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Die Gesundheitsfördernde Wirkung von Licht bei Demenzpatienten

11.09.2020

Nicht nur Pflanzen brauchen Licht. Auch auf Menschen hat Licht eine positive Wirkung. Wahrscheinlich kennen Sie auch das Gefühl, dass bei Sonnenschein die eigene Stimmung steigt, Dinge leichter fallen und insgesamt eine fröhlichere Stimmung entsteht als an dunklen und grauen Tagen. Manchen Menschen macht die Wetterlage in den Wintermonaten mit weniger Licht so zu schaffen, dass sie sogar ständig in eine getrübte Stimmung verfallen.

Ursache ist zum einen die gesteigerte Produktion von Melatonin, dem sogenannten Schlafhormon, am Tage aufgrund des Lichtmangels. Menschen brauchen Melatonin am Abend, um gut einschlafen zu können. Wird Melatonin auch am Tage produziert, führt dies zu Müdigkeit. Zum anderen verringert sich durch die mangelnde Lichteinstrahlung der Glücksbotenstoff Serotonin. Dies schlägt sich auf die Stimmung nieder. Es wird schwerer, in einen aktiven Tagesrhythmus zu kommen. Ein weiterer positiver Effekt von Licht ist die Produktion von Vitamin D, die durch das Sonnenlicht angeregt wird. Dies ist ein wichtiges Hormon für die Knochenstabilität von Menschen.

Licht und Demenz – Erfahrungen in der Altenpflege

Die gesundheitsfördernde Wirkung von Licht auf den Menschen ist in der Forschung schon lange bekannt. Eine künstliche Lichtquelle sollte mindestens 10.000 Lux haben, um das Sonnenlicht in geschlossenen Räumen gut zu imitieren. Aus dieser Erkenntnis heraus wurden in vielen Pflegeeinrichtungen Tageslichtlampen installiert, die auch am Abend leuchteten.

Doch schnell erkannte man, dass die ständige hohe Beleuchtungsintensität die innere Uhr der Bewohner noch mehr aus dem Gleichgewicht brachte. Denn damit sich Menschen auf einen gesunden Tag-Nacht-Rhythmus synchronisieren können, bedarf es dem Tagesablauf angepasster Lichtquellen. Dieser tageslichtgesteuerte biologische Rhythmus wird auch als „circadianer Rhythmus“ bezeichnet.

Richtige Lichtquellen in der eigenen Häuslichkeit

Auch in der Häuslichkeit der Menschen mit Demenz gibt es Möglichkeiten, über das Licht einen Tagesablauf zu simulieren, der dem natürlichen Verlauf der Sonne entspricht. So kann die innere Chronobiologie in einen biologischen Rhythmus gebracht werden. Dies fördert die Orientierung und das Wohlbefinden. Räume sollten daher tagsüber gut ausgeleuchtet sein, um auch für den Menschen mit Demenz eine zeitliche Orientierung zu bieten. Zum Schlafen sollte es im Raum dunkel sein.

Natürliche „Lichtduschen“

Dies können Sie Angehörigen von Menschen mit Demenz empfehlen:

  • Natürliches Sonnenlicht ist die beste Lichtquelle.
  • Gehen Sie so oft wie möglich mit dem Erkrankten an die frische Luft. Auch wenn der Himmel bewölkt ist, gibt die Sonne noch viel Licht ab.
  • Auch an einem offenen Fenster oder auf dem Balkon kann die Sonne genossen werden.
  • Im Sommer ist der Sonnenschein im Schatten ausreichend, um seine positive Wirkung zu entfalten.

Künstliche „Lichtduschen“

Es muss nicht immer die Lichttherapie bei dem behandelnden Arzt sein. Es gibt mittlerweile gute Tageslichtlampen für die eigene Häuslichkeit. Die Lampen sollten mindestens 10.000 Lux stark leuchten. Dies entspricht der Intensität des Sonnenlichtes an einem hellen Tag. Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt ab, ob für Ihren Patienten eine Lichttherapie zuhause geeignet ist, und besprechen Sie die korrekte Intensität der täglichen Lichtdusche.

Für die meisten Menschen ist eine Lichtdusche am Morgen für zirka 20 Minuten ausreichend, um das Wohlbefinden zu fördern. Dafür sollte die Person nah an der Lampe sitzen und immer mal wieder in das Licht schauen. Aber auch wenn der Mensch mit Demenz nicht sitzen möchte, ist ein gut ausgeleuchteter Raum ein wichtiges Signal, um die innere Uhr auf den Tag zu synchronisieren und die Aktivität zu fördern.

Hinweis: Eine Lichtdusche sollte nicht in den Abendstunden erfolgen. Denn sonst gerät der Biorhythmus durcheinander und das schlaffördernde Hormon Melatonin wird nicht genügend produziert.

Individuelle Lichtanpassung

Tagsüber ist es sinnvoll, dass das Licht dem natürlichen Verlauf der Sonne angepasst wird. Es gibt sogenannte circadiane Lampen, die im Tagesverlauf automatisch ihre Helligkeit verändern. Diesen Effekt können Sie aber auch mit dimmbaren Lampen selbst gestalten, oder Sie benutzen unterschiedliche Lampen, die Sie individuell anpassen können.

Nachts sollte der Raum für das Schlafen abgedunkelt werden. Dies schafft zusätzlich Orientierung für den Menschen mit Demenz. Sicherheit können Lichtquellen mit Bewegungsmeldern geben, sodass der Erkrankte z. B. beim Gang zur Toilette die Orientierung behält.

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