Verlag & Akademie

Mit diesen 5 einfachen Mitteln gelingt das Medikamentencontrolling

11.02.2019

Am letzten Dienstag habe ich in einer stationären Pflegereinrichtung die Medikamente für gut 30 Pflegekunden für eine Woche gestellt. Das ist dort so Standard. Dabei sind mir im Rahmen meines QM-Blicks einige Dinge gleich aufgefallen:

Ein Pflegekunde bekam laut Verordnungsdatum seit 3 Monaten Kalium-Brausetabletten. Meine Nachfrage, wann hier ein Blutbild zur Kontrolle ansteht, konnte keiner der Kollegen beantworten. Dabei hat er das Kalium damals als Akutmedikation aufgrund auffälliger Werte nach einem Blutbild verordnet bekommen.

Bei einem anderen Pflegekunden war die aktuelle Marcumar-Anordnung nur bis einschließlich Donnerstag vorhanden. Als ich im Visitenbuch nachgesehen habe, stand dort keine Erinnerung des Arztes an eine erneute Kontrolle.

Ohne den roten Faden droht Gefahr

Ich mache den Kollegen vor Ort keinen Vorwurf. Solche Sachen fallen nur auf, wenn man Zeit hat und sich ausschließlich auf die Medikamente konzentrieren kann. Im Alltagsgeschäft bekommen wir Pflegekräfte Medikamentenanordnungen oft per Fax oder im Rahmen der Visite. Dann werden sie schnell hinterlegt und akut bearbeitet. Der weitere rote Faden geht uns dabei oft verloren.

Das kann für unsere Pflegekunden aber gefährlich werden. Es besteht das Risiko einer Überdosierung oder einer nicht sinnvollen Multimedikation. Im schlimmsten Fall enthalten wir sogar lebenswichtige Medikamente wie beispielsweise Marcumar vor, weil eine Folgeverordnung nicht rechtzeitig vorliegt. Haben Sie das auch schon erlebt?

Diese 5 Methoden helfen Ihnen

Damit Ihnen das nicht passiert, stelle ich Ihnen im Folgenden 5 ganz einfache Methoden vor, mit deren Hilfe es Ihnen gelingt, zukünftig ein sinnvolles Medikamentencontrolling sicherzustellen. Ich finde dabei besonders gut, dass es ganz praktische und lebensnahe Tipps sind. Sie haben keinen großen Aufwand bei der Umsetzung – gewinnen aber viel.

1. Arbeiten Sie mit Reminder-Kärtchen

Reminder-Kärtchen, also Erinnerungs-Kärtchen, sind ein ausgezeichneter Eyecatcher und damit eine gute Merkhilfe. Was genau ist damit gemeint? Ich will es Ihnen an einem praktischen Beispiel erklären: Ihr Pflegekunde leidet an einem einen Harnwegsinfekt.

Dagegen bekommt er von seinem Hausarzt Antibiotika verschrieben. Die übliche Verordnung lautet: Einnahme bis Packungsende. Nun wird das Medikament geliefert, Sie richten es in der Wochendosette nach. Dabei sehen Sie, dass „bis Packungsende“ in diesem Fall bis zum nächsten Sonntag bedeutet.

Wie würden Sie hier nun den roten Faden sicherstellen? Wie erreichen Sie, dass alle Pflegekräfte über das Ende der Antibiose Bescheid wissen und entsprechend den Behandlungserfolg kontrollieren?

Antibiotika wirken durch ihre Depotwirkung oft noch 1–2 Tage nach der letzten Einnahme. Wenn diese also an einem Sonntag ist, geben Sie am darauffolgenden Mittwoch ein kleines Reminder-Kärtchen mit in den Medikamentenbecher. Dieses entspricht in der Art und Größe den Kärtchen an Ihrer Stecktafel.

Im Team können Sie besprechen, was am besten darauf stehen soll. Ich habe gute Erfahrung mit einem großen Ausrufezeichen gemacht. Das fällt jedem gleich ins Auge. In kleiner Schrift steht dann darunter „Ende Antibiotika HWI“.

Damit weiß jede Fachkraft, die sich an diesem Tag um die Medikamente kümmert, gleich Bescheid und kann sich um die weiteren To-dos kümmern. Sie kann beispielsweise einen Kontroll-U-Stix durchführen oder einen abschließenden Bericht in der Dokumentation vermerken.

BEISPIEL REMINDERKÄRTCHEN
Letzte Gabe des Antibiotikums: am:
> Kontrolle U-Stix nötig?
> Roter Faden Pflegebericht?

2. Gleichen Sie alle 3 Monate Medikamente und Vitalwerte miteinander ab

Kommt Ihnen diese Situation bekannt vor? Bei einem Ihrer Pflegekunden wurde bei Neuaufnahme eine wöchentliche Blutdruckmessung angeordnet, weil er die Diagnose „Hypertonie“ hat und eine entsprechende Medikation einnimmt.

Nun lebt Ihr Pflegekunde seit 2 Jahren bei Ihnen und Sie kontrollieren regelmäßig jede Woche den Vitalwert, ohne dass jemals jemand die gemessenen Werte und die Medikamente abgeglichen hat. So habe ich es schon oft in Einrichtungen erlebt.

Daher mein Tipp: Gleichen Sie alle 3 Monate die Verordnungen Ihrer Behandlungspflege und die Medikamente miteinander ab: Welche sinnvollen Verbindungen können Sie sehen? Was bezieht sich aufeinander?

Denken Sie auch z. B. an BZ-Werte und Diabetes-Medikamente. Fast immer gelingt es Ihnen, dadurch entweder Verordnungen zu reduzieren oder Medikamente nach Sinnhaftigkeit bei der nächsten Visite anpassen zu lassen. Das spart Ihnen in Zukunft wertvolle Arbeitszeit.

3. Sorgen Sie für eine regelmäßige Kontrolle des Blutbildes

Ich empfehle Ihnen, eine formlose Liste zu führen. Darauf halten Sie den Namen der Pflegekunden fest, die Medikamente einnehmen, die eine regelmäßige Kontrolle des Blutbildes erfordern. Darunter fallen folgende Medikamentengruppen:

  • Schilddrüsenmedikamente
  • Marcumar®
  • Kalzium
  • Kalium
  • Vitamin B12

Führen Sie ein übersichtliches Fristenmanagement, indem Sie hier die letzte Kontrolle mit Datum vermerken. Wenn Ihnen dann im Rahmen des Richtens der Medikamente auffällt, dass z. B. die letzte Kontrolle des Kalium-Wertes schon länger zurückliegt, informieren Sie den Hausarzt.

4. Greifen Sie auf externe Weiterbildungsmöglichkeiten zurück

Der gesamte Bereich Medikamente ist ziemlich komplex und für normale Pflegefachkräfte kaum zu überblicken. Ich rate Ihnen daher, einmal unter den Kollegen zu überlegen, wer Interesse an einer spezifischen Weiterbildung in diesem Bereich hätte. Die beiden sinnvollsten Weiterbildungen tragen den Titel „Fachkraft für Medikamentenversorgung“ oder Medikamentenbeauftragte/-r“. Diese sind speziell für Fachkräfte und vermitteln eine tiefen Einblick rund um Medikamente und deren Umgang.

Wenn eine Fachkraft Ihrer Einrichtung eine solche Weiterbildung absolviert hat, können Sie bezüglich eines sinnvollen Medikamentencontrollings auf vielfältige Weise davon profitieren. Ich habe beispielsweise mit dem folgenden Modell gute Erfahrungen gemacht: Die Fachkraft mit der spezifischen Weiterbildung bekommt jeden Monat einen eigenen Büro-dienst im Dienstplan festgehalten. In diesem sieht sie abwechselnd die aktuell verordneten Medikamente der Bewohner auf allen Bereichen genau durch.

Durch diese zusätzliche Zeitressource und ihr, spezifisches Knowhow gelingt es ihr immer wieder, nicht sinnvolle Multimedikationen zu erkennen. Sie notiert sich alle Auffälligkeiten und gibt diese an die Fachkräfte des Wohnbereichs zur weiteren Bearbeitung weiter.

Diese besprechen dann in der nächsten Visite mit den Hausärzten: Gibt es Reduktionsmöglichkeiten? Oder ist ein Austausch eines Präparates nötig? Dieses ganze Prozedere ist eine gute qualitätssichernde Maßnahme. Sie beruht auf der spezifischen Weiterbildung einer Fachkraft.

5. Widmen Sie sich explizit den Psychopharmaka

Pflegebedürftige in Deutschland bekommen zu schnell und zu häufig Psychopharmaka.“ Können Sie solche Aussagen auch schon nicht mehr hören oder lesen? Regelmäßig tauchen Sie in diversen Qualitätsberichten der Krankenkassen auf.

Ich denke, wir sind alle bemüht, gerade Medikamente dieser Gruppe so wenig wie möglich zu verabreichen. Es ist aber auch naiv zu denken, dass wir ganz ohne sie auskommen. Bei manchen Pflegekunden hilft trotz aller alternativen Ansätze und Therapien leider nichts anderes.

Im Sinne eines guten Medikamentencontrollings sollten Sie diesen Medikamenten besondere Aufmerksamkeit schenken. Ich rate Ihnen hier zu einer regelmäßigen Evaluierung. Wie gehen Sie nun dabei am besten vor?

Halten Sie sich ein eigenes Zeitfenster für dieses Controlling frei. Pro Pflegekunde benötigen Sie ca. 10 Minuten. Schauen Sie sich in diesen 10 Minuten die verordneten Psychopharmaka Ihres Pflegekunden an. Folgende 3 Fragen sollten Sie dabei beantworten:

  • Warum genau bekommt der Pflegekunde dieses Psychopharmakon?
  • Wirkt es so, wie es gewollt ist?
  • Wäre es sinnvoll, einen Versuch der Reduktion zu starten?

Damit werten Sie die Indikation und die tatsächliche Wirkungsweise aus. Ist das Psychopharmakon, das irgendwann einmal verordnet wurde, heute noch indiziert?

Zusammenhänge werden Ihnen erst bewusst, wenn Sie sich näher damit beschäftigen. Das lohnt sich für Ihren Pflegekunden gerade im Bereich der Psychopharmaka.

Fazit: Einfach, aber wirkungsvoll

Die 5 Methoden erfordern keinen großen Zeitaufwand, erleichtern Ihnen in der Praxis aber Ihr professionelles Handeln enorm. Wenden Sie sie ab sofort an – die Ergebnisse werden Sie überzeugen.

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Qualitäts-Management aktuell

1 x in der Woche finden Sie in unserem kostenlosen E-Mail-Newsletter PPM Qualitäts-Management aktuelle Tipps zur Qualitätssteigerung.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Palliativpflege heute

News und Praxistipps für eine professionelle Palliativpflege – speziell für Pflegekräfte in stationären und ambulanten Einrichtungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Menschen mit Demenz professionell pflegen

Wichtige Informationen zum Thema Pflege und Betreuung bei Demenz. So bewältigen Sie als Pflegefachkraft die speziellen Herausforderungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Nein, Danke

Nie mehr den Überblick verlieren!

Holen Sie sich Hilfe für Ihre stationäre Pflege!

In nur 15 Minuten über das Wichtigste informiert sein.

  • Pflegekokumentation
  • Mitarbeiterführung
  • Haftungsrecht
  • Nein, Danke

    Nein, Danke