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Sterben Menschen mit Demenz anders? Was Angehörigen hilft und wie Sie helfen können

01.07.2019

Es ist eine schwere Aufgabe für Angehörige, den geliebten Menschen in den Tod zu begleiten. Dies kennen Sie wahrscheinlich auch aus Ihrer Arbeit. Wenn eine geliebte Person geht, ist der Sterbeprozess einer der schwierigsten Momente. Aber der Tod einer demenzerkrankten Person ist auch der Augenblick, der das Leben für viele in ein Davor und ein Danach teilt.

In dem plötzlich nichts mehr so ist, wie es war. Gerade bei Partnern gerät der Alltag dabei aus den Fugen. Viele der Hinterbliebenen sind erst mal überwältigt von Angst, Wut oder Verzweiflung und häufig allein mit ihrem Leid. Manche Angehörige benötigen für ihren Trauerprozess länger Zeit. Hier ist es wichtig, dass Sie die Angehörigen Ihrer verstorbenen Demenzerkrankten unterstützen, damit sie sich nicht alleingelassen fühlen. Dies gilt sowohl für den Sterbeprozess, als auch für die Zeit danach.

Sterben macht Angst

Angst vor dem Sterben haben fast alle, Demenzerkrankte ebenso wie die Angehörigen. Für Angehörige ist die Sterbebegleitung die allerletzte Zeit mit dem Betroffenen, die schwer und wertvoll zugleich ist. Der Beginn der Sterbephase stellt die Beteiligten vor eine große Herausforderung, bei der es wichtig ist, dass Sie den Angehörigen zur Seite stehen.

Sichern Sie sich noch heute weitere, wertvolle Tipps im Umgang mit demenziell veränderten Pflegekunden in Demenz: Pflege und Betreuung

Je besser die Kommunikation und das Vertrauen zwischen Ihnen und den Angehörigen sowie die Vorbereitung auf den bevorstehenden Tod sind, desto weniger Stress entsteht für alle Beteiligten im Moment des Todeseintritts und in der mittelbaren Zeit danach.

7 Unterstützungsmöglichkeiten für Angehörige in der Sterbebegleitung von Menschen mit Demenz

  1. Beziehen Sie die Angehörigen in die Pflege und Betreuung des Sterbenden mit ein, z. B. durch regelmäßiges Befeuchten der Lippen.
  2. Ermutigen Sie die Angehörigen, am Sterbebett auch über alltägliche Dinge zu sprechen und den sterbenden Demenzerkrankten zu berühren, z. B. die Hand zu halten.
  3. Bestärken Sie die Angehörigen, auch Zeiten der Stille und Ruhe auszuhalten.
  4. Machen Sie darauf aufmerksam, dass die/der sterbende Demenzerkrankte mit hoher Wahrscheinlichkeit die Unterhaltung wahrnehmen kann, genauso wie das, was um ihn herum geschieht, auch wenn der Sterbende selbst vielleicht nicht sichtbar reagiert.
  5. Schauen Sie ab und zu nach den Angehörigen. Bieten Sie Getränke an und empfehlen Sie Ruhepausen in einem anderen Raum.
  6. Wenn die Verhältnisse es erlauben, bieten Sie den Angehörigen eine Übernachtungsmöglichkeit an.
  7. Klären Sie über körperliche Symptome auf, die durch die Sterbephase hervorgerufen werden können, z. B. Rasselatmung, zunehmende Unruhe und Agitiertheit, Schmerzen etc.

Begleitung der Angehörigen nach Todeseintritt

Mit den nachfolgenden 4 Tipps können Sie Angehörige nach dem Todeseintritt einfühlsam begleiten, ohne dass Ihre Unterstützung als aufdringlich oder belehrend empfunden wird. Hier gilt das Motto „Alles kann – nichts muss“.

Mit dieser Haltung geben Sie den Angehörigen den Raum, sich frei entscheiden zu können, was sich in dieser emotionalen Grenz-Situation für sie richtig anfühlt und was nicht.

1. Tipp: Ermutigen Sie den Angehörigen, sich genügend Zeit und Raum zum Verabschieden zu nehmen.

2. Tipp: Bieten Sie den Angehörigen ein Abschiedsritual an, z. B. eine Kerze anzünden, eine Rose in die gefalteten Hände legen oder die Aufbahrung an einem bestimmten Ort. Fragen Sie nach, ob die Person einen Moment mit dem Verstorbenen allein sein möchte. Fragen Sie nach, ob für den Angehörigen jemand kontaktiert werden soll (z. B. weitere Verwandte).

3. Tipp: Erläutern Sie dem Angehörigen später den weiteren Verlauf, d. h. die letzten Pflegeverrichtungen, Totenschein, Bestattungsinstitut. Prüfen Sie die Möglichkeit der Aufbahrung, falls sich noch andere Personen von dem Verstorbenen verabschieden möchten.

4. Tipp: Fragen Sie, ob der Angehörige möchte, dass Personen aus der Glaubensgemeinschaft informiert werden, etwa für bestimmte Rituale wie z. B. eine kirchliche Aussegnung.

Hintergrundwissen: Trauer durchläuft verschiedene Phasen

Das folgende Modell der Trauerphasen wurde von der Schweizer Psychologin Verena Kast entwickelt. Es ist eine wichtige Grundlage für das Verständnis von Trauerprozessen. Jeder Trauerprozess ist dabei so individuell, wie es Menschen sind. Manche Angehörigen sind z. B. zunächst so mit der Regelung der Beerdigung beschäftigt, dass die Trauer erst nach der ganzen Organisation auftritt. Andere sind sofort nach Todeseintritt in eine tiefe Trauer eingetaucht. Hier gilt es, nicht zu urteilen, denn jeder Mensch erlebt die Trauerprozesse auf seine eigene Art.

Phase 1: Leugnen, Nicht-wahrhaben-wollen

Der Tod eines Menschen mit Demenz löst einen „Gefühlsschock“ aus, auch wenn er nicht unerwartet kommt. Es kann hilfreich sein, dass die Angehörigen den Toten mit eigenen Augen sehen, um die Phase des Leugnens zu überwinden. Drängen Sie aber nicht darauf. Auch ohne die sterbende Person gesehen zu haben, kann im Verlauf der Zeit eine Annahme erfolgen. Nur der Angehörige selbst bestimmt, ob er den Verstorbenen sehen möchte oder nicht.

Viele Angehörige weisen in dieser Phase körperliche Reaktionen wie Herzrasen, Schlaflosigkeit, körperliche Unruhe, Unwohlsein oder Schwitzen auf. Häufig ist die Phase des Leugnens sehr kurz, sie dauert einige Stunden bis maximal ein paar Tage an.Der Verlust wird geleugnet, kann nicht realisiert und die eigenen Emotionen können nicht wahrgenommen werden.

Phase 2: Aufbrechende Emotionen

In dieser Phase taucht der Trauernde meist in ein regelrechtes Gefühlschaos ein. Trauer, Verlustschmerz, Einsamkeit, Angst, Zorn und Wut kommen auf. Aber auch Freude und Erleichterung können sich einstellen, z. B. wenn der Demenzerkrankte nach langem Leiden verschieden ist. Die Emotionen sind jedoch oft mit Schuldgefühlen und einem schlechten Gewissen verbunden.

Vor allem Gefühle wie Schuld und ein schlechtes Gewissen können dabei sehr belastend sein und den Trauernden in dieser Phase festhalten, wenn er der Meinung ist, er habe zu Lebzeiten dem Verstorbenen gegenüber etwas versäumt oder nicht genug für ihn getan.

Diese Schuldgefühle können sich zu einem ernsthaften Problem entwickeln, bei einigen Menschen kann daraus eine Depression entstehen. Die Stimmungslabilität kann im Kontakt mit Dritten, z. B. Ihnen, schnell zu Schwierigkeiten führen. Hierbei sind viel Geduld und Fingerspitzengefühl sowie ein gewisses Maß an Abgrenzung von Ihnen gefordert.

Phase 3: Suchen und Sich-trennen

In der 3. Phase versucht der Trauernde, noch einmal bewusst eine Verbindung zu dem Verstorbenen zu spüren und diese intensiv zu erleben. Hierbei werden bedeutungsvolle Orte aufgesucht, Erinnerungen angesehen, Kleidung des Verstorbenen getragen oder dessen Zimmer betrachtet. Eine innere Auseinandersetzung mit dem Verstorbenen findet statt. Dadurch fällt es dem Hinterbliebenen leichter, ein Weiterleben ohne die Person zu akzeptieren.

Phase 4: Akzeptanz und Neuanfang

Nach den vorangegangenen Phasen kehren allmählich innere Ruhe und Frieden in die Seele des Trauernden zurück. Der Verlust wird angenommen. In dieser Phase kommt die Zeit, in der man wieder neue Pläne schmiedet. Durch den Trauerprozess hat sich das Leben meist völlig verändert.

Trauern - Was können Sie tun

Wie die Trauerphasen zeigen, kann die Trauerzeit im Leben eines Menschen schwierig sein und unterschiedlich lange von Wochen bis zu Monaten andauern. Um die Hinterbliebenen der Bewohner, aber auch andere trauernde Mitbewohner Ihrer Einrichtung zu unterstützen, besser durch die Phasen zu gelangen, sollten Sie entsprechende Angebote vorhalten.

Diese Angebote können Sie in Ihrer Einrichtung umsetzen

Trauercafé: Ziel des Trauercafés ist es, in gemütlicher Atmosphäre, am besten mit ausgebildeten Trauerbegleitern, in Einzelgesprächen oder auch am „runden Tisch“ mit anderen Gästen in Kontakt zu treten. Wichtig ist der geschützte Raum der Teilnehmer. In dem Trauercafé können Sie verschiedene Kooperationspartner einbeziehen, z. B. Pastoren oder den Hospizverein, um zu verschiedenen Themen einen Experten aufzuweisen. Die Treffen sollten mindestens 1-mal im Monat stattfinden, bestenfalls alle 2 Wochen. Die Teilnehmerzahl sollte maximal 10 Teilnehmer nicht überschreiten.

Trauerbroschüre: In der Trauerbroschüre sollten die wichtigsten Informationen zur Trauerzeit beschrieben werden. Zudem sollten literarische Tipps und regionale Ansprechpartner sowie weitere Angebote Ihres Hauses aufgeführt werden. Somit können die Hinterbliebenen sich zu Hause weiter informieren und sich gegebenenfalls Hilfe suchen.

Erinnerungscafé: Bieten Sie 1-mal im Monat ein Erinnerungscafé an. In dieser Zeit können Sie gemeinsam mit den Angehörigen und den Bewohnern derer gedenken, die im letzten Monat verstorben sind. Laden Sie hierzu gegebenenfalls auch Ihren Seelsorger ein. Neben Singen und Lesen können hierbei ein Erinnerungsbuch oder Fotos der Verstorbenen von gemeinsamen Ausflügen oder Feiern angesehen werden.

Erinnerungsbuch: Auch ein Erinnerungsbuch kann an vergangene Tage erinnern. Darin kann z. B. auch jeder Bewohner, der möchte, einen letzten Gruß an oder Gedanken für den Verstorbenen schreiben. Sie können das Buch auch gemeinsam im Rahmen Ihrer Gruppen- und Einzelangebote gestalten. Wählen Sie z.B. gemeinsam ein Foto des Verstorbenen aus, welches eingeklebt wird.

Überlegen Sie sich gemeinsam einen Spruch oder ein Lebensmotto. Es kann dann den Trauernden als Andenken und Zeichen der Anteilnahme überreicht werden. Sollten Sie so ein Buch führen, ist es wichtig, keinen Bewohner zu vergessen. Überlegen Sie im Team, wer für das Buch verantwortlich ist oder gegebenenfalls die Personen daran erinnern möchte.

Trauergottesdienst: Bitten Sie Ihren Seelsorger, während des nächsten Gottesdienstes der Verstorbenen zu gedenken, falls er dies nicht ohnehin bereits tut. Dadurch können auch Mitbewohner, denen es nicht möglich war, an der Beisetzung teilzunehmen, sich der Person besinnen.

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