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In aller Munde: Palliativpflege in der ambulanten Versorgung

03.10.2018

Schon seit Längerem nimmt die Bedeutung der ambulanten palliativpflegerischen Versorgung kontinuierlich zu. Immer mehr Pflegedienste erwägen, sich auf die ambulante palliativpflegerische Versorgung zu spezialisieren. Doch oftmals bleibt es bei den Überlegungen, denn bislang gibt es außerhalb der regulären Leistungen der Kranken- und Pflegekassen nur wenige Möglichkeiten, palliativpflegerische Leistungen von den Kostenträgern bezahlt zu bekommen.

Doch der Gesetzgeber hat erkannt, wie wichtig die ambulante palliativpflegerische Versorgung ist, um Ihren schwerstkranken und unheilbar kranken Kunden ein würdevolles Sterben in den eigenen 4 Wänden zu ermöglichen. Im Rahmen der Gesundheitsreform wurde daher die ambulante palliativpflegerische und -medizinische Versorgung zum 01.04.2007 als gesetzliche Leistung in das Sozialgesetzbuch (SGB) V aufgenommen.

Demnach ist die Palliativpflege nun ein Teil der Regelversorgung, der von den Krankenkassen zu refinanzieren ist. Ziel der Leistungen soll es sein, dass speziell geschulte Ärzte und Pflegekräfte es unheilbar erkrankten Menschen ermöglichen, bis zuletzt mit wenig Schmerzen zu Hause leben zu können.

Schwerpunkte der neuen Leistung sind daher Schmerztherapie und Symptomkontrolle. Bis zum September dieses Jahres soll der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) festlegen, wie die gesetzlichen Vorgaben in die Praxis umgesetzt werden sollen.

Das müssen Sie wissen

Schon heute gehört es zu Ihren alltäglichen Aufgaben, schwerkranke und sterbende Menschen zu betreuen. Wir wollen Ihnen daher in diesem Beitrag aufzeigen, was Sie schon jetzt zur ambulanten palliativpflegerischen Versorgung wissen sollten und wie Sie auch gegenwärtig schon notwendige Leistungen über die Kranken- und Pflegekassen bezahlt bekommen können.

Palliative Care soll die Lebensqualität Ihrer Kunden verbessern

Im Zusammenhang mit Palliativpflege und Palliativmedizin spricht man heute von „Palliative Care“. Nach der Definition der WHO entspricht Palliative Care (Palliative Medizin, Pflege und Begleitung) einer Haltung und Behandlung, welche die Lebensqualität Ihrer Kunden und deren Angehöriger verbessern sollen, wenn eine lebensbedrohliche Krankheit vorliegt. Dies wird erreicht, indem Schmerzen und andere physische, psychosoziale und spirituelle Probleme frühzeitig und aktiv identifiziert, immer wieder erfasst und angemessen behandelt werden.

Palliative Care in der ambulanten Pflege - diese Aspekte gehören dazu

Das Ziel ambulanter palliativpflegerischer Leistungen ist es, dem Sterbenden zu ermöglichen, die letzte Phase des Lebens in seiner häuslichen Umgebung zu verbringen. Durch ambulante palliativpflegerische Leistungen sollen Sie Ihrem sterbenden Kunden ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben bis zum Ende ermöglichen. Zu den palliativpflegerischen Leistungen eines ambulanten Pflegedienstes zählen beispielsweise:

  • grund- und behandlungspflegerische Leistungen,
  • Anleitung und Beratung Ihrer Kunden und deren Angehöriger zur Durchführung von grund- und behandlungspflegerischen Leistungen,
  • Hilfestellung bei der Anwendung von symptomlindernden Maßnahmen,
  • Überwachung einer symptomlindernden Behandlung,
  • psychosoziale Betreuung und ggf. Krisenintervention sowie
  • Hilfe beim Umgang mit der Krankheit sowie bei der Auseinandersetzung mit Sterben und Tod.

Palliativpflege ist nicht gleich Hospizarbeit

Bei der ambulanten palliativpflegerischen Versorgung müssen Sie beachten, dass diese nicht mit der ambulanten Hospizarbeit gleichzusetzen ist. Ambulante Hospizarbeit wird in der Regel durch einen nach § 39a SGB V zugelassenen ambulanten Hospizdienst erbracht. Der ambulante Hospizdienst erbringt durch eine Fachkraft, z. B. Diplom-Sozialarbeiter, palliative Beratungsleistungen.

Daneben werden schwerstkranke und sterbende Menschen durch ehrenamtliche Mitarbeiter insbesondere in psychosozialer und spiritueller Weise begleitet und betreut. Die ehrenamtlichen Helfer sollen aber auch in hohem Maße die Angehörigen Ihres Kunden entlasten. Die ambulante palliativpflegerische Versorgung hingegen wird durch einen in der Regel darauf spezialisierten Pflegedienst erbracht.

Im Vordergrund steht hier eine palliativmedizinische und -pflegerische sowie ganzheitlich ausgerichtete Betreuung. Anders als beim ambulanten Hospizdienst werden die Leistungen durch oftmals speziell geschulte hauptamtliche Pflegekräfte erbracht. Eine Rund-umdie- Uhr-Versorgung ist möglich. In jedem Fall ist aber die ständige Erreichbarkeit einer Pflegefachkraft gewährleistet.

Übersicht: Bedeutung in der Praxis

In der Praxis bedeutet dies, dass Palliativ Care

  • die Lebensqualität Ihrer lebensbedrohlich erkrankten Kunden verbessert und so positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf nimmt.
  • das Leben bejaht
  • den Tod weder beschleunigen noch verzögern will
  • das Sterben als normalen Prozess erachtet
  • Schmerzen und andere belastende Beschwerden Ihres Kunden lindert
  • psychische und spirituelle Aspekte integriert
  • Ihre Kunden so lange wie möglich unterstützt, aktiv zu bleiben
  • die Angehörigen unterstützt, die Krankheit des Patienten und die eigene Trauer zu verarbeiten.Ihre Kunden so lange wie möglich unterstützt, aktiv zu bleiben
  • interdisziplinär arbeitet, um den Bedürfnissen Ihrer Kunden und deren Angehöriger gerecht zu werden

Ein multidisziplinäres Team

Aufgrund des ganzheitlichen Ansatzes und der sich daraus ergebenden unterschiedlichen Ziele und Aufgaben kann die Palliativversorgung nicht allein durch Ihren ambulanten Pflegedienst durchgeführt werden. Vielmehr ist ein multidisziplinäres Team, beispielsweise aus Ärzten, Pflegenden, einem Sozialarbeiter und einem Seelsorger, nötig.

Aus diesem Grund sind bereits in verschiedenen Regionen Deutschlands Kostenvereinbarungen zur integrierten Versorgung getroffen worden. Die oftmals sehr unterschiedlichen integrierten Finanzierungs- und Versorgungsmodelle berücksichtigen bislang jedoch nicht immer die ambulante Pflege.

Tipp: Falls Sie sich auf die Palliativpflege spezialisieren wollen, sollten Sie sich bei den für Sie zuständigen Pflege- und Krankenkassen informieren, ob es bereits Modelle zur integrierten Versorgung gibt oder Interesse besteht, ein solches Modell zu etablieren.

Diese Anforderungen sollten Ihre Mitarbeiter erfüllen

Pflegedienste, die sich schon heute auf die ambulante palliativpflegerische Versorgung spezialisiert haben, arbeiten oftmals eng mit einem palliativmedizinisch erfahrenen und/oder geschulten Arzt zusammen. Zudem verfügen sie aufgrund der komplexen Versorgungssituationen in der Regel über speziell geschulte Mitarbeiter.

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin hat ein Anforderungsprofil für potenzielle Mitarbeiter in der Palliativpflege erarbeitet. Demnach sollten Mitarbeiter, die palliativpflegerische Leistungen erbringen, u. a. folgende Kompetenzen und Qualifikationen aufweisen, die Sie der oben stehenden Checkliste entnehmen können.

Diese Finanzierungsmöglichkeiten müssen Sie kennen

Bislang war die ambulante palliativpflegerische Versorgung nicht in der Regelversorgung vorgesehen. Trotz der noch fehlenden Regelungen des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) bieten die Krankenkassen ambulanten Pflegediensten neben den Modellen zur integrierten Versorgung auch schon heute gelegentlich Verträge an, die in der Regel Pauschalpreise für die Grund- und Behandlungspflege vorsehen. Informieren Sie sich bei den für Sie zuständigen Kranken- und Pflegekassen, ob dort solche Verträge existieren und ob Interesse besteht, diese mit Ihnen abzuschließen.

Achten Sie aber genau auf die Vereinbarungen. Die dort vorgesehenen qualitativen und personellen Anforderungen an Ihren Pflegedienst und auch die Vergütung der palliativpflegerischen Leistungen dürften in Ihrem Pflegealltag nicht immer praxistauglich sein.

Besprechen Sie mit den Krankenkassen Regelungen im Einzelfall

Gibt es keine Möglichkeit, vertragliche Regelungen zur speziellen palliativpflegerischen Versorgung zu treffen, können Sie trotzdem wie gehabt Ihre schwerstkranken Kunden bis zum Ende ihres Lebens zu Hause versorgen. Grundlage Ihrer Vergütung sind in diesem Fall Ihre bestehenden Verträge mit den Kranken- und Pflegekassen. In begründeten Einzelfällen sind die Kostenträger auch bereit, gesonderte Vergütungen mit Ihnen zu vereinbaren.

Wenn Sie sehen, dass die Versorgung eines unheilbar kranken Kunden nicht durch die regulären Leistungen des SGB V und SGB XI sicherzustellen ist, sollten Sie umgehend mit der Kranken- und Pflegekasse Ihres Kunden Kontakt aufnehmen und besprechen, ob eine gesonderte Finanzierung möglich ist.

Weisen Sie die Sachbearbeiter darauf hin, dass der Gemeinsame Bundesausschuss mittlerweile klargestellt hat, dass die Richtlinien zur häuslichen Krankenpflege nicht abschließend sind und die Krankenkassen medizinisch notwendige Leistungen auch dann finanzieren müssen, wenn sie nicht Bestandteil der Richtlinie sind.

Kompetenzen und Qualifikation der Mitarbeiter für die Palliativpflege

Anforderungen:

  1. Ausbildung zur examinierten Pflegefachkraft und mindestens 2 Jahre Berufserfahrung
  2. Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer
  3. Bereitschaft zur Kommunikation mit Patienten, Angehörigen und einem interdisziplinären Team
  4. Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung
  5. Physische und psychische Stabilität
  6. Fähigkeit zur Selbstpflege
  7. Teilnahme an Palliative-Care-Kursen und Bereitschaft zur Vertiefung
  8. Fähigkeit und Bereitschaft zur Integration von Angehörigen in den Pflegeprozess
  9. Fähigkeit und Bereitschaft zur multidisziplinären Teamarbeit
  10. Fähigkeit zum selbstständigen Arbeiten
  11. Bereitschaft, bei Notwendigkeit kurzfristig pflegeübergreifende Tätigkeiten zu übernehmen
  12. Fähigkeit zur Organisation, Koordination und Vernetzung

Die Autorin: Jutta Bülter ist Krankenschwester und Diplom-Sozialarbeiterin. Im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit berät und unterstützt sie ambulante Pflegedienste.

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