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Loslassen lernen im Sterbeprozess

16.12.2015

Das Loslassen ist der zentrale Aspekt im Sterbeprozess. Denn die Hauptaufgabe für Sterbende und Trauernde besteht darin, dass sie sich von jemandem oder etwas verabschieden müssen. Mit der hier aufgeführten Übung können Sie das Loslassen üben und reflektieren.

Es ist für den Trauerprozess unerheblich, ob wir uns von einem Objekt, einer Person oder einem Ort lösen müssen. Alles, was der Mensch emotional belegt hat, kann einen Trauerprozess in Gang setzen. Sie werden feststellen, dass die endgültige Trennung von einer Person oder einer Sache, der Sie sich emotional verbunden fühlen, Trauerreaktionen auslöst. Im Sterbeprozess gilt diese Trennung als besonders radikal. Der Tod ist endgültig und unumkehrbar. Der Sterbende selbst, aber auch seine Angehörigen haben in diesem Prozess ein und dieselbe Aufgabe – sie müssen sich voneinander lösen.

 

Vergegenwärtigen Sie sich die kleinen und großen Tode
Mit der folgenden Übung wird Ihnen verdeutlicht, dass Menschen sich im Laufe ihres gesamten Lebens immer wieder von Personen und Dingen verabschieden müssen. Hierin liegen die kleinen und großen Tode des Alltags. Verlusterlebnisse führen dabei immer zu Trauerreaktionen. Da der Mensch gedanklich zu dem Experiment „Was wäre wenn?“ fähig ist, kann er sich auch verschiedene Verluste in seinem gegenwärtigen und zukünftigen Leben bewusst machen.

Dabei hilft Ihnen die nachfolgende Übung. Sie ist zwar als Gruppenübung angelegt, die Sie in Ihrem Team durchführen können. Alternativ können Sie aber auch für sich allein den Text lesen und die sich anschließenden Fragen dazu selbst schriftlich beantworten.

 

So üben Sie das Loslassen in der Praxis Vorbereitung

  • Planen Sie für die gesamte Übung 60 Minuten ein.
  • Organisieren Sie einen ruhigen Raum mit ungestörter Atmosphäre.
  • Die Übung sollte mit nicht mehr als max. 24 Personen durchgeführt werden.
  • Hierfür benötigen Sie einen Raum von ca. 60–70 m2.
  • Für die anschließende Reflexion sollten noch weitere Räume oder Außenflächen zur Verfügung stehen.

Ausgangssituation
Bitten Sie die Teilnehmer, sich im Raum einen Platz frei zu wählen. Die gesamte Übung verläuft still, nur der Übungsleiter liest den jeweiligen Text. Achten Sie als Übungsleiter darauf, dass nach den jeweiligen Texten entsprechend viel Zeit zum „Nachwirken“ des Textes gewährt wird. Hat nun jeder Teilnehmer seinen Platz gefunden und ist Stille eingekehrt, beginnt der Übungsleiter mit dem Text. Lesen Sie diesen langsam und betont. Machen Sie kurze Pausen zwischen den einzelnen Sätzen:

Text:

Schließe bitte die Augen. Wähle einen sicheren Stand. Forme mit deinen Händen eine Schale, die du vor Deinen Bauch hältst. In diese Schale legst du nun verschiedene Dinge und Personen, die dir wichtig sind.


Schaue auf dein aktuelles Leben. Betrachte die Personen, die dir nahestehen und die für dein Leben wichtig sind. Überlege dabei, welche Funktionen und Rollen die jeweiligen Personen für dich haben. Schaue auf die Menschen, die dir Kraft und Halt geben. Lege diese Personen vorsichtig in deine Schale.

Betrachte auch die Menschen, denen du Halt und Kraft vermittelst. Spüre nach, wie sich das für dich anfühlt, dass du gebraucht wirst. Lege auch diese Personen in deine Schale.
Betrachte nun deine Hobbys und deine Freizeitbeschäftigung. Schau auf die Dinge und Aktionen, die dir Freude, Spaß und Entspannung bieten. Lege sie in die Schale.

Viele Dinge und Gegenstände hast du bisher in deinem Leben erworben. Betrachte deine Wohnung, Deine Zimmer, und schaue auf die Dinge, die dich mit Stolz erfüllen. Nach manchen Dingen hast du lange gesucht – andere sind dir von vertrauten Men- schen geschenkt worden. Manches ist aber auch dabei, das dir wie ein Klotz am Bein hängt – was du aber erst einmal nicht loswirst. Leg alles in deine Schale.

Hast du Haustiere? Sind sie für dich wichtige Vertraute geworden? Geben Sie dir Kraft und Freude? Lege sie ebenfalls in deine Schale.

Nun ist deine Schale reichlich gefüllt. Spüre das Gewicht all dieser Personen und Dinge, die in deinem Leben eine so wichtige Rolle spielen.

Öffne nun deine Hände, so dass alles aus deiner Schale von dir abfällt.

Spüre in dich hinein. Mache dir die verschiedenen Emotionen im Moment des Loslassens bewusst. Versuche, für dich zu benennen, was angenehm und was unangenehm war. Nimm dir noch etwas Zeit, die Übung an deinem inneren Auge vorbeigehen zu lassen (kurze Pause).

Anweisung: Suche dir jetzt einen Gesprächspartner deines Vertrauens. Setzt euch zusammen, und tauscht eure Erfahrungen mit der Übung aus.

Tauschen Sie die gemachten Erfahrungen anschließend im Plenum aus. Bearbeiten Sie gemeinsam mit Ihren Kollegen die folgenden Fragen:

  • 
Wie habe ich die gesamte Übung empfunden?
  • 
Habe ich Befürchtungen oder gar Ängste empfunden?
  • Was habe ich erlebt, als ich die Schale öffnen sollte?
  • Was habe ich aus der Übung für mich gelernt?
  • 
Wie lassen sich meine Erfahrungen auf das Berufsfeld der Pflege und Betreuung von Menschen in der Palliativbetreuung übertragen?
  • Mit welchen Empfindungen gehe ich nun aus der gesamten Übung heraus?
  • Möchte ich der Gruppe noch etwas mitteilen?

Da die Übung sehr private Aspekte Ihres Lebens anspricht, sollten Sie hierfür eine Gruppe wählen, zu der Sie Vertrauen haben. Machen Sie den Teilnehmern auch deutlich, dass jeder nur so viel von sich preisgeben soll, wie er vor sich selbst verantworten kann. Niemand muss sich seelisch vor den anderen Teilnehmern „ausziehen“.

 

Trennen Sie sich bewusst von einem wichtigen Gegenstand
Gewiss kennen Sie auch den Spruch: „Das letzte Hemd hat keine Taschen.“ Gemeint ist, dass wir nichts und niemanden mitnehmen können, wenn wir das „Totenhemd“ tragen. Daher können Sie das Loslassen auch auf eine andere Art und Weise üben, indem Sie einen lieb gewonnenen Gegenstand bewusst verschenken. Dabei geht es nicht nur darum, etwas wegzugeben, sondern sich bewusst auch davon zu verabschieden. Gehen Sie dabei so vor, wie es in der Schritt-für-Schritt-Anleitung vorgegeben wird.
Gehen Sie einmal bewusst durch Ihre Wohnung. Schauen Sie sich alle Gegenstände an, die Sie in den letzten Jahren zusammengetragen haben. Überlegen Sie nun bei allen Gegenständen, wie es Ihnen dabei ginge, wenn all diese Gegenstände in fremde Hände gelangten. Versuchen Sie, sich von jedem Gegen- stand emotional zu lösen.

 

Schritt-für-Schritt-Anleitung für das „bewusste Verschenken“

1. Schritt: Wählen Sie ein passendes Objekt aus
Wichtig ist hierbei, dass es sich um einen Gegenstand handelt, der Ihnen persönlich sehr wichtig ist. Sie sollten zu diesem Gegenstand eine emotionale Beziehung haben. Gegenstände, die Ihnen überflüssig erscheinen, sind für diese Übung ungeeignet.
2. Schritt: Überlegen Sie, welche Bedeutung dieser Gegenstand für Sie hat
Werden Sie sich nun der Bedeutung dieses Objekts bewusst. Denken Sie an die Zeit und die Situation, als Sie diesen Gegenstand in Ihren Besitz genommen haben. Überlegen Sie auch, wie dieser Gegenstand Sie durch die ganzen Jahre begleitet hat.
3. Schritt: Wählen Sie jetzt eine Person aus, der Sie diesen Gegenstand schenken möchten
In diesem Schritt sollten Sie eine für den Gegenstand passende Person auswählen. Am besten ist es, wenn diese Person weiß, wie wichtig Ihnen dieser Gegenstand ist, damit sie diesen dann nicht achtlos behandelt und Sie diese Übung bereuen.
4. Schritt: Verschenken Sie nun den Gegenstand
Verschenken Sie nun den Gegenstand an die von Ihnen ausgewählte Person. Machen Sie sich bewusst, dass das Objekt nie wieder in Ihren Besitz übergehen wird.
5. Schritt: Spüren Sie nach, wie es Ihnen nun ohne diesen Gegenstand geht
Horchen Sie in sich hinein. Wo spüren Sie den Verlust über dieses Objekt? Wie geht es Ihnen mit dieser Lücke? Teilen Sie dies einer Person Ihres Vertrauens mit. Es sollte allerdings nicht die Person sein, der Sie diesen Gegenstand geschenkt haben, da sie sich ansonsten genötigt fühlt, das Geschenk zurückzugeben.

Palliativbeauftragter

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