des Demenzerkrankten angepasst ist.
  • Bei akuten Erkrankungen wie z. B. einer Grippe sollten keine anstrengenden Bewegungseinheiten durchgeführt werden. Sprechen Sie gegebenenfalls vor Beginn mit dem behandelnden Arzt.

Was Sie mit Menschen mit fortgeschrittener Demenz machen können

Mit dem Fortschreiten der Demenzerkrankung gehen oftmals grundlegende Bewegungsfähigkeiten immer mehr verloren. Dadurch ist es Menschen mit Demenz dann häufig nicht mehr möglich, an Bewegungsgruppen teilzunehmen. Um sich zu bewegen, ist jedoch nicht immer eine Gruppenstunde notwendig. Auch im Alltagsablauf können Sie Bewegungsimpulse gut einbauen. Häufig haben Menschen mit Demenz von allein einen hohen Bewegungsdrang und laufen z.B. viel.

Regelmäßige Bewegung (Achtung! Hier ist nicht der demenziell bedingte Bewegungsdrang gemeint!) sorgt für einen hohen Wohlfühlfaktor bei Demenzerkrankten und verbessert die Lebensqualität. Auch wenn es etwas länger dauert, hilft es Betroffenen jedoch, ihre Mobilität als eine der letzten Ressourcen zu erhalten.

Nutzen Sie das „normale Leben

Vielleicht kann Ihr Bewohner Ihnen beim Bettenmachen, Vorbereiten der Mahlzeiten, Zusammenlegen der Wäsche oder beim Tischdecken helfen. Gerade diese für uns oftmals banalen und täglichen Dinge des Alltags verschaffen Menschen mit Demenz – wie viele Studien belegen – immer wieder Wohlfühlmomente.

Beobachten Sie einfach, welche Alltagsdinge Ihr Pflegekunde mit Demenz gern macht. Erinnerungen an Gegenstände aus der persönlichen Vergangenheit sind bei Menschen mit Demenz oft noch präsent. Schauen Sie, ob Sie hierbei Anknüpfungspunkte für Bewegung finden. So kann z. B. das Sortieren von Socken die Feinmotorik fördern oder das Gießen von Blumen die Hand- und Armmuskulatur aktivieren. Bieten Sie Menschen mit Demenz in ihrem Tagesablauf immer wieder Anreize, sich zu bewegen.

Fördern Sie mit sinnvolle Anlässe Wichtig ist, dass Sie sinnvolle Anlässe schaffen, um die Bewegung zu fördern. Auch Menschen mit Demenz prüfen häufig noch intuitiv, ob sich die Unannehmlichkeiten für sie lohnen und ob sie diese als sinnvoll erachten. Das kann allerdings manches Mal erheblich von unseren Definitionen von „sinnvoll“ abweichen.

Nachfolgend finden Sie eine Beispielliste. Auch für Personen, die nicht mehr so mobil sind, kann so Beweglichkeit im Alltag gefördert werden. Nutzen Sie die folgende Übersicht mit Beispielen, um im Alltag Bewegung zu begünstigen.

Übersicht: Bewegungsaktivitäten für Menschen mit Demenz

AktivitätBeispiele
Gehen„Verdauungs-“Spaziergang, einkaufen, Abendspaziergang
Fahrradselbst oder im Tandem fahren, schieben, reparieren, Ergometer
Treppensteigen (mit Geländer oder Handlauf)
KuchenZutaten zusammenstellen, kneten, rühren, Utensilien zusammensuchen
Wäscheaufhängen, bügeln, zusammenlegen, wegräumen
Fenster putzensprühen, wischen
Staub wischenTisch, Schränke, Oberflächen
An- und AusziehenKleidung, Schuhe, Schal, Mütze
Körperhygienekämmen, Waschlappen benutzen, Zähne putzen, eincremen
Gartengießen, pflanzen, Unkraut jäten, ernten, Blumen pflücken, Kräuter sammeln
Geschirreindecken, abräumen, spülen, wegräumen
Stuhlaufstehen, Sitzplatz wechseln, hinsetzen
Tierestreicheln, bürsten, leichte Versorgungsarbeit
Kochenschneiden, schälen, vorbereiten, umrühren
EssenGabel, Messer, Löffel benutzen
Tischdekorieren, eindecken, abdecken, Tischdecke heraussuchen

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