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Manchmal sind Notlügen gegenüber Demenzpatienten erlaubt

17.05.2017

Bis vor einigen Jahren war es üblich, dass Menschen mit Demenz mit der Realität konfrontiert wurden. Heutzutage ist der Ansatz ein anderer: Diese Vorgehensweise wird als unangemessen betrachtet, da die Betroffenen diese Realität nicht in den Langzeitspeicher überführen können.

 

 

Bezogen auf Ihren Pflegekunden mit Demenz würde das bedeuten, dass ihnen nicht die harte Realität zugemutet wird. Streng nach der Devise „Das Herz wird nicht dement!“ würden wir hier eher den aktuellen emotionalen Anteil der Frage/Aussage zum Thema machen.

Betroffene werden immer jünger

Die Wahrnehmung von Menschen mit Demenz wandelt sich in der Weise, dass viele Betroffene in einer früheren Zeit leben – dies aber im Hier und Jetzt. Das mag erst einmal verwirrend klingen, ist es aber nicht, wenn wir heute wissen, dass insbesondere Menschen mit einer Alzheimer-Demenz in ihrer subjektiven Einschätzung immer jünger werden. Zudem glauben sie, in einer Zeit zu leben, die schon etliche Jahre bis Jahrzehnte zurückliegt – eine Zeit, in der der Betroffene stark, leistungsfähig und selbstständig war.

Die Wahrheit ist nicht hilfreich

Auch wenn die Inhalte der Aussage Ihres Pflegekunden mit Demenz offensichtlich aus einer früheren Zeit stammen, so ist der emotionale Anteil in der Aussage höchst gegenwärtig. Ein Praxisbeispiel soll helfen, dies zu verdeutlichen.

Praxisbeispiel: Frau Rosenberg befindet sich im mittleren Stadium einer Demenz vom Typ Alzheimer. Sie lebt schon seit 4 Wochen in einer stationären Altenpflegeeinrichtung. Hier ist sie ständig auf der Suche nach ihrem Mann, der vor 15 Jahren verstorben ist. Immer wieder fragt sie die Mitarbeiter: „Können Sie mir sagen, wo mein Mann ist?“ Manche Mitarbeiter teilen ihr die Realität mit, nämlich dass ihr Mann schon seit 15 Jahren tot ist. Nach dieser Information ist Frau Rosenberg völlig niedergeschmettert.

Akzeptanz und Wertschätzung

Die grundsätzlichen Phänomene der Demenz lassen sich mit keiner Methode und Technik auflösen. Das Problem ist ja, dass eine Information, die dem Betroffenen gegeben wird, nicht von ihm in den Langzeitspeicher überführt werden kann. Schon nach wenigen Minuten sind diese Botschaften für ihn nicht mehr abrufbar. Seine emotionale Reaktion auf diese Antwort kann aber stundenlang anhalten. Daher wird heutzutage ein wertschätzender und akzeptierender Umgang mit Menschen mit Demenz empfohlen. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt Ihnen beispielhaft, wie ein wertschätzender Umgang aussehen kann.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: So gehen Sie mit dementen Pflegenden wertschätzend um

1. Schritt: Achten Sie auf die emotionalen Anteile der Aussage oder Frage

Hinter jeder Aussage eines Betroffenen mit Demenz steht auch eine emotionale Botschaft, z. B. Sorge, Angst, Freude oder Pflichtbewusstsein. Diesen Anteil gilt es nun herauszufinden.
Beispiel: Frau Rosenberg sagt: „Können Sie mir sagen, wo mein Mann ist?“ Wenn Sie jetzt zusätzlich auf die Mimik und den Tonfall bei Frau Rosenberg achten, so erkennen Sie, dass sie in Sorge ist.

2. Schritt: Geben Sie diese emotionalen Anteile mit Ihren eigenen Worten wieder

Jetzt sprechen Sie genau dieses vermutete Gefühl mit Ihren eigenen Worten aus, indem Sie antworten: „Frau Rosenberg, Sie machen sich Sorgen um Ihren Mann, Sie vermissen ihn.“
Achten Sie dabei genau auf die Reaktion Ihres Gegenübers. Fühlt es sich verstanden, dann haben Sie sein Gefühl genau richtig eingeschätzt.

3. Schritt: Bestätigen Sie das geäußerte Gefühl

In diesem Schritt geht es darum, Ihrem Gesprächspartner deutlich zu machen, dass dieses Fühlen völlig richtig ist, indem Sie sein Gefühl bestätigen. Sie können antworten: „Eine gute Ehefrau sollte immer auch Obacht geben auf ihren Ehemann“, und weiter: „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Ehefrau!“

Jetzt liegt der Ball wieder im Spielfeld Ihres Gesprächspartners. Fühlt er sich verstanden, wird er es entsprechend mit einer zustimmenden Geste oder entsprechenden Worten bestätigen, z. B.: „ Ja, so ist es.“

Wertschätzung wird gespeichert

Sicherlich werden Sie die Erfahrung machen, dass eine betroffene Person mit Demenz schon nach wenigen Minuten wieder bei Ihnen steht, um Sie mit dem gleichen Anliegen wieder anzusprechen. Das ist das Phänomen der Demenz. Was hingegen bleibt, ist die Einschätzung durch den Betroffenen, dass er bei Ihnen nicht „abgebügelt“ wird, sondern dass Sie ihn verstehen.

Sind Notlügen erlaubt?

Diese Frage wird in Fachkreisen heftig diskutiert, denn eigentlich ist das Belügen ein Betrügen. Wenn aber die Notlüge den Betroffenen in Sicherheit wiegt und ihn Ruhe finden lässt – wenn auch nur für kurze Zeit –, so ist die Notlüge nicht verwerflich. Bezogen auf unser Beispiel mit Frau Rosenberg wäre z. B. folgende Aussage möglich: „Frau Rosenberg, Ihr Mann ist gerade zum Einkaufen gegangen und wird sicherlich bald zurück sein.“ Beruhigt sich daraufhin die betreffende Person für einige Zeit, so haben Sie ihr etwas Ruhe ermöglicht. Diese hält jedoch nur kurze Zeit an – das ist leider typisch für das Krankheitsbild der Demenz. Haben Sie eine Antwort gefunden, bei der sich Ihr Pflegekunde mit Demenz beruhigt, dann sollten Sie diese in der Biografie des Betroffenen vermerken. So profitieren alle Kollegen hiervon.

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