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Migration und Pflege: Am Anfang steht das Wissen

22.08.2018

Bereits jetzt leben schätzungsweise 1,55 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, die über 60 Jahre alt sind. Mit zunehmendem Alter steigt natürlich auch bei Menschen mit Migrationshintergrund das Risiko, pflegebedürftig zu werden.

Verschiedene Bundesländer - verschiedene Nationalitäten!

Nicht in allen Bundesländern sind die Ursprungsnationalitäten der Menschen mit Migrationshintergrund gleich verteilt. Nachfolgend finden Sie eine Übersicht, über die 3 am stärksten in Ihrem Bundesland vertretenen Bevölkerungsgruppen.

Sind Sie als ambulanter Pflegedienst auf die Pflege von Migranten eingestellt?

Auch die Migranten, die hier in Deutschland leben, werden älter und pflegebedürftig. Dabei stellt sich die Frage, ob Sie als ambulanter Pflegedienst darauf eingestellt sind. Denn es ist keineswegs so, dass Migranten ausschließlich von ihren Angehörigen in der Familie versorgt werden. Spezielle Angebote für den Fall, dass diese Menschen pflegebedürftig werden oder Betreuung benötigen, gibt es bisher nur selten. Oft werden Barrieren in der Sprache und bei den kulturellen und religiösen Besonderheiten befürchtet. Dem steht gegenüber, dass Sie hier für Ihren Pflegedienst einen echten Mehrwert entwickeln können, der Ihnen ein neues Geschäftsfeld erschließt.

Ohne diese Voraussetzungen gelingt keine kultursensible Pflege

Ziel der kultursensiblen Pflege ist es, jeden einzelnen pflegebedürftigen Menschen als Individuum mit seiner ganzen Geschichte, seinen sozialen Bezügen und Lebenserfahrungen wahrzunehmen und diese bei der Planung und Durchführung der Pflege zu berücksichtigen. Das setzt voraus:

  • Wissen über Migration und die besondere Situation älterer Migrantinnen und Migranten
  • Die Fähigkeit, Empathie für Menschen zu entwickeln, die einen anderen kulturellen, religiösen und weltanschaulichen Hintergrund haben als man selbst
  • Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit, seinen Vorurteilen und eigenen kulturellen und religiösen Einstellungen
  • Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit

Kultursensible Pflege gelingt nur, wenn folgende Barrieren durchbrochen werden

Achten Sie darauf, dass sich Ihre Mitarbeiter mit der kultursensiblen Pflege auseinandersetzen. Denn nur so gelingt es ihnen, auf den Patienten angemessen zu reagieren. Im Kontakt mit fremden Kulturen sind folgende Barrieren zu berücksichtigen:

  1. Kultur
  2. Sprache
  3. Religion

Tipp: Setzen Sie bei der Pflege von Menschen mit Migrationshintergrund optimalerweise Pflegemitarbeiter ein, die aus dem Herkunftsland des zu Pflegenden kommen, dessen Sprache sprechen und die Besonderheiten der Kultur und Religion kennen.

Die Kultur ist in jedem Land anders

Informieren Sie Ihre Mitarbeiter über die anderen Kulturen

Beispiel türkische Patienten

  • Beim Betreten der Wohnung sollten die Schuhe ausgezogen werden. Viele der türkischen Patienten bestehen darauf und stellen sehr häufig speziell für Pflegemitarbeiter Hausschuhe bereit.
  • Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist sehr sensibel. Daher kommt es vor, dass Patienten eine Differenzierung der Pflegepersonen nach Geschlecht vornehmen, was auch teilweise zum Ablehnen des anderen Geschlechts und somit auch der Versorgung führt.
  • Erledigungen außerhalb der Pflege wie Telefonate mit Arzt oder Krankenkasse, Übersetzungen oder Bestellungen in der Apotheke werden als selbstverständlich angesehen.

Häufig fehlt das sprachliche Verständnis

Viele Menschen mit Migrationshintergrund sind der deutschen Sprache nicht mächtig. Hierbei fällt Folgendes auf: Dieser Anteil liegt bei den Frauen höher als bei den Männern. Bringen Sie Ihren Mitarbeitern z. B. gängige Fachbegriffe aus der jeweiligen Muttersprache bei, die sie im Rahmen der Pflege einsetzen können.

Jede Religion ist anders

Ihre Mitarbeiter müssen über ausreichendes Wissen zum religiösen „Anderssein“ verfügen. Denn nur so können Sie diesen Aspekt in der Pflege berücksichtigen.

Beispiel Muslime:

  • Gläubige Muslime reichen z. B. dem anderen Geschlecht nicht die Hand, was zu Fehldeutungen führen und die Beziehung zwischen Patient und Ihren Pflegemitarbeitern negativ beeinflussen kann.
  • Muslimische Feiertage wie z. B. der Fastenmonat Ramadan können einen Einfluss auf den pflegerischen Ablauf haben. In der Fastenzeit kommt es oft vor, dass Abendeinsätze völlig umgeplant oder Patienten bei Angehörigen angefahren werden müssen. Dies führt teilweise zu „Leerläufen“ in der Pflege, wird aber von Mitarbeitern, die mit dem Sachverhalt vertraut sind, kompensiert.
  • Ein bettlägeriger muslimischer Pflegebedürftiger darf nicht mit einem Waschlappen gewaschen werden, da sein Glaube fließendes Wasser, insbesondere für die rituellen Reinigungen, vorschreibt.

Gerade bei der Pflege von Migranten spielen die Angehörigen eine große Rolle

Anhand der oben kurz angerissenen Barrieren wird deutlich, wie wichtig es ist, über Wissen zu den anderen Kulturkreisen zu verfügen. Daher ist der Aufbau einer gesunden Beziehung zu den Angehörigen von besonderer Bedeutung. Denn wenn Sie in Ihrem Pflegedienst kein „ausländisches“ Pflegepersonal haben, sind die Angehörigen die wichtigste Quelle für eine gute Kommunikation.

Halten Sie Informationsmaterial in der jeweiligen Sprache bereit

Menschen mit Migrationshintergrund sind oft noch schlechter als die deutsche Bevölkerung über die ihnen zustehenden Leistungen informiert. Dabei halten i. d. R. die jeweiligen Landesministerien und das Bundesministerium für Informationsschriften in verschiedenen Sprachen bereit – vielfach gleich mit den in den Bundesländern oft verschiedenen Regelungen.

Dazu kommen die mehrsprachigen Informationen von Selbsthilfeverbänden wie z. B. der Deutschen Alzheimer Gesellschaft oder anderen Vereinen und Institutionen wie der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung. In Bundesländern, in denen bereits Pflegestützpunkte etabliert wurden, finden Sie hier entsprechende Hilfe. Auch die Krankenund Pflegekassen können hier weiterhelfen.

Hinweis: In den meisten Fällen können die fraglichen Informationsbroschüren kostenlos oder gegen eine geringe Versandgebühr angefordert werden. Nutzen Sie dies und halten Sie Informationsschriften in der jeweiligen Sprache vor.

Nicht jeder Migrant ist gleich - oder strenggläubig

Interessante Ergebnisse lieferte in diesem Zusammenhang die 2008 veröffentlichte Studie des Heidelberger Instituts Sinus zum Thema „Wie leben und denken Migranten?“ Demnach haben viele Menschen mit Migrationshintergrund im Laufe der Zeit ganz ähnliche Essgewohnheiten, Musikgeschmäcker, ein ähnliches Freizeitverhalten u. Ä. wie die Menschen in Deutschland entwickelt, nur ca. 23 % leben sehr traditionell und religiös. Als Pflege- und Betreuungskraft müssen Sie sich folglich individuell verhalten.

Es ist nicht einfach, ein spezielles Angebot für Migranten zu etablieren

Wenn Sie sich entschließen, Menschen mit Migrationshintergrund zu pflegen, sollten Sie sich nicht überschätzen und nicht zu früh aufgeben. Es kann mitunter auch mühsam sein, ein solches Angebot nachhaltig zu etablieren. Manchmal lohnt es sich, mit ein oder 2 Pflegekräften zu beginnen, deren Fokus auf der Pflege und Betreuung von Migranten liegt, und dieses Angebot dann sukzessive auszubauen.

Abbau von Vorurteilen und Rassismus gelingt nur durch Aufklärung über andere Kulturkreise

Auch in der Pflege von Menschen mit Migrationshintergrund kann es bei einigen Ihrer Mitarbeiter Vorurteile gegen Menschen aus anderen Kulturkreisen geben. Laut einer Studie des Fokus- Instituts Halle haben z. B. 40 % der Bundesbürger Vorurteile unterschiedlichster Art gegen türkische Mitbürger. Diese resultieren vor allem immer wieder aus Unwissenheit und Ängsten gegenüber Fremden.

Nur durch Aufklärung und Wissen über diesen Kulturkreis kann es gelingen, diese Vorurteile abzubauen. Sorgen Sie folglich für eine gute Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter in diesem Bereich, besonders wenn Sie zukünftig verstärkt Migranten pflegen möchten. Sollten bei Mitarbeitern rassistische Tendenzen zu erkennen sein, scheuen Sie sich nicht, diese Mitarbeiter direkt anzusprechen und sich ggf. von ihnen zu trennen.

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