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Pflegeproblem Mangelernährung: Antworten auf die 5 häufigsten Fragen

03.04.2020

In der Praxis erlebt man immer wieder, dass Pflegekräfte unsicher sind, wie sie vorliegende Ernährungsrisiken bei Bewohnern einschätzen sollen. Oftmals herrscht noch der Mythos vor, der BMI sei hier das einzige aussagekräftige Kriterium. Doch das ist falsch. Letztendlich ist der BMI lediglich ein Indikator zur Bewertung der Frage, ob ein Bewohner mangelernährt ist oder nicht.

Der Expertenstandard „Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege“ ist hierbei die Grundlage und gibt klare Empfehlungen. Im Folgenden haben wir Ihnen die Antworten auf die 5 häufigsten Fragen zum Pflegeproblem „Ernährungsrisiko“ zusammengestellt.

1. Woran erkennt man Ernährungsrisiken?

Zunächst ist für alle Bewohner bei der Neuaufnahme oder bei Veränderungen des Gesundheitszustandes anhand folgender Leitfragen festzustellen, ob ein Ernährungsrisiko vorliegt:

  • Gibt es einen unbeabsichtigten Gewichtsverlust?
    (Dieser liegt vor bei 5% in 1–3 Monaten bzw. 10% in 6 Monaten.)
  • Gibt es grobe Anzeichen für einen Nahrungsmangel?
    (z.B. zu weit gewordene Kleidung, tief liegende Augen oder auffällig niedriges Körpergewicht?)
  • Nimmt der Bewohner auffällig geringe Essmengen zu sich?
  • Gibt es einen erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf bzw. erhöhte Verluste?
    (z.B. aufgrund von zehrenden Erkrankungen oder durch außergewöhnliche Mobilität?)

Wenn nach dem Ergebnis der pflegefachlichen Einschätzung dieser Fragestellungen ein Risiko vorliegt, ist das individuelle Ernährungsrisiko zu beschreiben. Hier sollte dann über mehrere Tage eine Erfassung der tatsächlichen Nahrungsmenge mittels Ernährungsprotokoll erfolgen. So können Sie identifizieren, ob bzw. wann der Bewohner zu wenig isst, und infolgedessen weitere Maßnahmen ableiten.

2. Welche speziellen Risiken gibt es in der stationären Pflege?

Besonders in der stationären Pflege gibt es daneben noch weitere Kriterien, die eine Mangelernährung beim Bewohner auslösen können. Auch diese Aspekte sind von der Pflegekraft in der Beurteilung des Ernährungsrisikos mit einzubeziehen. Sie geben weitere Hinweise darauf, welche Maßnahmen ggf. einzuleiten sind:

  • Gibt es störende Umgebungsfaktoren (z.B. Lärm oder Unruhe bei den Mahlzeiten)?
  • Fühlt sich der Bewohner durch Mitbewohner gestört?
  • Empfindet der Bewohner Scham oder zeigt mangelnde Ausdrucksfähigkeit beim Anfordern von Unterstützung/Hilfe?
  • Gibt es noch nicht geäußerte Wünsche, Bedürfnisse oder Gewohnheiten beim Essen und Trinken des Bewohners?
  • Besteht eine Ablehnung des Speiseangebots in der Gemeinschaftsverpflegung?

Schritt-für-Schritt-Anleitung: So erkennen Sie Ernährungsrisiken und leiten Maßnahmen ein

1. Schritt: Nehmen Sie bei der Neuaufnahme eines Bewohners oder bei Veränderungen des Gesundheitszustandes anhand der aufgeführten Leitfragen eine 1. Einschätzung vor, ob ein Ernährungsrisiko vorliegt.

2. Schritt: Wenn Sie unsicher sind, nutzen Sie das vertiefende Assessment "MNA-SF". Beschreiben Sie möglichst genau die Ernährungssituation und führen Sie ggf. ein Ernährungsprotokoll. Dies ist die Basis für die einzuleitenden Maßnahmen in Schritt 5.

3. Schritt: Informieren Sie bei einem vorliegenden Ernährungsrisiko den behandelnden Arzt.

4. Schritt: Erstellen Sie einen Maßnahmenplan zur Behebung des Ernährungsrisikos. Beziehen Sie dabei die individuellen Wünsche und Bedürfnisse des Bewohners, aber auch umgebungsbezogene Faktoren mit ein.

3. Was tun, wenn eine pflegefachliche Einschätzung schwer möglich ist?

Natürlich kann die beurteilende Pflegekraft bei den genannten Leitfragen immer noch Zweifel haben, ob tatsächlich ein Ernährungsrisiko vorliegt bzw. welche Maßnahmen für den Bewohner überhaupt geeignet sind. Grundsätzlich erfordert eines der genannten Kriterien zwingend die Einleitung von Maßnahmen: das Vorliegen eines relevanten Gewichtsverlusts. Wird dieser festgestellt, erfolgen aber keine weiteren pflegerischen Interventionen, wird dies der MDK als Abweichung bewerten.

Bei einem unbeabsichtigten Gewichtsverlust ist stets notwendig, dass die Pflegefachkraft den behandelnden Arzt informiert und pflegerische Maßnahmen zur Behebung des Risikos einleitet. Hat die Pflegefachkraft aber weiterhin Zweifel in der Beurteilung des Ernährungsrisikos, sollte sie zum MNA-SF (Mini Nutritional Assessment Short Form) greifen. Dieses Assessment-Instrument bietet die Möglichkeit, zügig, aber dennoch umfassend ein vorliegendes Ernährungsrisiko zu identifizieren.

4. Welche Maßnahmen können bei Ernährungsrisiken eingeleitet werden?

Die Erstellung eines individuellen Maßnahmenplans zur Behebung des Ernährungsrisikos kann durchaus über mehrere Tage oder gar Wochen dauern. Häufig müssen verschiedene Maßnahmen schlichtweg ausprobiert werden (z. B. andere Essenszeiten, veränderte Darreichungsform, anderer Sitzplatz etc.). Grundsätzlich sind diese Maßnahmen mit dem Bewohner oder dessen Angehörigen abzustimmen, damit dessen Essgewohnheiten auch berücksichtigt werden können.

5. Welche Konsequenzen drohen bei einer bestehenden Mangelernährung?

Die Muskelkraft des Bewohners kann abnehmen und sich somit auch sein Sturzrisiko steigern. Es kann zu Hautoder Schleimhautdefekten kommen bzw. zu Wundheilungsstörungen (die in der Folge das Dekubitusrisiko erhöhen). Außerdem können neurologische und kognitive Beeinträchtigungen oder auch eine verminderte Herzleistung sowie Atemfunktion die Folgen sein.

Beugen Sie einer Mangelernährung Ihrer Bewohner unbedingt vor.
Somit gehen Sie auch sicher in die nächste MDK-Prüfung.

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