Verlag & Akademie

Expertenstandard: Das müssen Sie in puncto "Entlassungsmanagement in der Pflege" beachten

02.09.2019

Versorgungsansprüche bei der Entlassung bergen gesundheitliche Risiken und führen zu unnötigen Belastungen bei Patienten, Angehörigen und bei Ihnen. Mit einem frühzeitigen und systematischen Assessment können Sie dem vorbeugen. Dieser Beitrag sowie der Fragebogen am Ende des Artikels hilft Ihnen bei einem effektiven Entlassungsmanagement.

Präambel zum Expertenstandard "Entlassungsmanagement in der Pflege"

Versorgungsumbrüche manifestieren sich besonders beim Übergang vom stationären in den nachstationären Bereich. Sie führen zu unnötigen Leidbelastungen der Betroffenen und ihren Angehörigen, aber auch durch die damit oftmals verbundenen „Drehtüreffekte“ zur Verschwendung knapper Ressourcen im Gesundheitswesen. Deshalb richtet sich der vorliegende Expertenstandard primär an Pflegefachkräfte.

Im Original als Fußnote: Im Standard werden unter dem Begriff „Pflegefachkraft“ die Mitglieder der verschiedenen Pflegeberufe (Altenpfleger/ innen, Kinderkrankenschwester/-pfleger, und Krankenschwester/ -pfleger) mit und ohne Zusatzqualifikation für die Pflegeüberleitung angesprochen.

Angesprochen werden darüber hinaus selbstverständlich auch diejenigen Fachkräfte im Pflegedienst von stationären Einrichtungen, die über eine Hochschulqualifikation in einem Pflegebezogenen Studiengangn verfügen) in stationären Gesundheitseinrichtungen, das heißt in Krankenhäusern, Fach- und Rehabilitationskliniken. Eine Ausrichtung auf alle Bereiche einschließlich der stationären Altenpflegeeinrichtungen und ambulanter Pflegedienste hätte zur Folge gehabt, dass wegen der unterschiedlichen Zielsetzung und Voraussetzungen die Standardaussagen zu allgemein ausgefallen wären.

Der im Standard gewählte Patientenbegriff trägt dem Rechnung und bezieht sich auf Personen mit einem poststationären Pflege- und Versorgungsbedarf. In der Mehrzahl handelt es sich dabei um ältere Menschen sowie multimorbide Patienten mit meist chronischen Erkrankungen.

Im Original als Fußnote: Zur sprachlichen Vereinfachung und damit zur Verbesserung der Lesbarkeit, wird im Text lediglich die übliche Geschlechtsform verwendet. Das jeweilige Geschlecht ist ausdrücklich mit gemeint.

Die Angehörigen – gemeint sind die primären Bezugspersonen der Patienten, also auch solche, die nicht im gesetzlichen Sinne Verwandte sind – wurden ausdrücklich mit in die Standardformulierung aufgenommen. Damit wird zum einen ihrer Schlüsselrolle bei der Entlassung Rechnung getragen und zum anderen die selbstverantwortliche Rolle von Patienten und Angehörigen aufgezeigt. Voraussetzung für die Beteiligung der Angehörigen an der Entlassungsplanung ist selbstverständlich das Einverständnis der Patienten.

Mit der Broschüre „Expertenstandards einfach umsetzen“ haben Sie ein hilfreiches Instrument an Ihrer Seite, mit dem Sie zeitsparend die Expertenstandards erfolgreich in Ihren Pflegedienst einführen können. Zudem erhalten Sie in dieser Broschüre zu jedem Expertenstandard Muster-Verfahrensanweisungen. Hier erfahren Sie mehr >>

Zielsetzung des Expertenstandards

Der vorliegende Expertenstandard setzt einen Ausgangspunkt, systematisch aus pflegerischer Perspektive und dem Entstehen von Versorgungsbrüchen bei der Patientenentlassung durch eine gezielte Vorbereitung von Patienten und Angehörigen sowie durch einen besseren Informationsaustausch zwischen den am Entlassungsprozess Beteiligten entgegenzuwirken. Allerdings sind vor dem Hintergrund des fragmentierten Versorgungssystems dringend weitere einrichtungsübergreifende Regelungen zu treffen, um die Kooperation zwischen den verschiedenen Gesundheitseinrichtungen bei Patienten mit komplexem Versorgungsbedarf zu verbessern.

Entstehung des Expertenstandards "Entlassungsmanagement in der Pflege"

Der Expertenstandard basiert auf einer umfangreichen Literaturanalyse und der Praxisexpertise der Mitglieder der Expertengruppe. Schwerpunkte der Literaturanalyse waren vor allem die Suche nach inhaltlichen Aussagen in randomisierten Kontrollstudien mit hohem Evidenzgrad. Diese existieren vorwiegend im angloamerikanischen Raum und beziehen sich hauptsächlich auf Einzelaspekte der Entlassung, auf bestimmte Patientengruppen und auf das
Qualitätsniveau des Pflegepersonals. Die in Deutschland durchgeführten Untersuchungen konnten partiell auch berücksichtigt werden. Es handelt sich in der Regel um Evaluations- und Begleitstudien.

Anwendung des Expertenstandards

Grundsätzlich lässt sich der Expertenstandard in allen oben genannten stationären Gesundheitseinrichtungen anwenden. Er setzt jedoch voraus, dass von jeder Einrichtung, je nach Schwerpunktauftrag und behandelte Patientengruppen, organisationsbezogene Ausgestaltungs- und Verfahrensvereinbarungen getroffen werden. Diese beziehen sich vor allem auf die Zuständigkeitsbereiche der jeweiligen Berufsgruppe für einzelne Aufgabenfelder und die Auswahl geeigneter Assessment-Instrumente. Sie beziehen sich außerdem auf angemessene Formen der Dokumentation und Informationsübermittlung zwischen den beteiligten Einrichtungen und Berufsgruppen. Im Rahmen der Informationsweitergabe sind die übermittelten Daten auf ihre professionelle Handlungsrelevanz vor dem Hintergrund des Schutzes von persönlichen Daten zu überprüfen.

Der Expertenstandard regelt nicht das organisatorische Vorgehen des Entlassungsmanagements innerhalb der jeweiligen Einrichtung (Absprachen in direkter Form zwischen den Beteiligten oder Einsatz einer koordinierenden Vermittlungsinstanz). Er stellt vielmehr in Rechnung, dass viele Einrichtungen bereits über Ansätze einer systematischen Patientenentlassung verfügen, die sich mit Hilfe des Expertenstandards weiter optimieren lassen. Gleichwohl geht der Standard mit Bezug auf internationale Studien davon aus, dass im Entlassungsprozess die Pflegefachkraft aufgrund der Nähe zu Patienten und Angehörigen die entscheidende Koordinationsfunktion einnimmt. Das heißt jedoch nicht, dass sie alle Schritte des Entlassungsmanagements selbst durchgeführt. Ein gelungenes Entlassungsmanagement kann nur in multidisziplinärer Zusammenarbeit erreicht werden, in der auch die anderen Berufsgruppen, wie Medizin, Sozialarbeit, Physiotherapie, Ergotherapie und Psychologie ihren Anteil wahrnehmen.

Implementierung des Expertenstandards

Zur Implementierung des Standards bedarf es der gemeinsamen Anstrengung der leitenden Managementebene (Pflegemanagement und Betriebsleitung) und der Pflegefachkräfte sowie der Kooperationsbereitschaft der beteiligten Berufsgruppen. Die Managementebene trägt die Verantwortung für den Wissens- und Kompetenzerwerb zur Umsetzung des Standards. Hier sind insbesondere Fortbildungsbedarfe der Pflegenden im Bereich Assessment, Evaluation, Schulung und Beratung zu erwähnen. Abschließend ist hervorzuheben, dass eine Vermeidung von Versorgungsbrüchen nur im Rahmen einer erfolgreichen Zusammenarbeit aller Beteiligte zu erreichen ist.

Expertenstandards in der Pflege

Expertenstandard Entlastungsmanagement in der Pflege

Deutsches Netzwerk für Qualitätssicherung in der Pflege (DNQP)

Standardaussage: Jeder Patient mit einem poststationären Pflege- und Unterstützungsbedarf erhält ein individuelles Entlassungsmanagement zur Sicherung einer Kontinuierlichen bedarfsgerechten Versorgung.

Begründung: Versorgungsbrüche bei der Entlassung bergen gesundheitliche Risiken und führen zu unnötiger Belastung von Patienten und ihren Angehörigen sowie zu hohen Folgekosten. Mit einem frühzeitigen uns systematischen Assessment sowie Beratungs-, Schulungs- und Koordinationsleistungen und abschließender Evaluation trägt die Pflegefachkraft dazu bei, Versorgungskontinuität herzustellen.

StrukturProzessErgebnis
Die Einrichtung
S1a: verfügt über eine schriftliche Verfahrensregelung für ein multidisziplinäres Entlassungsmanagement. Sie stellt sicher, dass die für ihre Patientengruppe erforderlichen Einschätzungskriterien, Assesment- und Evaluationsinstrumente vorliegen.
Die Pflegefachkraft
P1a: führt mit allen Patienten und ihren Angehörigen innerhalb von 24 Stunden nach der Aufnahme eine erste Kriteriengeeignete Einschätzung des zu erwartenden Unterstützungsbedarfs durch. Diese Einschätzung wird bei Veränderung des Krankheits- und Versorgungsverlaufs aktualisiert.
E1: Eine aktuelle, systematische Einschätzung des erwartbaren poststationären Unterstützungs- und Versorgungsbedarfs liegt vor.
Die Pflegefachkraft
S1b: beherrscht die Auswahl und Anwendung von Intrumenten zur Einschätzung des erwartbaren Versorgungs- und Unterstützungsbedarfs nach der Entlassung.
P1b: nimmt bei erwartbarem poststationären Unterstützungsbedarf ein differenziertes Assesment mit den Patienten und seinen Angehörigen mittels eines geeigneten Instruments vor.
S1b: verfügt über Planungs- und Steuerungswissen in Bezug auf das EntlassungsmanagementP2: entwickelt in Abstimmung mit dem Patienten und seinen Angehörigen sowie den beteiligten Berufsgruppen unmittelbar im Anschluss an das differenzierte Assesment eine individuelle Entlassungsplanung.E2: Eine individuelle Entlassungsplanung liegt vor, aus der Handlungserfordernisse zur Sicherstellung einer bedarfsgerechten poststationären Versorgung hervorheben.

Fragebogen: Entlassungsmanagement in der Pflege

Der folgende Fragebogen dient zur Analyse der derzeitigen Pflegequalität und begleitet die Umsetzung des Expertenstandards zum Entlassungsmanagement in der Pflege.

 Strukturqualität (S)JaNeinBemerkungen
S1a Gibt es eine schriftliche Verfahrensregelung für ein fachübergreifendes Entlassungsmanagement?
S1b Sind darin Einschätzungskriterien vorhanden?
S1c Sind darin Assesmentinstrumente vorhanden?
S1d Sind darin Überprüfungsinstrumente vorhanden?
S2 Verfügen Sie über Planungs- und Steuerungswissen in Bezug auf die Entlassung?
S3a Verfügen Sie über die Möglichkeit, Bewohner und Angehörige in Bezug auf den poststationären Pflegebedarf zu beraten?
S3b Verfügen Sie über die Möglichkeit, Bewohner und Angehörige in Bezug auf den poststationären Pflegebedarf zu schulen?
S4 Verfügen Sie über die Möglichkeit, weitere Berufsgruppen in Bezug auf den poststationären Pflegebedarf zu koordinieren?
S5 Gibt es einen Beurteilungsbogen über den individuellen Pflegebedarf bei der Entlassungsplanung?
S6 Gibt es Möglichkeiten, die Entlassung nach der Durchführung zu überprüfen?
 Prozessqualität (P)JaNeinBemerkungen
P1a Führen Sie mit allen Patienten und deren Angehörigen innerhalb von 24 Stunden nach der Aufnahme eine erste Kriteriengeleitete Einschätzung des zu erwartenden Unterstützungsbedarfs durch?
P1b Bearbeiten Sie diese ersten Einschätzungen im Verlauf des Aufenthaltes in Ihrer Einrichtung?
P2a Planen Sie mit dem Betroffenen die Entlassung gemeinsam?
P2b Planen Sie mit den Angehörigen die Entlassung gemeinsam?
P3a Beraten Sie den Betroffenen zur Entlassungsstrategie?
P3b Beraten Sie die Angehörigen des Betroffenen zur Entlassungsstrategie?
P3c Schulen Sie den Betroffenen nach der Entlassung zu anstehenden Pflegemaßnahmen?
P4a Stimmen Sie den voraussichtlichen Entlassungstermin mit allen an der Entlassung beteiligten Berufsgruppen und Einrichtungen ab?
P4b Bieten Sie der weiterbetreuenden Einrichtung oder dem Pflegedienst eine Pflegeübergabe unter Einbeziehung des Betroffenen und den Angehörigen an?
P5a Sprechen Sie mindestens 24 Stunden vor der Entlassung alle Vorgänge und Aspekte der Entlassung noch einmal durch?
P5b Sollten sich Änderungen ergeben haben, leiten Sie dann sofort Änderungen ein?
P6a Nehmen Sie nach der Entlassung innerhalb von 48 Stunden Kontakt mit dem Betroffenen auf?
P6b Nehmen Sie nach der Entlassung innerhalb von 48 Stunden Kontakt mit den Angehörigen auf?
P6c Nehmen Sie innerhalb von 48 Stunden Kontakt zu der weiterversorgenden Einrichtung oder dem Pflegedienst auf?
P6d Prüfen Sie die Umsetzung der vorher geplanten Entlassungsplanung?
Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Qualitäts-Management aktuell

1 x in der Woche finden Sie in unserem kostenlosen E-Mail-Newsletter PPM Qualitäts-Management aktuelle Tipps zur Qualitätssteigerung.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Palliativpflege heute

News und Praxistipps für eine professionelle Palliativpflege – speziell für Pflegekräfte in stationären und ambulanten Einrichtungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Menschen mit Demenz professionell pflegen

Wichtige Informationen zum Thema Pflege und Betreuung bei Demenz. So bewältigen Sie als Pflegefachkraft die speziellen Herausforderungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Nein, Danke

Nie mehr den Überblick verlieren!

Holen Sie sich Hilfe für Ihre stationäre Pflege!

In nur 15 Minuten über das Wichtigste informiert sein.

  • Pflegekokumentation
  • Mitarbeiterführung
  • Haftungsrecht
  • Nein, Danke

    Nein, Danke