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Gewalt in der Pflege – das können Sie tun

20.01.2016

Woran denken Sie, wenn Sie das Stichwort „Gewalt in der Pflege“ hören? Den meisten Menschen fallen da oft schlimme Pressemeldungen über misshandelte und gefesselte Bewohner ein. Aber Gewalt in Pflegeeinrichtungen hat viele Gesichter, ist oft subtil und kann von allen Beteiligten ausgehen.

Gewalt erzeugt Gegengewalt - auch in der Pflege

Stellen Sie sich folgende Szene vor: Beim Mittagessen im Speiseraum einer Seniorenvilla sitzt der leicht demente Herr Baumann am Tisch. Er sieht die ganzen Utensilien auf dem Tisch liegen, Messer, Gabel, Tischdeko, Salzstreuer, und kann sich nicht erinnern, was er wie benutzen muss. Plötzlich steht er auf und fegt mit einer wütenden Bewegung sein Mittagessen vom Tisch. Lautstark beschimpft er alle um sich herum: „Guck nicht so blöd!“ „Hier sind ja nur Idioten, die nicht kochen können!“ Und: „Früher wäre ich ganz anders mit euch umgegangen!“ In der Übergabe schildert eine Pflegekraft den Vorfall kurz und meint, es wäre ja nichts passiert und „Herr Baumann spinnt heute eben ein bisschen“.

Doch der „kleine“ Ausbruch von Herrn Baumann hat viel tiefergehende Folgen:

  • Die Damen am Nebentisch sprechen so 
lange nicht mit Herrn Baumann, bis er sich entschuldigt hat. Sie grüßen ihn seit Wochen nicht mehr. Er kann die Situation nicht begreifen und ist mal traurig und mal wütend, dass er so ignoriert wird.
  • Eine Dame hat seitdem furchtbare Angst vor Herrn Baumann. Sie hat in ihrer Kindheit schlimme Erfahrungen mit aufbrausenden Männern gemacht, die jetzt wieder hochkochen.
  • Die anwesende Hauswirtschaftskraft weiß zwar, dass sie derartige Aussagen nicht persönlich nehmen darf. Dennoch nagt es an ihr, besonders weil das Thema in der Übergabe mit „Es ist ja nichts passiert“ abgeschlossen ist. Aber sie bedient Herrn Baumann nicht mehr so freundlich wie früher.

Unbearbeitete Gewalt erzeugt auf Dauer ein Klima der Angst in Ihrer Einrichtung. Oft ist es nicht greifbar und wird mit einer schlechten Atmosphäre beschrieben, die man so gar nicht in Worte fassen kann. Daher ist es für jede Einrichtung wichtig, im Sinne eines Risikomanagements hier entgegenzuwirken.

 

Erkennen Sie die Quelle der Gewalt

Dr. Udo Baer, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Gerontopsychiatrie, spricht von unterschiedlichen Quellen der Gewalt. Hier gilt es, den Ursprung der Gewalt herauszufinden, um individuell vorzubeugen. Welche Quelle der Gewalt würden Sie Herrn Baumann aus dem Beispiel zuordnen?

1. Demenzielle Erkrankungen als Quelle von Gewalt


Der Klassiker hier ist folgende Situation: Die Pflegekraft betritt die Wohnung oder das Zimmer eines dementen Pflegekunden. Die Begrüßung fällt ganz freundlich aus. Als die Pflegekraft mit der Körperpflege beginnen möchte, fängt der Pflegekunde an, sie zu be- schimpfen. Die Pflegekraft versucht, den Pflegekunden zur Körperpflege zu überreden, und schließlich wird er handgreiflich.

2. Hilflosigkeit und Überforderung

Stellen Sie sich vor: Eigentlich waren Sie immer gesund, selbstständig. In letzter Zeit aber kommt alles Schlag auf Schlag: Apoplex, Reha und dann Pflegeheim. Selbst kleinste Tätigkeiten wie das Blumengießen kosten unendlich viel Kraft. Im Pflegeheim essen Sie seit Wochen nur mit Käse oder Wurst belegte Brote, weil das Verteilen von Leberwurst und Marmelade auf dem Brot so schwierig geworden ist – und jedes Mal um Hilfe bitten möchten Sie auch nicht. Dann rutscht beim Abendbrot plötzlich der Käse vom Brot, und Ihre gesammelte Wut entlädt sich auf alle, die gerade anwesend sind.

3. Retraumatisierungs-Notwehr

Können Sie folgende Situation nachvollziehen? Frau Blumental hat gerade das Licht gelöscht und ist eingedöst. Im Halbschlaf hört sie vom Flur kräftige Männerschritte. Eine ähnliche Situation hat sie als junges Mädchen erlebt. Damals versteckte sie sich in einem dunklen Wandschrank in der Hoffnung, die russischen Soldaten würden sie nicht finden. Sie fanden sie doch und missbrauchten sie schwer. Als kurze Zeit später die Nachtwache, ein Pfleger mit ostdeutschem Akzent, nach ihr sieht, gerät sie in Panik, schreit und schlägt um sich. Die 3 Auslöser, schwere Schritte in der Dunkelheit und Stimmen mit ostdeutschem Akzent, versetzen Frau Blumental in die Vergangenheit.

4. Verrohtes Täterverhalten

Ein Pflegekunde verwickelt bevorzugt junge Pflegeschülerinnen während der Grundpflege immer wieder in anzügliche Gespräche und verlangt dabei ausgiebige Unterstützung bei der Intimpflege. Den Schülerinnen ist das unangenehm. Sie stellen ihn zur Rede und drohen auch damit, die PDL und die Angehörigen zu informieren. Er lacht die Schülerinnen nur aus und sagt, die Vorwürfe würde ihnen sowieso keiner glauben. Dieser Mann erniedrigt andere, möchte seine Macht über sie demonstrieren. Solche Menschen gibt es, und sie werden auch im Alter keine besseren Menschen.

Das können Sie als Qualitätsbeauftragte tun

Der 1. Schritt für Sie als Qualitätsbeauftragte ist es, Gewalt in der Pflege überhaupt zum Thema zu machen. Warten Sie nicht, bis Sie in Ihrer Einrichtung einen Anlass dazu haben, sondern sprechen Sie das Thema im nächsten Qualitätszirkel an. Anhand der Reaktionen bekommen Sie schnell ein Gefühl dafür, ob das Thema angenommen wird und der Bedarf nach Vertiefung da ist.

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