Verlag & Akademie

Kammer-Pflichtmitgliedschaften für Pflegekräfte lösen heftige Kritik aus

06.02.2017

Der seit 1997 amtierende Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) Bernd Meurer findet gegenüber dem Evangelischen Pressedienst deutliche Worte für die entstehenden Pflegekammern. Weitere Pflichtbeiträge durch Pflichtmitgliedschaften für Leistungen, die bereits von Bundesverbänden erbracht werden, stoßen Meurer sauer auf.

Eine wenig überzeugende Regelung laut Meurer ist die Zwangsmitgliedschaft in Pflegekammern, die zur Zahlung von Beiträgen für Pflegekräfte auffordert. Bisher existiert eine Pflegekammer lediglich in Rheinland-Pfalz, weitere Standorte sollen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein entstehen, deren Aufgabengebiet die Sicherstellung der Qualität in der Pflege und die Interessenwahrnehmung der Pflegekräfte umfassen sollen.

Als „Zahnlose Tiger“, bezeichnet der bpa-Präsident die geplanten Pflegekammern, die lediglich dafür sorgen, dass überflüssige Gremien mit bürokratischen „Wasserköpfen“ entstehen. Bereits bestehenden Berufsverbänden stehen diese Kompetenzen zu und werden durch diese bereits vollumfänglich abgedeckt, so der Verbandsfunktionär.

Meurer verwies darauf, dass die Leistungserbringung sowie die Qualitätssicherung gemeinhin in Gesetzen und/oder Verordnungen bereits geregelt sind und somit keine konkurrierende Regelung durch die entstehenden Kammern zu erwarten sei, sie demnach unsinnig sind.

Eine gute Alternative sieht Bernd Meurer in der „Vereinigung der bayerischen Pflege“, die unter staatlicher Schirmherrschaft entstehen soll. Deren Konzept beruht auf der Beteiligung aller Akteure in der Pflege und erfüllt den gesetzlichen Auftrag im Bereich der Förderung und Vertretung aller Interessen der gesamten pflegerischen Berufsstände. Diese Organisation ist nicht wie die oben erwähnten Kammern auf Pflichtbeiträge angewiesen, sondern kann sich allein durch den Freistaat finanzieren. Dies wertet Meurer als Ausdruck besonderer Wertschätzung der Pflegenden.