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Das sind die Inhalte der Verordnung über die palliative Versorgungsplanung

27.07.2018

Das Hospiz- und Palliativgesetz ist schon seit Ende 2015 gültig. Die palliative Versorgung ist hierdurch stärker in den Bereich der Pflegeversicherung und somit auch offiziell stärker in Ihren Aufgabenbereich gerückt.

Bestimmt stand die fachliche und menschliche Begleitung von sterbenden Bewohnern auch schon vorher für Sie als PDL sowie für Ihre Wohnbereichsleitungen im Fokus Ihres Handelns. Seit 2015 ist dies nun auch offiziell Ihr Auftrag. So müssen Sie seitdem etwa Ihre Kooperationsvereinbarungen und die Zusammenarbeit mit Palliativärzten, SAPV-Verbänden und ehrenamtlichen Hospizvereinbarungen bei der Veröffentlichung Ihres Transparenzberichtes angeben.

Im Gesetz wurde auch festgelegt, dass Ihre Einrichtung Ihren Bewohnern eine Versorgungsplanung zur Betreuung in der letzten Lebensphase anbieten und dies abrechnen kann. Lange gab es hierzu jedoch keine entsprechende Regelung. Und so haben sich viele PDLs und WBLs gesagt: „Na prima, jetzt sollen wir das auch noch machen! Am Ende bezahlt uns das bestimmt keiner.“ Möglicherweise haben Sie sich auch darüber geärgert, dass es hierzu lange keine Regelung gab.

Das sind die Antworten auf die 11 wichtigsten Fragen

Doch nun ist die Unsicherheit vorbei. Die Vereinbarung über die gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase gemäß § 132g Fünftes Sozialgesetzbuch (SGB V) zwischen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und den Trägervertretungen der Einrichtungen ist am 01.01.2018 in Kraft getreten. Im Folgenden finden Sie die Antworten auf die 11 dringendsten Fragen.

1. Was ist das Ziel der Vereinbarung?

Die gesundheitliche Versorgungsplanung ist ein freiwilliges Angebot. Es soll Ihrem Bewohner ermöglichen, seine letzte Lebensphase selbstbestimmt zu gestalten. Er soll über Behandlungs-, Versorgungs- und Pflegemaßnahmen entscheiden können. Dies bedeutet vor allem, dass er hierüber informiert ist.

Die Beratung soll ihm helfen, seine Wünsche zu äußern und ihm Möglichkeiten aufzeigen, wie diese erfüllt werden können. Es geht darum, dass Ihr Bewohner sich gedanklich auf sein eigenes Lebensende vorbereitet und hierdurch im Fall des Falles nach den eigenen Bedürfnissen medizinisch behandelt und psychosozial sowie spirituell betreut wird.

2. Wer hat Anspruch auf die Leistungen?

Generell haben diejenigen Ihrer Bewohner einen Anspruch, die bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass Sie die Versorgungsplanung nach den Vorgaben der Vereinbarung anbieten.

Da sich die individuellen Vorstellungen und Wünsche Ihres Bewohners verändern können, kann das Angebot mehrfach in Anspruch genommen werden. Die privaten Krankenkassen müssen diese Leistung nicht erbringen. Falls ein privat versicherter Bewohner eine gesundheitliche Versorgungplanung wünscht, raten Sie immer dazu, die Frage der Kostenerstattung im Vorfeld mit dem zuständigen Kostenträger (Versicherung, Beihilfe) zu klären.

3. Was beinhaltet die Versorgungsplanung?

Zuallererst geht es um einen individuellen Beratungsprozess. Dieser kann Beratungsgespräche, Fallbesprechungen und die Unterstützung bei der Dokumentation von Willensäußerungen, z. B. beim Verfassen einer Patientenverfügung, betreffen.

4. Welche Qualifikation benötigt der Berater?

Um die Leistungen abrechnen zu können, muss die beratende Fachkraft eine abgeschlossene Berufsausbildung als Pflegefachkraft, Heilerziehungspfleger oder Erzieher haben bzw. einen Studienabschluss im pflegerischen, medizinischen oder sozialen Bereich. Sie muss innerhalb der letzten 8 Jahre mindestens insgesamt 3 Jahre in einer Pflegeeinrichtung, einem Pflegedienst oder in einem Hospizdienst/Hospiz gearbeitet haben. Hinzu kommt die persönliche Eignung, d. h., sie sollte empathisch, selbstreflektiert, respektvoll und kommunikativ sein.

Zusätzlich ist eine Weiterbildung zum Berater der gesundheitlichen Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase gemäß § 132g SGB V erforderlich.

Das umfasst die Ausbildung

Die Weiterbildung gliedert sich in 2 Teile. Sie umfasst im 1. Teil mindestens 48 Unterrichtseinheiten theoretischen Unterricht (mit Diskussionen, Rollenspielen, Intensivtraining in Kleingruppen) und 12 Unterrichtseinheiten, bestehend aus: 2 Beratungsprozessen mit insgesamt 4 begleiteten Gesprächen des angehenden Beraters unter Begleitung eines Dozenten mit anschließender Reflexion einschließlich der Vor- und Nachbereitung und Dokumentation.

Nach erfolgreichem Abschluss des 1. Teils der Weiterbildung und einem entsprechenden Nachweis gegenüber der Krankenkasse sind die Berater berechtigt, Leistungen der gesundheitlichen auf Kosten der Krankenkassen zu erbringen Der 2. Teil der Weiterbildung dient der Sammlung weiterer Praxiserfahrung. Er umfasst die Durchführung von mindestens 7 Beratungsprozessen innerhalb eines Jahres.

Nach erfolgreichem Abschluss des 2. Teils erhält der Berater ein Zertifikat, das Sie den Landesverbänden der Krankenkassen vorlegen müssen.

5. Was beinhaltet ein Beratungsgespräch?

Teilnehmer sind der Bewohner und ggf. der gesetzliche Vertreter (Betreuer, Bevollmächtigter). Auf Wunsch Ihres Bewohners können auch Angehörige mit einbezogen werden. Zunächst klärt der Berater die Ziele des Bewohners und erläutert das weitere Vorgehen.

Beispiel: Herr Mayer möchte keine lebensverlängernden Maßnahmen und will diesen Wunsch unmissverständlich in einer Patientenverfügung klären. Der Berater erklärt, dass im weiteren Prozess die verschiedenen Aspekte beleuchtet werden, die hiermit zusammenhängen. So sollte etwa geklärt werden, ob dies immer oder nur für bestimmte Erkrankungen gelten soll. Ebenso ist es wichtig, dass der Bewohner darüber entscheidet, welche Maßnahmen konkret erfolgen sollen und welche nicht.

Inhalt der Beratungsgespräche sind auch die Grundhaltung und Werte des Bewohners. Dies beinhaltet etwa das Durchsprechen verschiedener möglicher Notfallsituationen, die am Lebensende eintreten können (z. B. Bewusstlosigkeit, Atemnot, Herzstillstand, anhaltender Zustand der fehlenden Fähigkeit zur Äußerung des eigenen Willens). Ebenso sollte der zuständige Mitarbeiter die Möglichkeiten der palliativen Versorgung und Sterbebegleitung erläutern, auch im Hinblick auf Kooperationen, z. B. mit der regionalen Hospiz- und Palliativversorgung.

Wichtig: Wenn sich die Wünsche des Bewohners verändern, soll der zuständige Berater eingebunden werden. Dieser kann bei Bedarf einen erneuten Beratungsprozess anstoßen. z. B. mit der regionalen Hospiz- und Palliativversorgung.

6. Welche Rahmenbedingungen müssen Sie bei der Versorgungsplanung berücksichtigen?

Sie müssen den behandelnden Arzt mit einbeziehen, und zwar in dem Umfang, den der Bewohner wünscht. Dies kann von der Mitteilung über die Inanspruchnahme des Angebotes bis hin zur Beteiligung an der Planung reichen. Falls der Bewohner im Rahmen der Beratung eine Patientenverfügung verfassen möchte, sollen Beratung und Unterschrift nicht in einem Termin erfolgen. Ihr Bewohner soll die Möglichkeit haben, die von ihm getroffenen Verfügungen zu überdenken.

7. Wann soll eine Fallbesprechung einberufen werden?

Innerhalb des Beratungsgesprächs wird geklärt, ob eine Fallbesprechung notwendig ist. Hieran nimmt neben dem Bewohner selbst und der beratenden Person in jedem Fall der behandelnde Arzt teil. Sie sprechen zusätzlich mit dem Bewohner ab, ob Pflegekräfte, Angehörige, Bevollmächtigte oder weitere Vertraute an der Besprechung teilnehmen.

Dieser Austausch dient dazu, medizinisch- pflegerische Abläufe mit Blick auf die letzte Lebens- und die Sterbephase zu besprechen. Die individuellen Bedürfnisse und Wünsche Ihres Bewohners sind hierbei ausschlaggebend.

8. Was müssen Sie dokumentieren?

Sie müssen den Beratungsprozess dokumentieren. Die Inhalte des Prozesses bleiben vertraulich zwischen der beratenden Person und dem Bewohner. Diese können vereinbaren, dass weitere Personen, etwa die Pflegekräfte des Wohnbereichs, die Angehörigen und der Hausarzt, über die Inhalte informiert werden bzw. eine Kopie der Dokumentation erhalten.

Eine separat erstellte Patientenverfügung muss allen Beteiligten zugänglich sein. Um sie im Notfall direkt zu nutzen, sollte sie übersichtlich gestaltet sein. Am besten wird sie durch einen zusammenfassenden Notfallbogen ergänzt.

Die Eckdaten, wie Dauer und beteiligte Personen, müssen Sie an die Krankenkasse melden. Diese Meldungen sollen bis zum Jahr 2021 belegen, inwieweit das Angebot der Versorgungsplanung in Anspruch genommen wird.

9. Welche Regelungen sind innerhalb Ihrer Einrichtung notwendig?

Generell müssen Ihre Mitarbeiter die Wünsche und Verfügungen des Bewohners bei einer Krankenhauseinweisung mitgeben. Voraussetzung ist, dass Sie sie über den Sinn und Zweck der Versorgungsplanung informieren.

Informieren Sie alle an der Versorgung Beteiligten darüber, dass das Angebot generell besteht. Weiterhin sollen Ihre Mitarbeiter darauf hinwirken, dass die Verfügungen des Bewohners von allen Beteiligten beachtet werden.

Neben der Beratung soll der zuständige Mitarbeiter runde Tische mit den Leistungsanbietern organisieren oder daran teilnehmen. Weitere Beteiligte sind etwa Rettungsdienste, SAPV-Teams und Kliniken. Ebenso soll er zu regionalen Netzwerken Kontakt halten (z. B. Palliativnetzwerke, Hospiznetzwerke, kommunale Netzwerke).

10. Wie wird vergütet?

Ihre Einrichtung muss nicht jeden Beratungsprozess einzeln abrechnen. Bis zum 31.12.2021 erfolgt eine pauschale Vergütung. Sie können künftig eine 1/8 Stelle pro 50 Bewohner für die Umsetzung der gesundheitlichen Versorgungsplanung abrechnen. Voraussetzung ist, dass der Stelleninhaber die unter Frage 4 genannte Weiterbildung absolviert hat. Die Zahlung der monatlichen Pauschale ist unabhängig von den übermittelten Leistungsnachweisen.

11. Wie beantragen Sie die Zusatzleistungen?

Die Anträge finden Sie auf den Seiten der GKV unter https://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/hospiz_und_palliativversorgung/letzte_lebensphase/gesundheitliche_versorgungsplanung.jsp. Dort finden Sie die Erklärung zur Erfüllung der Anforderungen nach § 14 der Vereinbarung nach § 132g Abs. 3 SGB V. In dieser weisen Sie u. a. die Weiterbildung des zuständigen Mitarbeiters nach. Außerdem nennen Sie die entsprechenden Personalkosten. Weiterhin ist gefordert, dass Sie über ein Konzept zur Versorgungsplanung verfügen und Ihre Kooperationspartner nennen.

Übersicht: Was Sie jetzt tun sollten

  • Entscheidung über die Einrichtung eines Angebotes zur Versorgungsplanung
  • geeigneten Mitarbeiter auswählen
  • Beratungskonzept für die Versorgungsplanung erstellen
  • Übersicht über Ihre Kooperationspartner erstellen und ggf. Netzwerk erweitern
  • Bewohner, Mitarbeiter und Angehörige über das zukünftige Angebot informieren

Fazit: Dieses Angebot gibt Sicherheit

Für viele Bewohner ist es eine große Beruhigung, wenn sie für die letzte Lebensphase Vorsorge getroffen haben. Wichtig ist hierbei vor allem, dass Sie ihnen das Gefühl einer kompetenten Begleitung bieten. Doch nicht nur für Ihre Bewohner hat dieses Zusatzangebot Vorteile, auch Ihren Pflegekräften gibt die konkrete Planung Sicherheit. Denn so ist genau festgelegt, was im Notfall zu tun ist.

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