Verlag & Akademie

Medikamentengabe über PEG

03.06.2019

Aus der Praxis: Eine Pflegekraft verabreichte einer Pflegekundin die Medikamente über die PEG. Hierzu hatte sie alle Medikamente zusammen gemörsert, das Gemisch in ein Glas mit Wasser geschüttet und anschließend mit der Spritze aufgezogen. Als sie eine Kollegin darauf ansprach, antwortete sie: „Wieso? Das landet doch sowieso alles im Magen.“

Ihnen ist vermutlich bewusst, dass diese Pflegekraft hiermit Unrecht hat, aber kennen Sie alle Feinheiten der Medikamentengabe über PEG bzw. Nasensonde? Und berücksichtigen Sie diese auch in Ihrem Arbeitsalltag?

Medikamentengabe über PEG: Sind Sie up to date?

  • Die Medikamente vermischen sich doch sowieso im Magen. Also darf man sie auch zusammen mörsern. - FALSCH!
    Das Vermischen mehrerer Präparate miteinander im Mörser entspricht der Herstellung eines neuen Präparates und dies ist nach dem Arzneimittelgesetz verboten. Denn bei einem Gemisch aus verschiedenen Medikamenten können giftige chemische Reaktionen entstehen.
  • Es ist egal, wann die Medikamente gemörsert werden. - FALSCH!
    Durch das Mörsern vergrößern Sie die Oberfläche des Medikamentes. Daher kann es schneller die Wirkung verlieren. Mörsern Sie die Medikamente daher immer kurz vor der Applikation.
  • Pro Medikamentengabe verabreichen Sie Ihrem Pflegekunden mindestens 100 ml Flüssigkeit. - RICHTIG!
    Die Sonde muss vor und nach der Medikamentengabe gespült werden. Damit keine Medikamentenrückstände im Schlauch verbleiben, benötigen Sie ausreichend Flüssigkeit. Dies sind jeweils 50 ml. Zwischen den einzelnen Medikamenten spülen Sie mit 5–10 ml Flüssigkeit nach.
  • Es gilt die Reihenfolge: erst flüssig, dann fest. - RICHTIG!
    Verabreichen Sie zunächst die flüssigen Medikamente. Verdünnen Sie diese mit Wasser, damit Ihr Bewohner sie besser verträgt. Verabreichen Sie anschließend die festen bzw. suspendierten (in Wasser zerfallenen) Medikamente, da diese langsamer durch die Sonde fließen.
  • Wenn Sie die Medikamente direkt in der Spritze auflösen, mindern Sie den Wirkstoffverlust. - RICHTIG!
    Legen Sie dazu eine Tablette in die Spritze und ziehen Sie diese anschließend mit Wasser auf. Schütteln Sie die Spritze vor und während der Applikation gut durch, damit sich der Arzneistoff nicht absetzt und den Spritzenauslauf verstopft. Würden Sie die Tablette hingegen im Medikamententöpfchen auflösen, bleiben beim Auf- ziehen Rückstände.
  • Tabletten sind zur Applikation durch die Sonde geeignet. - RICHTIG!
    Ja, wenn sie nach kurzer Zeit in kaltem Wasser zerfallen. Der Fachbegriff hierfür lautet „Suspendierbarkeit“.
  • Bei Kapseln kommt es auf das jeweilige Medikament an, ob Sie sie öffnen dürfen oder nicht. - RICHTIG!
    Fragen Sie immer bei der Apotheke nach, ob Sie die jeweilige Kapsel öffnen dürfen. Falls dies nicht erlaubt ist, muss der Arzt ein alternatives Medikament verordnen.
  • Weichkapseln können Sie in warmem Wasser auflösen. - RICHTIG!
    Dies kann bis zu 1 Stunde dauern. Alternativ können Sie die Kapseln aufschlitzen oder anstechen und den Kapselinhalt herausdrücken oder -kratzen und in Wasser suspendieren. Allerdings besteht hierbei die Gefahr des Wirkstoffverlustes.
  • Filmtabletten und Dragees dürfen gemörsert werden. - FALSCH!
    Der Überzug wird nur bei einem bestimmten pH-Wert gelöst, sodass das Medikament erst im Darm seine Wirkung entfaltet. Daher dürfen Sie diese nicht mörsern.
  • Es gibt Retardmedikamente, die Sie über die Sonde verabreichen können. - RICHTIG!
    Grundsätzlich dürfen Sie Retardpräparate nicht über die Sonde verabreichen, da das Retardierungsprinzip durch die Zerkleinerung zerstört wird. Mit einer Ausnahme: Kapseln, die Retardpellets enthalten, können Sie öffnen, nicht aber die Pellets weiter zerkleinern.
  • Brausetabletten sind grundsätzlich zur Verabreichung durch die Magensonde geeignet. - RICHTIG!
    Lösen Sie die Brausetablette mit der Flüssigkeitsmenge auf, die im Beipackzettel angegeben ist. Verabreichen Sie das Medikament erst, wenn die Kohlensäure vollständig entwichen ist.

Fazit: Verlassen Sie sich besser auf den Apotheker

Viele Ärzte richten sich bei der Verordnung nicht danach, ob die Darreichungsform der Medikamente zur Verabreichung über die Sonde geeignet ist. Sie als Pflegekraft haben die Pflicht, mit jedem Medikament fachlich korrekt umzugehen. Fragen Sie daher immer beim Apotheker nach, ob Sie das Medikament auflösen oder mörsern dürfen.

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