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Machen Sie auch Beschäftigungsangebote für die Männer unter Ihren Demenzpatienten

15.02.2017

Es ist Winterzeit. Das bedeutet dunklere Tage, in denen Sie und die Ihnen anvertrauten Menschen mit Demenz sich größtenteils in der Einrichtung aufhalten. Sie wissen: Vor allem im Winter kann es durch die eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten immer wieder schnell zu Unruhe und herausforderndem Verhalten kommen. Gerade deswegen ist es in dieser Jahreszeit für Sie auch besonders wichtig, erfüllende Beschäftigungen anzubieten, die wesentlich zur Lebensqualität und zum Wohlbefinden Ihrer Demenzerkrankten beitragen.

Demenz Pflege und Betreuung stationär

 

Die Mehrzahl Ihrer Bewohner ist weiblich

Es wird bei Ihnen nicht anders sein: Die Mehrzahl der Bewohner in Pflegeheimen ist weiblich. Darum richten sich auch viele Beschäftigungs- und Aktivierungsangebote eher an den Bedürfnissen der Frauen aus, wie z. B. basteln, kochen oder andere hauswirtschaftliche Tätigkeiten.

Aufgrund unterschiedlicher Interessen werden demenzerkrankte Männer dadurch häufig nicht erreicht.

Geschlechterunterschiede bezüglich der Beschäftigung und Aktivierung sind besonders in den frühen und mittleren Stadien einer Demenzerkrankung aber von Bedeutung, denn durch das Aufgreifen individueller, lebensgeschichtlicher Rollen wird das Wohlbefinden deutlich erhöht. Die Betroffenen sind interessiert, fühlen sich ernst genommen, wirken orientierter und zeigen weniger schwierige Verhaltensweisen.

 

Job und Hobbys: Schauen Sie auf die Biografie

Nicht nur Menschen mit Demenz fühlen sich generell in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt, wenn der bisherige Beruf, die Familie, das Freizeitverhalten sowie erzielte Lebensleistungen angesprochen werden.

Im Leben eines Mannes der jetzt hochaltrigen Generation haben häufig die Erwerbstätigkeit und die Existenzsicherung der Familie eine wichtige Rolle gespielt. Erst dann kamen die Hobbys.

Durch das Fortschreiten der Erkrankung wird zudem die Wahrnehmung der eigenen Identität schwächer. Auch Hobbys, Interessen und Lebensthemen werden dadurch zunehmend vergessen.

Doch nicht alles gerät in Vergessenheit. Bruchstücke dieser Bereiche bleiben bis in die späte Phase der Demenz erhalten.

Deswegen sollten sich die Beschäftigungsangebote für demenzerkrankte Männer an den früheren Berufstätigkeiten und den eher typisch männlichen Hobbys orientieren.

Durch die Biografie der männlichen Bewohner können Sie häufig schnell passende Beschäftigungsangebote finden.

 

Bieten Sie handwerkliche Angebote an

Männliche Demenzerkrankte haben häufig das Bedürfnis, etwas „zu tun“. Die Betroffenen hantieren dann z. B. oftmals mit Stühlen oder Möbelstücken, kippen diese um oder stapeln sie.

Durch Beschäftigungsangebote z. B. für handwerklich interessierte demenzerkrankte Männer können Sie diese Zielgruppe prima ansprechen.

Manuelle Geschicklichkeit und Routinefähigkeiten wie Sägen, Schleifen, Lackieren usw. sind häufig trotz einer Demenzerkrankung noch lange vorhanden. Sinnvoll ist es für Sie dann, kleine Gruppen mit ähnlichen Bedürfnissen und Kompetenzen einzurichten. Zudem ist Ihre ausreichende Anleitung wichtig, besonders, wenn Werkzeuge benutzt werden.
Wir können resümieren: Es ist wichtig, dass von Ihnen unterschiedliche Beschäftigungen für Männer und Frauen angeboten werden.

 

Bearbeiten Sie Themen auf unterschiedliche Art

Sie müssen sich ja nicht komplett unterschiedliche Themen für Beschäftigungsmöglichkeiten überlegen. Das gleiche Thema kann manches Mal auch einfach auf verschiedene Arten bearbeitet werden, indem Sie z. B. den Männern ein handwerkliches und den Frauen ein kreativ-hauswirtschaftliches Aktivierungsangebot anbieten.

Wir stellen Ihnen eine Winteraktivierung zum Thema „Vögel im Winter“ vor. Hierbei können Sie z. B. mit Ihren männlichen Pflegekunden ein Vogelhaus bauen und Ihre Bewohnerinnen mit der Herstellung von Vogelfutter erfreuen.

 

Das Thema „Vögel im Winter“ macht Spaß und ist nützlich

Bei diesem Thema könnten Sie mit den demenzerkrankten Männern ein Vogelfutterhaus bauen. Hierbei sollten Sie sich jedoch auf eine kleine Gruppe von 2–3 Teilnehmer beschränken, damit Sie sich besser auf die Betroffenen konzentrieren können.

Beachten Sie, dass das Vogelfutterhaus nicht an einem Tag fertiggestellt werden muss. Länger als 1 Stunde Werkeln am Tag ist oftmals schwierig.

Schauen Sie einfach, mit wieviel Spaß die Demenzerkrankten dabei sind, dann kann beliebig lange gewerkelt werden. Wichtig ist es, nicht zu überfordern. Aber wenn alle noch mit Freude dabei sind, kann auch gern weitergemacht werden.

Ziel der Aktivierung ist nicht die Fertigstellung, sondern das gemeinsame Schaffen. Deswegen sollte der Betroffene z. B. auch ruhig die Nägel selbst einhämmern, wenn es noch gefahrlos möglich ist.

Ansonsten beziehen Sie ihn so mit ein, dass er das Gefühl hat, eine nützliche Hilfe zu sein, z. B. beim Festhalten der Bretter. Achten Sie einfach darauf, dass Sie den Menschen mit Demenz weder über- noch unterfordern. Als erfahrene Pflege- und Betreuungskraft erkennen Sie dies schnell.

 

Für die Männer: Schritt für Schritt zum Vogelfutterhaus

Sie benötigen:

  • 1 Holzplatte als Boden (20 cm x 20 cm x2cm)
  • 2 Holzplatten für das Dach (15 cm x 20 cmx1cm)
  • 4 Holzleisten für die Ränder (20 cm x 5 cmx1cm)
  • 4 Holzleisten als Dachstützen (20 cm x 2cmx2cm)
  • Nägel
  • Hammer
  • Klar- oder Farblack
  • Pinsel
  • Teerpappe (zirka 35 cm x 20 cm)
  1. Schritt: 
Gehen Sie (auch gern mit Ihren Menschen mit Demenz) in einen Baumarkt und lassen Sie die 4 Holzleisten für den unteren Rahmen, die 4 Trägerbalken sowie die beiden Holzplatten für das Dach von einem Fach- mann auf Gehrung schneiden. 
Unter Gehrung wird die Eckverbindung 2er Werkstücke bezeichnet, die in der Regel den gleichen Winkel haben, damit sie exakt aufeinanderpassen. 
Alternativ können Sie die Hölzer mithilfe einer Gehrungsleiste auch selbst zuschneiden. 
Achtung: Auf der Skizze sind diese Elemente teilweise nicht auf Gehrung geschnitten!
  2. Schritt: 
Im 2. Schritt können Sie nun die 1. Leiste für den Rahmen an die Außenseite der Bodenplatte halten und gemeinsam mit dem Betroffenen daran festnageln. Nun wird die nächste Leiste exakt an die 1. angelegt und wieder an der Bodenplatte festgenagelt. Das Gleiche wiederholen Sie mit den letzten beiden Leisten. Zum Schluss werden die Ecken, an denen 2 Leisten zusammenkommen, mit Nägeln verbunden.
  3. Schritt: 
In diesem Schritt befestigen Sie zusammen mit dem Erkrankten die 4 Holzleisten, die als Dachstützen dienen. Setzen Sie hierfür die Holzleisten in eine Ecke und nageln diese von unten an der Bodenplatte fest.
  4. Schritt: 
Nun werden die beiden Dachplatten miteinander verbunden. Hierfür legen Sie die auf Gehrung gesägten Seiten aneinander, damit ein 90°-Winkel entsteht. Verbinden Sie die beiden Platten mit Nägeln.
  5. Schritt: Hier wird das Dach auf die angeschrägten Dachstützen gesetzt und festgenagelt. Zum Schluss sollte das Dach noch mit Teerpappe bedeckt werden, damit es wasserdicht ist. Schon ist das Vogelfutterhaus fertig.
  6. Schritt: Dieser Schritt kann durchgeführt werden, muss aber nicht. Entscheiden Sie, ob es zu gefährlich ist, den Demenzerkrankten mit Lack arbeiten zu lassen. Sollte dies unter Aufsicht möglich sein, kann er das Vogelhaus mit Klar- oder Farblack gestalten.

Nun kann das Vogelfutterhaus aufgestellt oder an einem Baum befestigt und mit Futter befüllt werden. Platzieren Sie das Vogelhaus mit dem Betroffenen so, dass die Vögel von den Bewohnern gut beobachtet werden können.

 

Für die Frauen: Stellen Sie leckeres Vogelfutter her

Auch für demenzerkrankte Frauen können Sie das Thema aufgreifen. Hier können Sie z. B. unterschiedliches Vogelfutter herstellen. Wir stellen Ihnen 2 Varianten vor.

1. Vogelfutter-Muffins

  • 200 g Pflanzenfett
  • 200 g Vogelfuttergemisch oder
  • 200 g Sonnenblumenkerne, Rosinen, Erdnüsse, Haferflocken usw.
  • Muffinformen (bevorzugt Silikon, sonst Papiermuffinformen)
  • Schnur

So wird’s gemacht

Erhitzen Sie das Fett in einem Topf. Wenn es geschmolzen ist, wird das „Futter“ beigemischt. Danach werden die Formen befüllt. Sollen die Muffins aufgehängt werden, stecken Sie Schnüre in die Formen.

Stellen Sie nun die Formen in den Kühlschrank oder nach draußen ins Kalte, damit die Masse fest wird. Entfernen Sie danach die Muffins aus den Formen.

Nun können Sie die Muffins gemeinsam mit den Teilnehmerinnen aufhängen oder in das gebaute Vogelfutterhaus stellen und zusammen beobachten, wie sich die Vögel darauf „stürzen“.

Bestenfalls kommen Sie mit den Betroffenen noch über einzelne Vogelarten oder Erlebnisse ins Gespräch.

2. Vogelfutterrollen

  • 1 Paket Erdnussbutter
  • 1 Klopapierrolle
  • 1 Schnur
  • 1 Löffel
  • verschiedene Packungen Sonnblumenkerne, Haferflocken, Mais, Hirse usw. oder ein Paket Vogelfuttergemisch

So wird’s gemacht 


Die Betroffenen bestreichen zuerst die Klopapierrolle mit Erdnussbutter. Anschließend wird diese in dem Vogelfutter gewälzt. 
Zum Schluss wird eine Schnur durch die Rolle gesteckt und zusammengeknotet, damit die Rollen aufgehängt werden können.

 

Fazit: Ein Angebot für Alle

Durch diese Angebote schaffen Sie einen jahreszeitlichen Bezug, beschäftigen Männer und Frauen sinnvoll und haben mit den Menschen mit Demenz Freude daran, die Vögel zu beobachten.

Nein, Danke

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