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Expertenstandards: So setzen Sie die aktuellen Standards in der Tagespflegepraxis um

18.09.2019

Wir kommen auch in der Tagespflege nicht drum herum: Die Anwendung der aktuellen Expertenstandards in der Pflege ist eine Pflichtübung , deren Umsetzung auch vom MDK im Rahmen der Überprüfung der Strukturqualität kontrolliert wird. Oftmals tun wir uns aber gerade in der Tagespflege schwer mit der Implementierung.

Viele Standards scheinen nicht wirklich zu passen. Die dazu erhältliche Literatur bezieht sich meist auf die stationäre Pflege. In diesem Artikel wollen wir uns daher mit den Expertenstandards besonders unter dem Blickwinkel der Tagespflegen beschäftigen.

MDK prüft Umsetzung der Expertenstandards in Tagespflegen

Expertenstandards bestimmen nach einer Definition der WHO ein professionell abgestimmtes Leistungsniveau der Pflege, das den Bedürfnissen der zu versorgenden Bevölkerung entspricht (z. B. Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“). Die Messbarkeit der Wirkung von Standards wird durch Kriterien der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität bestimmt.

Auch wenn die Expertenstandards des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) derzeit noch keine direkte Verbindlichkeit für die Pflegekräfte und Pflegeeinrichtungen entfalten, können die Expertenstandards als „vorweggenommene Sachverständigengutachten“ gewertet werden, die bei juristischen Auseinandersetzungen als Maßstab zur Beurteilung des aktuellen Standes der medizinisch-pflegewissenschaftlichen Erkenntnisse herangezogen werden. Bereits bei mehreren Bundessozialgerichtsurteilen wurde z. B. auf den Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe Bezug genommen (BSG-Urteile vom 24.09.2002, Az.: B 3 KR 9/02 R und Az.: B 3 KR 15/02 R).

Daneben ist die Anwendung von Expertenstandards auch im Pflege-Neuausrichtungsgesetz und in den Transparenzkriterien verankert und wird in jeder Prüfung durch den MDK im Rahmen der Strukturqualität als Mindestkriterium und in der Ergebnisqualität zum Teil auch als Transparenzkriterium einbezogen. Aus diesem Grund ist es für alle Tagespflegen wichtig, die Expertenstandards zu berücksichtigen und effektiv umzusetzen.

So prüft der MDK

Im Rahmen der Überprüfung Ihrer Strukturqualität in der Tagespflege werden die MDK-Prüfer anhand von 2 zufällig ausgewählten Expertenstandards feststellen, ob in Ihrer Tagespflege die relevanten Aussagen der Expertenstandards des DNQP im Rahmen des Qualitätsmanagements berücksichtigt oder konkrete Maßnahmen geplant sind.

An dieser Stelle der Prüfung werden vom MDK folgende Expertenstandards überprüft:

  1. Dekubitusprophylaxe
  2. Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten Schmerzen
  3. Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen
  4. Sturzprophylaxe
  5. Förderung der Harnkontinenz
  6. Chronische Wunden
  7. Ernährungsmanagement

In der Konkretisierung der Prüfanleitung stationär des MDK für die Tagespflege stellt sich der entsprechende Prüfpunkt so dar:

Setzt die stationäre Pflegeeinrichtung die folgenden zwei per Zufallsauswahl ausgewählten Expertenstandards um?

  • Dekubitusprophylaxe?
  • Pflegerisches Schmerzmanagement - Akutschmerz?
  • Pflegerisches Schmerzmanagement - chronischer Schmerz?
  • Sturzprophylaxe?
  • Kontinenzförderung?
  • Chronische Wunden?
  • Ernährungsmanagement?

Erläuterung zur gesamten Prüffrage 5.2:

Mit dieser Frage wird die Einrichtung vor Ort in ihrer Professionalität gestärkt. In die Prüfung werden exemplarisch zwei der o. a. Expertenstandards einbezogen. Die Auswahl der in die Prüfung einzubeziehenden Expertenstandards erfolgt durch den Prüfer nach dem Zufallsprinzip. Die nicht einbezogenen Expertenstandards werden mit „nicht geprüft“ gekennzeichnet.

In diesen Fällen müssen Sie die Expertenstandards anwenden

Expertenstandards müssen Sie bei Ihren Gästen immer dann anwenden, wenn ein etwaiges Risiko nicht auszuschließen ist. Hat Ihr Gast z. B. eine chronische Wunde, so müssen Sie den Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ umsetzen. Sehr häufig sind Gäste auch mit Schmerzpflastern oder einer anderen dauerhaften Schmerzmedikation versorgt. Hier müssen Sie dann den Expertenstandard zum Management bei chronischen Schmerzen umsetzen. Auch bei allen anderen Expertenstandards müssen Sie in jedem Fall auftretende Risiken erkennen und ggf. Maßnahmen treffen.

Umsetzung in die Praxis macht oft Schwierigkeiten

Wie Sie wissen, sind die bisher veröffentlichten Expertenstandards sehr theoretisch gehalten und müssen daher vor der Implementierung an Ihre Tagespflege angepasst werden. Sie können die Anpassung und Steuerung der Umsetzung als zusätzliche Aufgabe in Ihren Qualitätszirkel geben und müssen diese nicht zwingend als PDL selbst erledigen. Um Ihnen die Umsetzung der Expertenstandards zu erleichtern, finden Sie in der unten stehenden Übersicht eine ausführliche Anleitung in 13 Schritten.

Muster: Zielformulierung bei der Umsetzung des Expertenstandards „Sturzprophylaxe“

Unsere Sturzprophylaxe ist erfolgreich, wenn durch geeignete Maßnahmen zur Sturzprävention die Sturzhäufigkeit sowie die Sturzfolgen bei unseren Gästen so gering wie möglich gehalten werden. Ziel all unseres Handelns ist es somit, eine sichere Mobilität unserer Gäste durch eine rechtzeitige Einschätzung der individuellen Risikofaktoren sowie Information und Beratung von unseren Gästen und ihren Angehörigen sowie eine gemeinsame Maßnahmenplanung und Durchführung zu fördern.

Großen Wert legen wir in diesem Zusammenhang darauf, dass allen an der Pflege und Betreuung Beteiligten das Sturzrisiko unseres Gastes sowie die jeweils notwendigen und geplanten Maßnahmen zur Sturzprophylaxe bekannt sind und dass jeder eventuelle Sturz dokumentiert und analysiert wird. Jegliche Form freiheitseinschränkender Maßnahmen zum Zweck der Sturzprophylaxe lehnen wir ab.

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