Verlag & Akademie

Die Biografiekarte – kleiner Aufwand, große Wirkung

18.09.2017

Fast alle Einrichtungen führen mittlerweile eine ausführliche Biografiearbeit durch. Es werden Mengen von Daten über die Pflegekunden erhoben und sorgfältig dokumentiert. Was danach noch ausbaufähig ist, ist die Frage, wie diese Informationen in den Alltag gebracht werden. Wie erfahren sie alle an der Versorgung beteiligten Kollegen und wie werden sie im Alltag erlebbar?

Inhalt und Aufbereitung

Eine gute Methode, um mit den gesammelten Angaben der Biografie Ihres Pflegekunden im Alltag arbeiten zu können, sind die sogenannten Biografiekarten. Hier wird in ganz knapper Form der Bewohner auf maximal einer DIN-A5-Seite quasi vorgestellt. Es wäre sinnvoll, wenn die Herstellung dieser Karte Ihr verantwortlicher Kollege, der auch die Biografiearbeit durchführt, übernehmen würde.

Wie im abgedruckten Beispiel sollten die prägendsten Daten des Pflegekunden kurz und prägnant zusammengefasst werden. Achtung: Da beabsichtigt ist, über die Biorgafiekarte mit dem Pflegekunden in Kommunikation zu treten, sollten natürlich nur die positiven Ereignisse hier festgehalten werden.

Tipp: Achten Sie auf die äußere Form

Die Karte sollte in einer gut lesbaren Schrift in einer ausreichenden Größe aufbereitet werden, damit jeder Kollege die Karte im Vorbeigehen und ohne große Mühe lesen kann. Denn nach der Erstellung der Biografiekarte soll sie an der Wand neben dem Bett des Pflegekunden aufgehängt werden.

Der spezielle Nutzen

Ganz besonders sinnvoll sind Biografiekarten für Pflegekunden, die sich nicht mehr selbst äußern können. Die Kommunikation beschränkt sich irgendwann fast nur noch auf die Informationen über Pflegehandlungen. Hier ist eine gut sichtbare Biografiekarte neben dem Bett auch immer wieder eine Erinnerung und ein Anstoß, um Gesprächsthemen finden zu können. Dies gilt nicht nur für Kollegen, die schon lange an der Versorgung dieses Pflegekunden mitwirken. Auch für neue Kollegen können die aufbereiteten Informationen eine gute Hilfestellung sein. Denn sie helfen, eine 1. Kommunikationsgrundlage zu finden, und unterstützen die Ansprache des Pflegekunden. Mit fitten Pflegekunden, die sich noch selbst äußern können, können Sie absprechen, ob diese auch gerne eine Biografiekarte im Zimmer hätten.

Regelmäßige Überarbeitung

Gerade wenn Sie spezielle Vorlieben auf der Karte notieren, mit denen Sie auch im Pflegealltag arbeiten möchten, wie z. B. in Bezug auf Essen und Trinken, sollten Sie auch eine zumindest halbjährliche Überarbeitung planen. Denn gerade bei bettlägerigen Pflegekunden kann sich hier auch einmal etwas ändern. Im letzten Lebensabschnitt bleibt oft der süße Geschmackssinn bis zum Schluss erhalten, während alle deftigen Speisen eher widerlich werden. Nun denken Sie an Frau Sonnenschein. Laut ihrer Biografiekarte isst sie gerne deftige Hausmannskost und Fisch – Kollegen, die es besonders gut mir ihr meinen, werden ihr immer wieder diese Nahrung anbieten. Vielleicht ist sie nun aber in der Phase, in der sie nur noch süße Speisen als schmackhaft empfindet. Hier gilt es, sensibel zu agieren und auch ggf. Streichungen oder Ergänzung auf der Karte vorzunehmen.

Nötigen Überarbeitungen können Sie Raum geben, wenn Sie im Team dafür eine regelmäßige Absprache einplanen. Wie wäre es mit dem Tagesordnungspunkt „Ergänzungen Biografie“ im Rahmen Ihrer Teamsitzungen im Januar und August? Hier können Sie anhand des Übergabeprotokolls alle Ihre Pflegekunden durchgehen und besprechen.

Sensibler Umgang mit den Angaben von Angehörigen

Ähnlich verhält es sich bei Angaben, die der Pflegekunde gar nicht mehr selbst machen kann, die Ihnen die Angehörigen weitergeben. Außer Vorlieben und Abneigungen bei Speisen und Getränken betrifft dies insbesondere das Thema „Sinnesansprache“. Wenn Ihre Pflegekundin laut Angaben ihrer Kinder früher vielleicht den ganzen Tag das Radio als Hintergrundbeschallung angeschaltet hatte, heißt dies nicht zwingend, dass sie es nun, als bettlägeriger Mensch im letzten Lebensabschnitt, auch noch gerne hätte. Seien Sie hier sensibel und verlassen Sie sich auf Ihre Beobachtungsgabe. Immobile Menschen, die sich nicht mehr äußern können, können nicht mehr flüchten. Sie können, ja, müssen nur noch aushalten. Aushalten müssen sie verschiedene Gerüche, verschiedene Geräusche, verschiedene Blickrichtungen, die andere für sie bestimmen. Gehen Sie mit der Ansprache der Sinne ganz bewusst um und vermeiden Sie eine Reizüberflutung.

Beispiel einer Biografiekarte

Hallo, mein Name ist Hilde Sonnenschein. Ich bin 1928 geboren. Früher habe ich in einer Fabrik Leder für Handtaschen verarbeitet. Ich war mit Karl-Heinz verheiratet, der nun schon leider verstorben ist. Zusammen haben wir 4 Kinder, Alexander, Dennis, Sandra und Simone. Meine Hobbys waren Reisen (vor allem an den Gardasee) und der Gesangsverein „Harmonia“. Hier war ich über 40 Jahre Mitglied und habe dafür sogar die goldene Ehrenurkunde erhalten. Gern esse ich Fisch und alle Arten von Hausmannskost, am liebsten trinke ich Saftschorlen.

Fazit

Eine Biografiekarte soll ein Instrument sein, um die biografischen Informationen im Alltag erlebbar zu machen. Dies gelingt, wenn sie tatsächlich „lebendig“ ist, von allen Kollegen genutzt wird und immer wieder auch kritisch betrachtet wird. Wenn Ihnen und Ihrem Team das gelingt, sind Sie auf einem sehr guten Weg in der fachlichen Versorgung Ihrer Pflegekunden.

 

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