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Die Pflegestufen haben ausgedient

23.05.2016

Sagt Ihnen „NBA“ schon etwas? NBA steht für das „Neue Begutachtungsassessment“. Im Jahr 2017 sollen mit dem 2. Pflegestärkungsgesetz die bisherigen 3 Pflegestufen durch 5 Pflegegrade ersetzt werden. Das NBA ist dann sozusagen die neue Begutachtungsrichtlinie. Mit dem NBA wird auch der Begriff von Pflegebedürftigkeit überarbeitet.

 

 

Neu ist dann, dass es bei der Feststellung der Pflegebedürftigkeit keine Rolle mehr spielen wird, ob jemand körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigungen hat. Ermittelt wird dann der Grad der Selbstständigkeit und nicht mehr Minutenwerte, die jemand zur Pflege benötigt. Das wird auch die Begutachtungssituation entspannen.

 

Vor der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs wird er in 2 Modellprojekten erprobt:

  • In einem Modellprojekt – der „Praktikabilitätsstudie zur Einführung des Neuen Begutachtungsassessments“ – wird untersucht, ob sich das neue Begutachtungsverfahren in der Praxis bewährt.
  • In einem weiteren Modellprojekt zur „Evaluation des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) – Erfassung von Versorgungsaufwänden in stationären Einrichtungen“ wird untersucht, welche Leistungen mit welchem Zeitaufwand für die einzelnen Pflegebedürftigen erbracht werden. Außerdem wird ermittelt, wie die Pflegebedürftigen nach dem neuen System einzustufen wären. Daraus ergibt sich ein Bild, wie sich heutiger Pflegeaufwand und zukünftiger Pflegegrad in der stationären Pflege zueinander verhalten.

 

8 Module im NBA
In 8 Modulen wird der Grad der Selbstständigkeit bewertet. Die Module gleichen fast den Themenbereichen in der Strukturierten Informationssammlung (SIS) aus dem Projekt zur Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation.

1. Mobilität:
Fortbewegung über kurze Strecken und Lageveränderungen des Körpers, z. B. Positionswechsel im Bett, stabile Sitzposition halten, Aufstehen aus sitzender Position / umsetzen ...
Gewichtung der gesammelten Punktwerte in den Modulen: 10 %

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten:
Gedächtnis, Wahrnehmung, Denken, Urteilen, Kommunikation (geistige und verbale „Aktivitäten“), örtliche und zeitliche Orientierung, mehrschrittige Alltagshandlungen ausführen, Risiken und Gefahren erkennen ...
Gewichtung: 15 %

3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen:
Verhaltensweisen, die mit einer Selbstgefährdung oder mit der Gefährdung anderer verbunden sind oder andere Probleme mit sich bringen können, sowie psychische Probleme wie Ängstlichkeit, Panikattacken oder Wahnvorstellungen (Selbstständigkeit im Umgang mit inneren Handlungsimpulsen und Emotionen), motorische Verhaltensauffälligkeiten, nächtliche Unruhe, verbale Aggressionen ...

4. Selbstversorgung:
Körperpflege, An- und Auskleiden, Bereich Ernährung, Ausscheidungen
Gewichtung: 40 %

5. Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen und Belastungen:
Aktivitäten, die auf die Bewältigung von therapiebedingten Anforderungen und Belastungen infolge von Krankheit zielen, z. B. Medikamenteneinnahme, Wundversorgung, Umgang mit körpernahen Hilfsmitteln oder Durchführung zeitaufwendiger Therapien innerhalb und außerhalb der häuslichen Umgebung.
Gewichtung: 20 %

6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte:
Einteilung von Zeit, Einhaltung eines Rhythmus von Wachen und Schlafen, sinnvolle Beschäftigung, Pflege sozialer Beziehungen, den Tagesablauf gestalten und äußeren Veränderungen anpassen.
Gewichtung: 15 %

7. Außerhäusliche Aktivitäten:
Teilnahme an sozialen und im weitesten Sinne kulturellen Aktivitäten (einschließlich außer- häusliche Mobilität, z. B. Verlassen der Wohnung, Fortbewegung außerhalb der Wohnung ...)
Werden bei der Berechnung der Punktwerte zur Bestimmung des Pflegegrades nicht beachtet

8. Haushaltsführung:
Hauswirtschaftliche Tätigkeiten und Regelung der für die alltägliche Lebensführung notwendigen geschäftlichen Belange (Einkäufe tätigen, Nutzung von Dienstleistungen, Umgang mit Behörden, Geldangelegenheiten)
Hier werden bei der Berechnung der Punktwerte zur Bestimmung des Pflegegrades nicht beachtet.

 

So soll die Pflegebedürftigkeit künftig eingeschätzt werden:
Um ein umfassendes Bild über den Pflegebedürftigen zu bekommen, wird unter anderem der Grad der Selbstständigkeit anhand eines Punktwertes erfasst. Ob die Beeinträchtigungen aus Störungen motorischer Funktionen oder kognitiver Fähigkeiten resultieren, ist für die Einschätzung (mit Ausnahme des Moduls 1) nicht von Bedeutung.

Die Punktwerte für die 4 Grade der Selbstständigkeit ergeben sich wie folgt:

  • 0 Punkte = selbstständig
  • 
1 Punkt = überwiegend selbstständig
  • 2 Punkte = überwiegend unselbstständig
  • 3 Punkte = unselbstständig

Außerdem werden erfasst:

  • Risiken, die einen Präventionsbedarf begründen
  • die Rehabilitationsfähigkeit
  • der Status der Hilfsmittelversorgung
  • besondere Bedarfskonstellationen Weiterhin schätzt der Gutachter ein, ob Möglichkeiten der Verbesserung vorliegen, z. B. durch
  • die Optimierung therapeutischer Maßnahmen
  • die Optimierung der räumlichen Umgebung
  • Hilfsmitteleinsatz
Praxis Altenpflege